Kölner Karnevals-Bilanz Ordnungsamt verteilt 317 Pinkel-Knöllchen – Polizei mit überraschendem Fazit 

Polizeieinsatz an Karneval

Ein Mann liegt bei einem Polizeieinsatz am 11.11.2022 auf der Zülpicher Straße in Köln auf dem Boden. Für die Polizei gab es zum Sessionsauftakt viel zu tun.

Die Polizei Köln hatte am 11.11.2022 zum Auftakt des Karnevals viel zu tun. 

Der Sessionsauftakt ist für die Kölner Polizei einer der größten Einsätze des Jahres. Die Einsatzkräfte hatten vor allem rund um die überfüllte Zülpicher Straße viel zu tun. Überraschender Weise fällt das Fazit aber positiv aus.

Die Sessionseröffnung (11. November) hat die Polizei Köln bis tief in die Nacht beschäftigt. Zwischen Freitagmorgen 6 Uhr und Samstagmorgen (12. November) 6 Uhr waren Polizistinnen und Polizisten insgesamt 335 Mal im Stadtgebiet gefordert (zum Vergleich 2021 waren es 258 Einsätze). Sie erteilten 75 Platzverweise (2021: 165) und nahmen 28, meist alkoholisierte beziehungsweise randalierende Personen in Gewahrsam (2021: 34).

Die vorläufigen Kriminalitätszahlen nach Delikten teilte die Polizei am Samstag mit. 

  • Im Bereich der Kölner Innenstadt wurden insgesamt 145 Straftaten  (2021: 350) festgestellt. Darunter:
  • 51 Körperverletzungen (2021: 75)
  • 21 Taschendiebstähle (2021: 65)
  • Sechs Sachbeschädigungen (2021: 28)
  • Fünf Widerstandshandlungen mit sieben verletzten und drei nicht mehr dienstfähigen Polizeibeamten (2021: 6)
  • Zwei Raubstraftaten  (2021: 4)
  • Acht Fälle von angezeigten Sexualdelikten (2021: 10)
  • In sieben der Fälle handelt es sich um sexuelle Belästigungen (2021: 4)
  • In einem Fall liegt der Polizei Köln eine Anzeige zu einer Vergewaltigung vor (2021: 1)
  • Insgesamt gab es 406 Verkehrskontrollen
  • In 27 Fällen wurden Alkoholverstöße festgestellt
  • In zwei Fällen Fahrten unter Drogeneinfluss
  • Die Polizei ordnete 21 Blutproben an und stellte sechs Führerscheine sicher
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Diese Zahlen von Strafanzeigen binnen 24 Stunden nannte die Polizei vorbehaltlich weiterer Anzeigeneingänge. 

Gegen 20 Uhr nahmen Zivilfahnder zwei mutmaßliche Taschendiebe (18, 23) auf der Zülpicher Straße fest. Die beiden einschlägig polizeibekannten Männer hatten mehrfach vor den Augen der Beamten Feiernde angetanzt, umarmt und bedrängt.

Als der 18-Jährige einem 25-Jährigen das Mobiltelefon aus der umgehängten Bauchtasche entwendete und an den 23-Jährigen weiterreichte, griffen die Fahnder zu. Bei dem 18-Jährigen fanden die Polizisten ein weiteres mutmaßlich entwendetes Mobiltelefon. Er soll noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

In einem anderen Fall nahm die Polizei einen 32 Jahre alten Mann fest, der versucht haben soll, eine 23-Jährige auf der Bonner Straße gegen 20 Uhr gegen ihren Willen zu küssen.

Gegen 4 Uhr morgens war die Polizei nach einem Messerangriff auf einen 27-jährigen Bonner auf dem Hohenzollernring als Ersthelfer gefordert. Sie drückten die stark blutende Schnittverletzung am Hals des jungen Mannes bis zur Übernahme durch Rettungskräfte ab.

Dank der polizeilichen Videobeobachtung nahmen Einsatzkräfte den mutmaßlichen Tatverdächtigen (24) wenig später auf der Mohrenstraße fest. Ein Alkoholtest bei dem Wohnungslosen ergab mehr als zwei Promille. Bei seiner Durchsuchung stellten Beamte und Beamtinnen außerdem noch Cannabis sicher. Die Hintergründe der Tat sind derzeit noch unklar. Auch er soll noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

Kölner Karneval: Weniger Straftaten im Vergleich zum Vorjahr

Etwas überraschend – wie ein Sprecher der Kölner Polizei auf Anfrage von EXPRESS.de erklärt, sind die vorläufigen Zahlen von Straftaten am 11.11. im Vergleich zum Vorjahr geringer. „Bis auf die Situation auf der Zülpicher Straße, die erwartbar gewesen ist, war die Lage relativ entspannt. Im Großen und Ganzen lief es meist gesittet ab, was auch den Zahlen zu entnehmen ist“, so der Sprecher. 

Auch das Ordnungsamt der Stadt Köln veröffentlichte am Samstag Zahlen der Einsätze rund um den 11.11. – hier die Übersicht:

  • Der Verkehrsdienst ließ im Kwartier Latäng und im Severinsviertel jeweils acht Autos aus den Feierzonen abschleppen und verwarnte darüber hinaus 16 Halter und Halterinnen. In der Altstadt stellten Mitarbeitende zwei Autos sicher, fünf Halter und Halterinnen wurden verwarnt.
  • Der Ordnungsdienst richtete sein Augenmerk insbesondere auf den Jugendschutz. In der Altstadt mussten 37 junge Frauen und 23 junge Männer unter 18 Jahren alkoholische Getränke und in drei Fällen Tabak abgeben. Im Zülpicher Viertel führte der Ordnungsdienst im Rahmen des Jugendschutzes 206 Präventivgespräche. Dutzende Jugendliche mussten alkoholische Getränke abgeben.
  • Wegen des Glasverbots im Zülpicher Viertel und in der Altstadt mussten 66 Feiernde ihre Getränke in Plastikbecher umfüllen. Zwei Gewerbebetriebe hielten sich nicht an das Glasverbot.
  • Trotz der großen Zahl von Toiletten und Urinalen, die die Stadt aufgestellt hatte, machten nicht alle Feiernden Gebrauch davon. 49 Frauen und 268 Männer wurden wegen Wildpinkelns verwarnt und müssen ein Bußgeld in Höhe von mindestens 85 Euro bezahlen.
  • Vor dem Hauptportal des Doms löste der Ordnungsdienst gegen 22.30 Uhr eine Techno-Party mit etwa 150 Feiernden auf.
  • Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es keine Widerstandshandlungen gegen Außendienstkräfte des Ordnungsamtes, eine Strafanzeige wegen Beleidigung eines Mitarbeitenden wurde jedoch erstattet. Anders als bei vorherigen Karnevalseinsätzen wurden keine Dienstfahrzeuge beschädigt.
  • Einsätze der Hilfsdienste und des Rettungsdienstes: Die Hilfsdienste behandelten in der Altstadt bis 21.30 Uhr 145 Personen, im Zülpicher Viertel bis 18 Uhr 215. Aus der Altstadt wurden 30 Personen in Krankenhäuser transportiert, aus dem Zülpicher Viertel 54.
  • Der Rettungsdienst der Stadt Köln war stadtweit 930 Mal im Einsatz, ungefähr doppelt so häufig wie an einem „normalen“ Tag.

Mit Blick auf das Sicherheits- und Sperrkonzept der Stadt Köln kündigt Andrea Blome an:

„Wir werden in den kommenden Tagen alle Einsatzbilanzen zusammentragen, daraus ergibt sich dann ein Gesamtbild. Wir werden es analysieren und beraten, was gut und was weniger gut funktioniert hat, damit wir für den Straßenkarneval gegebenenfalls notwendige Anpassungen vornehmen können.“

Weiter heißt es: „Selbstverständlich werden wir dabei auch die Erfahrungen der Anwohner und Anwohnerinnen, Gastronomen und Gastronominnen sowie Gewerbetreibenden im Kwartier Latäng und in der Altstadt einbeziehen.“

Auch das Festkomitee Kölner Karneval habe noch einmal bekräftigt, sich bei den Planungen und Vorbereitungen für den Straßenkarneval aktiv einzubringen. (ad/mt)

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