Kult-EventKölner Geisterzug: Die „Jeister“ brechen aus einfachem Grund mit der Tradition

Der Kölner Geisterzug ist vorverlegt worden. Dahinter steckte eine simple organisatorische Frage.

Die Geister sind los – und das schon früher als sonst. Konträr zur eigenen Tradition fand der Kölner Geisterzug in diesem Jahr nicht an den Karnevalstagen stattfinden. Stattdessen liefen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits am Samstag (11. Februar 2023) durch die Stadt. Traditionstermin ist eigentlich Karnevals-Samstag.

Das Motto in diesem Jahr: „Fastelovend es för all – halal, koscher un liberal – Mir fiere politisch.“ Und das war auch der Grund für die seltene Vorverlegung auf das Wochenende vor Karneval!

Kölner Geisterzug fand bereits am Samstag vor Karneval statt

Denn: Der Geisterzug versteht sich als politische Demonstration, vor allem vor dem Hintergrund der Situation im Iran – und wurde auch als solche angemeldet. Weltoffenheit, Verständnis und friedliches Miteinander sollen im Vordergrund stehen.

Alles zum Thema Polizei Köln

Aber Demos an Karneval? Da schritt die Kölner Polizei ein. Also blieb nur eine Verschiebung oder eine Anmeldung als Brauchtumsveranstaltung. Der Veranstalter, Ähzebär un Ko e.V., entschied sich für eine Verlegung.

Nehmen Sie hier an unserer EXPRESS.de-Umfrage teil:

Daher ging es schon am 11. Februar los. Und zwar in Riehl! Vom Platz zwischen Flora und Zoo geisterten die „Jeister“ unter anderem über die Stammheimer Straße, den Riehler Gürtel, die Amsterdamer Straße und Friedrich-Karl-Straße bis zur Auflösung am Wilhelmplatz.

„Wir solidarisieren uns mit den Protestierenden im Iran und bewundern deren Kraft und Durchhaltevermögen. Kurdinnen, Musliminnen, Christinnen, Atheistinnen initiierten den Protest und tragen ihn weiter, auch von vielen Männern unterstützt“, hieß es vom Verein in einer Ankündigung. Die „Kölsche Toleranz“ und religiöse und politische Liberalität müsse gestärkt werden.

Der Geisterzug ist mittlerweile seit mehr als 30 Jahren fester Bestandteil des Kölner Karnevals-Programms. Als 1991 wegen des 2. Golfkriegs der Rosenmontagszug ausfiel, zog letztlich die Antikriegs-Demo gemeinsam mit Karnevalistinnen und Karnevalisten durch die Stadt – der Geisterzug war geboren. 2021 und 2022 fiel der Geisterzug der Corona-Pandemie zum Opfer. (tw)