Gauck fand bei der Verleihung des Lew-Kopelew-Preises deutliche Worte.
Früherer Bundespräsident in KölnJoachim Gauck erhält Preis – und teilt gegen Putin aus

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Preisträger Joachim Gauck mit Laudator Armin Laschet (l.) und Tom Buhrow (r.), Vorsitzender des Lew-Kopelew-Forums
Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin scharf attackiert und Deutschland zu größerer Verteidigungsbereitschaft aufgerufen. Putin sei ein „Kriegsbrandstifter“, sagte Gauck als diesjähriger Preisträger bei der Verleihung des Lew-Kopelew-Preises für Frieden und Menschenrechte am Sonntagvormittag in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln am Neumarkt.
Aus Putin sei ein Gegner und dann ein Feind geworden
Der Westen habe zu lange gebraucht, um die Entwicklung in Russland zu erkennen, sagte Gauck im Gespräch mit dem früheren WDR-Intendanten Tom Buhrow, dem Vorsitzenden des Lew-Kopelew-Forums. Mit Putin sei aus einem möglichen Partner zunächst ein Gegner und schließlich ein Feind geworden. Dabei habe es früh Warnzeichen gegeben. Etwa der Kaukasuskrieg 2008 und die Annexion der Krim 2014 hätten deutlich machen müssen, wohin sich das Land unter Putin entwickle.
Wladimir Putin, der seit 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, verfolgt nach Gaucks Einschätzung eine aggressive nationalistische und imperiale Politik. Aus dieser Bedrohung müsse Deutschland Konsequenzen ziehen. Es gehe darum, die eigene Freiheit und die demokratische Ordnung verteidigen zu können. „Wir müssen diejenigen sein, die das eigene Land so liebhaben, dass wir es für verteidigungswert halten“, sagte Gauck.

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Joachim Gauck im Gespräch mit Tom Buhrow bei der Preisvderleihung in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln am Neumarkt
Gauck erklärte, auch im Inneren demokratischer Gesellschaften beobachte er eine wachsende Sehnsucht nach autoritärer Führung. Die Entwicklung lasse sich nicht auf Deutschland beschränken. Gauck verwies auf autoritäre Politiker wie Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan. „Da ist kein Zukunftsmodell, zurück in einen Gehorsam, der dich und mich ruinieren würde“, sagte Gauck. Demokratische Parteien müssten überzeugende Antworten geben und dürften nicht vor allem mit sich selbst beschäftigt sein.
Joachim Gaucks Vater wurde in der DDR verhaftet
Für Gauck hat die Auseinandersetzung mit Diktatur und Unfreiheit eine biografische Dimension. Sein Vater wurde 1951 in der DDR verhaftet und war mehrere Jahre in Haft. Nach dem Mauerfall stand Gauck als erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen an der Spitze der später nach ihm benannten „Gauck-Behörde“. Die Laudatio auf Gauck hielt Armin Laschet, früherer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Er würdigte den Bundespräsidenten a.D. als starke Stimme für Freiheit und Demokratie.
Laschet erinnerte auch an den Namensgeber des Preises: Lew Kopelew war ein sowjetischer Germanist, der zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Gewalt gegen deutsche Zivilisten kritisierte und dafür zu zehn Jahren Straflager verurteilt wurde. Nach seiner Freilassung setzte er sich für Menschenrechte und Meinungsfreiheit ein. Kopelew wurde 1981 ausgebürgert und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1997 in Köln.
