In Warschau hat NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich seine „Siegestheorie“ vorgestellt. Der Plan für den Fall eines russischen Angriffs sieht Drohnen, Roboter und Raketenschläge bis nach Kaliningrad und St. Petersburg vor.
NATO-Oberbefehlshaber warnt Putin„Dann werden wir dafür sorgen“

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NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich am 12. Oktober in Warschau.
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Seit Monaten warnen Experten davor, dass Russland seine Aggression gegenüber der NATO verstärken könnte. Nun warnt ein NATO-Oberbefehlshaber Russland vor solchem Schritt. Man sei vorbereitet.
„Wenn jemand so töricht ist, uns anzugreifen, werden wir kämpfen“, sagt Alexus Grynkewich laut der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir werden den Angriff stoppen und ihm die Fähigkeit nehmen, seine Ziele zu erreichen, welche auch immer das sein mögen. Kurz gesagt: Wir werden dafür sorgen, dass sich jeder Angriff auf jeden Verbündeten als völlig zwecklos erweist.“
„Theorie des Sieges“ der NATO vorgestellt
Grynkewich ist General der US-Luftwaffe und Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa. Am 12. Oktober stellte er auf dem Warschauer Sicherheitsforum vor, was er seine „Siegestheorie“ („Theory of Victory“) nennt. Gemeint ist die Strategie, mit der die NATO einen möglichen Angriff auf ihr Gebiet abwehren will. Alle 32 Mitgliedsstaaten haben ihn nach Angaben des Senders Euronews gebilligt.
Im Kern hat der Plan drei Stufen. „Wir werden den ersten Angriff aufhalten. Wenn der Angriff anhält, werden wir ihn abschwächen und den feindlichen Vormarsch verhindern“, sagte Grynkewich. Läuft der Angriff dann immer noch weiter, will die NATO die gegnerischen Streitkräfte zerschlagen, und zwar mitsamt dem militärischen System dahinter. „Feindliche Streitkräfte und unterstützende Fähigkeiten werden reduziert und zerstört“, sagte der General.
Eine klare Ansage an Moskau: Im Ernstfall würde die NATO auch weit über das eigentliche Kampfgebiet hinaus zurückschlagen. Ins Visier nehmen wolle sie demnach „alles und jedes, was diese Truppen unterstützt, versorgt und steuert“. Laut dem „Wall Street Journal“ betonte Grynkewich aber auch, dass die NATO Russland nicht als Staat besiegen oder seine Regierung stürzen wolle. Ziel sei allein, jeden Angriff auf NATO-Territorium abzuwehren.
Einzelheiten zum Plan wurden nicht veröffentlicht. An der Ostflanke der NATO solle demnach eine große „autonome Zone“ entstehen. Dort sollen Drohnen und Bodenroboter einen russischen Vormarsch aufhalten, damit die eigenen Soldaten keine hohen Verluste erleiden. Eine Lehre aus dem Krieg in der Ukraine: Neben teurer Hightech-Ausrüstung setzt der Plan auf vergleichsweise billige Drohnen in großer Stückzahl. Grynkewich: „Wir lernen eine Menge von den ukrainischen Partnern.“
Im Ernstfall wird auch die Exklave Kaliningrad zum Ziel
Gleichzeitig sollen Langstreckenraketen russische Kommandoposten und Luftabwehrsysteme angreifen, und zwar im Gebiet Kaliningrad, in der Gegend um St. Petersburg und in Belarus. Die russische Exklave Kaliningrad liegt zwischen Polen und Litauen, mitten im NATO‑Gebiet.
Die Schläge sollen Russland die Kontrolle über den Luftraum nehmen. Russland warnte vor Kurzem sehr deutlich vor militärischen Schritten gegen die Exklave. Man werde jede Waffe einsetzen, auch Atomwaffen.
Mit einem Krieg in naher Zukunft rechnet das Bündnis laut Grynkewich derzeit aber nicht. Abschreckung hieße aber auch, für den Kriegsfall bereit zu sein. Man müsse nicht nur für die wahrscheinlichsten Fälle planen, sondern auch für solche, die im Bereich des Möglichen sind. Am wirksamsten schrecke man Russland ab, wenn die NATO immer wieder und unmissverständlich zeige, dass sie jeden Angriff abwehren kann. (mg)

