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Ex-Bundespräsident zu BesuchJoachim Gauck mit Klartext in Köln: „Kriegsbrandstifter“

08.11.2026, Köln: Verleihung des Lew Kopelew Preises für Frieden und Menschenrechte 2026. Der Preis geht an Joachim Gauck und wurde von Tom Buhrow überreicht. Armin Laschet hielt die Laudatio. Foto: Uwe Weiser

Copyright: Uwe Weiser

Preisträger Joachim Gauck mit Laudator Armin Laschet (l.) und Tom Buhrow (r.), Vorsitzender des Lew-Kopelew-Forums

Bei der Verleihung des Lew-Kopelew-Preises in Köln fand Joachim Gauck klare Worte – auch über Wladimir Putin.

Klare Kante am Neumarkt: Joachim Gauck hat Russlands Präsidenten Wladimir Putin einen „Kriegsbrandstifter“ genannt. D

er frühere Bundespräsident wurde am Sonntagvormittag in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln mit dem diesjährigen Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte ausgezeichnet. Bei der Verleihung griff er Putin scharf an. Und er rief Deutschland dazu auf, verteidigungsbereiter zu werden.

Gauck in Köln: Putin vom möglichen Partner zum Feind

Auf der Bühne sprach Gauck mit Tom Buhrow. Der frühere WDR-Intendant ist Vorsitzender des Lew-Kopelew-Forums. Gaucks Befund: Der Westen habe zu lange gebraucht, um zu erkennen, was sich in Russland entwickle. Unter Putin sei aus einem möglichen Partner zunächst ein Gegner geworden – und schließlich ein Feind. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Dabei habe es schon früh Warnzeichen gegeben, so Gauck. Zum Beispiel der Kaukasuskrieg 2008 und die Annexion der Krim 2014. Beides hätte deutlich machen müssen, wohin sich das Land unter Putin entwickle.

Seit 2022 führt Putin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Gauck schätzt seine Politik als aggressiv, nationalistisch und imperial ein. Aus dieser Bedrohung müsse Deutschland Konsequenzen ziehen. Das Land müsse in der Lage sein, die eigene Freiheit und die demokratische Ordnung zu verteidigen. Gaucks Appell an die Menschen: „Wir müssen diejenigen sein, die das eigene Land so liebhaben, dass wir es für verteidigungswert halten.“

Joachim Gauck im Gespräch mit Tom Buhrow bei der Preisverleihung in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln am Neumarkt

Copyright: Uwe Weiser

Joachim Gauck im Gespräch mit Tom Buhrow bei der Preisverleihung in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln am Neumarkt

Doch Gauck blickt auch nach innen. In demokratischen Gesellschaften beobachte er eine wachsende Sehnsucht nach autoritärer Führung. Das betreffe nicht nur Deutschland. Als Beispiele für autoritäre Politiker nannte er Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan.

Seine Warnung ist unmissverständlich: „Da ist kein Zukunftsmodell, zurück in einen Gehorsam, der dich und mich ruinieren würde.“ Von den demokratischen Parteien forderte Gauck überzeugende Antworten. Sie dürften nicht vor allem mit sich selbst beschäftigt sein.

Gaucks Vater saß in DDR-Haft

Diktatur und Unfreiheit – für Gauck ist das ein Thema mit eigener Lebensgeschichte. 1951 wurde sein Vater in der DDR verhaftet und saß mehrere Jahre in Haft. Nach dem Mauerfall wurde Gauck der erste Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen. Er leitete damit jene Behörde, die später nach ihm benannt wurde: die „Gauck-Behörde“.

Die Laudatio hielt Armin Laschet, früherer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Er würdigte den Bundespräsidenten a.D. als starke Stimme für Freiheit und Demokratie. Laschet erinnerte auch an den Mann, dessen Namen der Preis trägt. Lew Kopelew war ein sowjetischer Germanist. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs kritisierte er die Gewalt gegen deutsche Zivilisten – und wurde dafür zu zehn Jahren Straflager verurteilt.

Nach seiner Freilassung kämpfte Kopelew für Menschenrechte und Meinungsfreiheit. 1981 wurde er ausgebürgert. Bis zu seinem Tod im Jahr 1997 lebte er in Köln. (red)