Sie ist seit über 60 Jahren eine der erfolgreichsten (Schlager-)Sängerinnen in Deutschland: Auch mit 80 steht Gitte Hænning immer noch regelmäßig fit auf der Bühne - und das obwohl sie in Sachen Fitness eher „faul“ ist.
Mit 80 aktiv wie eh und jeDas ist das Fitnessgeheimnis von Gitte Hænning

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Schlager-Legende, Pop-Star und Jazz-Liebhaberin aus Dänemark: Gitte Hænning feiert am 29. Juni ihren 80. Geburtstag. (Bild: NDR / Uwe Ernst)
Sie könnte es ruhiger angehen lassen. Stattdessen ist sie mit ihrer „Ich bin stark - 80 Jahre Gitte Hænning“unterwegs, und spielt dieses Jahr noch zahlreiche Konzerte in ganz Deutschland. „Arbeit tut uns Menschen wahnsinnig gut“, sagte Hænning jüngst in der NDR-Sendung „DAS! Rote Sofa“. „Mein Schwager hat früh aufgehört zu arbeiten, weil er seinen Platz jüngeren Leuten überlassen wollte. Und dann ist er sofort alt geworden. Nichts tun ist nicht der Sinn der Sache - wir müssen aktiv bleiben.“ Zu ihrem 80. Geburtstag am 29. Juni plant sie keine großen Aktivitäten: „Ich bin schon so oft gefeiert worden in meinem Leben, dass es mir darum gar nicht geht an dem Tag. Wenn ich mit guten Leuten gute Gespräche führen kann, reicht mir das völlig.“
Dank Fahrrad zum Kinderstar

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In den 60er-Jahren wurde Gitte Hænning in Deutschland zu einem der beliebtesten Schlagerstars. (Bild: ZDF Studios)
Begonnen hat alles mit einem Fahrrad. Gitte Hænning war acht Jahre alt, als ihr Vater - der dänische Liedermacher und Chansonieur Otto Johansson - sie ins Aufnahmestudio mitnahm. Er brauchte Geld, sein Produzent hatte ein Vater-Tochter-Duett vorgeschlagen. Die ältere Schwester war mit zwölf Jahren zu alt. Also kam Gitte ins Spiel - und ließ sich mit dem Versprechen eines Fahrrads überreden. „Ich wollte das gar nicht, ich hatte mit meinen acht Jahren keinen Bock darauf“, sagte sie dem „Nordkurier“. Der Erfolg der Aufnahme überraschte alle - nur Gitte blieb staunend daneben. „Da wurde ich als Hoffnungsträger eingesetzt, und ein Kinderstar wurde geboren.“
Die Musiker, die damals für ihre Plattenaufnahmen engagiert wurden, liebten den Jazz - und prägten damit ihr musikalisches Fundament für das Leben. Einen zweiten Gesangslehrer beschreibt Hænning als besonders prägend: Er redete die Elfjährige mit „Sie“ an, ließ sie leise und gehaucht singen, brachte ihr künstlerische Selbstständigkeit bei. Mit 14 sagte sie ihrem Vater, dass sie ihn bei ihren Engagements nicht mehr dabei haben wollte.

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Wer wuschelt denn da Zolloberinspektor Kressin (Sieghardt Rupp) durch die Locken? Es ist Gitte Haenning! Die dänische Sängerin spielte in „Kressin stoppt den Nordexpress“ (1971) die Freundin des „Tatort“-Ermittlers. (Bild: WDR)
Den Weg nach Deutschland ebnete Henri Regnier, damaliger Unterhaltungschef des NDR, der Hænning im dänischen Fernsehen entdeckt hatte. Ihr Stil galt als „zu jazzy“ - also gab man ihr Schlager-Arrangements, schnieke Kostümchen und einen Partner: Rex Gildo. „Er war ganz bestimmt ein bezauberndes Wesen, aber das Ganze war einfach nicht meine Welt“, sagte sie im „DAS! Rote Sofa“-Gespräch.
Als Schlagersängerin spielte Hænning ihre Rolle gut

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Gitte Hænning plant keine große Feier zum 80. Geburtstag: „Ich bin schon so oft gefeiert worden in meinem Leben, dass es mir darum gar nicht geht an dem Tag. Wenn ich mit guten Leuten gute Gespräche führen kann, reicht mir das völlig.“ (Bild: Christian Augustin/Getty Images)
Mit 16 gewann Hænning 1963 den Deutschen Schlagerwettbewerb und verkaufte mit „Ich will 'nen Cowboy als Mann“ über eine Million Singles. Den Song wollte sie ursprünglich gar nicht singen. Um ihn überhaupt interpretieren zu können, schlüpfte sie in eine Rolle: „Ich wusste ganz genau, ich sehe aus wie das Mädchen von nebenan - und gleichzeitig steckte auch diese kleine Schauspielerin in mir.“ Und diese Rolle füllte sie aus, wurde einer der größten Schlagerstars der 60er-Jahre und vertrat 1973 Deutschland mit dem Titel „Junger Tag“ beim Eurovision Song Contest in Luxemburg.
Dass sie nur Interpretin war, störte Hænning dabei nicht. Sie könne keine Noten lesen, gestand sie einst im teleschau-Interview: „Aber ich habe Ideen, und ich weiß immerhin, was Dur und Moll ist.“ Und ihre Ideen brachte sie ein. In den frühen 1980er-Jahre entstanden einige ihrer stärksten Songs - und die haben eine für Hænning typische Entstehungsgeschichte: Ihr Songschreiber schickte ihr Material, das sie so empörte, dass sie ihm eine „lange, wütende Rede“ hielt.
Das Ergebnis: „Ich will alles“, „Ich bin stark“ und „Und wenn ich dich liebe“, drei ihrer größten Hits, die sie bis heute auf der Bühne zum Besten gibt. Dass ihr Publikum mit ihr gealtert ist, nimmt sie mit Humor: „Die kommen wahrscheinlich mit ihren Rollatoren zum Konzert - aber dann werden sie rocken!“
„Das ist das richtige, das wahre Leben“
Warum sie selbst bis heute fit ist und auf der Bühne rockt, dafür hat Hænning eine einfache Erklärung: „Ich bin nicht krank, denn ich esse viele gute Vitamine. Aber ich bin faul. Ich mache kein Yoga, obwohl man das wirklich tun sollte.“ Auf Sylt sei sie zuletzt wandern gewesen - und habe ihrer Trainerin versichert, auf sich aufzupassen. Den Muskelkater danach hatte sie trotzdem.
Und wenn Hænning, die seit den 90er-Jahren in Berlin lebt, nicht auf der Bühne ist, schnappt sie sich ihr gelbes Klapprad und fährt allein los. „Ich bin gerne auf Entdeckungsreise, möchte dabei die Menschen erleben. Und ich hoffe immer, dass sie mich nicht erkennen. Das ist das richtige, das wahre Leben.“ (tsch)
