Aus einem Stammtisch heraus wurde 1951 die Karnevalsgesellschaft Seiner Deftigkeit Kölsche Boor gegründet. Das 75. Jubiläum hätten die Jecken fast vergessen. Nun soll der Verein wiederbelebt werden.
Neustart mit neuem PräsidentenKarnevalsgesellschaft verpennt eigenes Jubiläum

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Werner Klupsch (M.) ist der neue Präsident der KG Seiner Deftigkeit Kölsche Boor. Zusammen mit seinem Vizepräsidenten Volker Marx (l.) und Mitglied Michael Müller möchte er den Verein wieder bekannter machen.
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Wenn die eigenen Mitglieder nichts vom Vereinsjubiläum wissen, kann man eigentlich davon ausgehen, dass die Gesellschaft nicht mehr lange Bestand im Kölner Karneval hat.
Doch die KG Seiner Deftigkeit Kölsche Boor soll wieder für jeden Karnevalisten ein fester Begriff werden und nicht nur das Brauhaus am Eigelstein darstellen. Das ist zumindest der Wunsch des neuen Präsidenten Werner Klupsch, dem Bauern der Session 2024.
KG Seiner Deftigkeit Kölsche Boor: Werner Klupsch neuer Präsident
Nach einigen turbulenten Jahren, in denen so einiges in Schieflage geraten war, versuchte zwar Präsident Dirk Königs, der jetzige Präsident der Schnüsse Tring, den Verein zu retten, fand aber nicht die richtigen Helfer.
So sprach Königs die lockere Runde von zehn ehemaligen Kölner Bauern und dem langjährigen Adjutanten des Kölner Bauern und Ehrengardisten Volker Marx, an. „Wenn nicht bald etwas passiert, ist der Kölsche Boor weg vom Fenster“, sagte er.
„Wir haben dann vor vier Jahren den Verein übernommen. Es folgte direkt eine Satzungsänderung, in der unter anderem verankert ist, dass der Verein aus zehn Bauern und mir besteht und dass Entscheidungen nur einstimmig beschlossen werden können“, sagt Marx im EXPRESS.de-Gespräch.
Mitglieder sind die Ex-Bauern Michael Bernecker, Werner Braukmann, Frank Breuer, Andreas Bulich, Werner Klupsch, Dirk Königs, Ulrich Maslack, Michael Müller, Torsten Schmidt, Peter Josef Wolf und Ex-Adjutant Volker Marx. Mitglied im Freundeskreis kann dagegen jeder werden. „Die Zahl von 111 Freunden, die wir uns gesetzt hatten, wurde bereits deutlich überschritten“, sagt Marx. „Wir haben uns gewissermaßen neu erfunden.“

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Sascha, Werner und Friedrich Klupsch waren als Prinz Sascha, Bauer Werner und Jungfrau Frieda Dreigestirn 2024.
Michael Müller, der Präsident des Gemeinnützigen Bauvereins Sachsenturm und Blauer Funk, ergänzt: „Wir haben alle alten Zöpfe abgeschnitten.“ Neben den neuen Vereinsfarben und den Gehröcken, die mit Absicht an das Ornat des Bauern erinnern, wurde vor vier Jahren erfolgreich das „Bauernfrühstück“ ins Leben gerufen. Im Oktober 2025 wurde dann einstimmig Werner Klupsch als Präsident des Kölsche Boor gewählt.
Nach seiner Dreigestirnszeit sollte Werner Klupsch eigentlich der neue Kommandant des Treuen Husaren werden, was er aber dankend abgelehnt hat. „Das Amt ist mir zu eingefahren, das sieht beim Kölschen Boor ganz anders aus. Hier haben wir viel Spielraum, um eine alte Gesellschaft neu aufzustellen“, betont der Ex-Bauer. „Der Treue Husar liegt mir zwar sehr am Herzen, aber der Bauer ist eben eine Figur, die ich selbst darstellen durfte.“
Zusammen mit seinem Vizepräsidenten Volker Marx und Schatzmeister Werner Braukman möchte Klupsch den Kölschen Boor wieder zu altem Glanz verhelfen. „Wenn man Kölsche Boor sagt, sollen die Leute nicht an erster Stelle an das Brauhaus am Eigelstein denken, sondern an den Verein der staatsen Kölner Bauern.“ Auch der karitative Gedanke wird seinen Platz in der Zukunft verstärkt finden.

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Der neue Präsident der KG Seiner Deftigkeit Kölsche Boor ist Werner Klupsch.
Ohne das Festkomitee hätten die Verantwortlichen das 75-jährige Bestehen glatt verschlafen. „Kurz nach meiner Wahl bekam ich einen Anruf vom Festkomitee mit der Bitte, dass ich doch unsere Vereinskontonummer mitteilen sollte. Vollkommen ahnungslos fragte ich nach dem Grund und bekam für uns die peinliche Antwort. Für jeweils 25 Jahre Vereinsbestehen bekommt man 1111 Euro. Hätte das Festkomitee mich nicht angerufen – wir hätten unser eigenes Jubiläum verpennt“, gesteht der neue Präsident.
Gefeiert wird das Jubiläum unter anderem im Rahmen des Bauernfrühstücks, wo auch Klupsch offiziell in sein Amt eingeführt wird. Ferner findet am 4. Oktober 2026 erstmals ein typisches Bauernerntedankfest statt. Gefeiert wird im Sachsenturm der Blauen Funken. „Wir feiern keine Gala, sondern ein deftiges Erntedankfest mit kleinem Programm und Spanferkel“, kündigt Klupsch an. Der Vorverkauf soll nach Aschermittwoch starten.

