Die Toten Hosen haben das erste ihrer zwei Köln-Konzerte im Rhein-Energie-Stadion gespielt. Dabei gab es viele Hits und neue Songs. Dauerthema war die Beziehung zwischen Köln und Düsseldorf.
Beim „Auswärtsspiel“Campino schließt Frieden mit Köln – nur eins geht für ihn gar nicht

Copyright: Arton Krasniqi
Campino, Frontmann der Toten Hosen, gab am Freitagabend (17. Juli 2026) das erste der beiden Köln-Konzerte auf der Abschiedstour.

Aktualisiert:
Die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf mit den dazugehörigen Frotzeleien gibt es schon seit über 700 Jahren. Doch selbst einer der überzeugtesten Vertreter aus der Landeshauptstadt muss inzwischen gestehen, dass das Konkurrenzdenken doch eigentlich Quatsch ist.
„Wir brauchen euch, ihr braucht uns. Wir brauchen uns – Rheinland. Zusammen sind wir unschlagbar“, rief Campino (64), Frontmann der Toten Hosen, beim Konzert am Freitagabend (17. Juli 2026) in die Menge. „Eigentlich lieben wir euch“.
Die Toten Hosen in Köln: 42.000 Fans feiern spektakuläres Konzert
Im Rhein-Energie-Stadion stand für die Hosen das wahre „Auswärtsspiel“ der Tour an. Am Ende fühlte sich dieser zweieinhalbstündige Abend wie ein 6:0-Sieg für die Gäste – die aktuell von Jack Baker am Keyboard unterstützt werden – an.
Dennoch schmiss sich der Sänger immer wieder ans Kölner Publikum ran. „Es gibt etwas, um das ich euch richtig beneide“, sagte er. „Ihr seid Partnerstadt von Liverpool.“ Passend dazu trug der Halb-Engländer das Trikot der Reds und stimmte zum Finale die Stadion-Hymne „You’ll Never Walk Alone“ an. Die vier Pylone des FC-Tempels leuchteten dazu rot.
Vielleicht lag es aber auch daran, dass Sportfan Campino derzeit keine guten Argumente hat: Fortuna in der 3. Liga, die DEG zweitklassig. Nachdem die Hosen bei ihrem Heimspiel in Düsseldorf schon ein neues Fortuna-Trikot erstmals präsentiert hatten, war jetzt der Eishockey-Klub dran, indem der Frontmann das neue Auswärtsjersey enthüllte. „Das Trikot hätten wir anhaben können, wenn wir gegen euch spielen würden.“

Copyright: Arton Krasniqi
Mit Megafon leitete Campino den alten Klassiker „Opel-Gang“ ein.
So bleibt nur die Vorfreude auf die 3. Liga. „Fortuna Köln gegen Fortuna Düsseldorf – wir sehen uns“, kündigte Campino an. Fanliebe kennt schließlich keine Liga. Nur eins musste der 64-Jährige dann doch noch loswerden. „Immer, wenn wir in Köln spielen, zünde ich vorher im Dom eine Kerze für uns an. Aber hey: Das ist schon frech“, sagte er.
„Ihr bezeichnet uns immer als Schickimicki-Stadt. Schaut euch mal eure Preise an. Zwölf Euro für den Eintritt in den Dom. Wie sollen wir so den Glauben an Gott wiederfinden? Ich hatte 15 Euro dabei und Hunger. Da ess’ ich lieber einen Poldi-Döner, und der kostet auch 12,50 Euro.“

Copyright: Arton Krasniqi
Die Fans feierten ausgelassen das Konzert und ließen sich immer wieder von der Menge tragen.
Die gute Laune schwappte beim Konzert immer wechselseitig von der Bühne zum Publikum und wieder zurück. Mit „Opel-Gang“, dem Titelsong des Debütalbums aus dem Jahr 1983, ging es in den Abend. Dass das neue Album, „Trink aus! Wir müssen gehen“ bereits das 13. Nummer-eins-Werk der Hosen ist, spürte man ebenfalls schnell. Die frischen Titel wie „Die Show muss weitergehen“ oder „Wir waren nie weg“ zündeten sofort.
Angeblich befinden sich die Düsseldorfer auf ihrer Abschiedstour. Aktuell gibt es Konzertdaten bis Mitte 2027. Als Campino die tobende Menge in Köln bei „Schönen Gruß, auf Wiederseh’n“ beobachtete, seufzte er kurz auf. „Wir haben gar keinen Bock, zu gehen.“ In der Tat sprüht die Band auch im 44. Jahr ihres Bestehens noch voller Energie. Und die Anhänger feiern ihre Helden weiter leidenschaftlich ab.
31 Songs gab’s für die 42.000 Fans. Natürlich durften die Mega-Hits wie „Altes Fieber“, „Wannsee“, „Alles aus Liebe“, „Wünsch dir was“ oder „Hier kommt Alex“ nicht fehlen. Bei „Nur zu Besuch“ kullerten viele Tränen im Stadion. „Pushed Again“ gab es mit kontrolliert abgefackelter Pyrotechnik. Zu „Tage wie diese“ flogen Konfetti und Luftschlangen durch die Luft. So sieht also Mainstream-Punkrock aus.

Copyright: Arton Krasniqi
Campino beim Konzert mit Gitarrist Michael „Breiti“ Breitkopf (l.)
Bommerlunder gab’s zwar für die Fans vor der Bühne, aber nicht gesungen. „Das ist aus einer anderen Zeit. Wir sind auch aus einer anderen Zeit. Ich war mal Kettenraucher und habe Ernte 23 geraucht“, geriet der Sänger richtig ins Plaudern. Trotzdem gab’s noch ein „Sauflied“, wie er es nannte. „Zehn kleine Jägermeister“ kam genauso gut an wie das Ärzte-Cover „Schrei nach Liebe“.
Auch wenn zwischen Campinos Wohnsitz und dem FC-Stadion nur 50 Kilometer lägen, sei es doch ein langer Weg bis dahin gewesen. 1985 haben die Toten Hosen in der Kulturfabrik Stollwerck das letzte Konzert mit ihrem Schlagzeuger Trini Trimpop gespielt. „Wir haben uns die Augen aus dem Kopf geheult“, erinnerte sich Campino. „An dem Abend haben wir unser Set einfach zweimal gespielt. Beim zweiten Mal war kein Publikum mehr da.“
Die Toten Hosen: Campino enthüllt beim Köln-Konzert neues DEG-Trikot
Inzwischen geht die Fangemeinschaft durch alle Generationen. Ergraute Fans der ersten Jahre feierten so ausgelassen wie Jugendliche. Schwachpunkt: Die Tontechniker hatten ihre Mühe, den Klang überall gut auszusteuern. Besonders im Oberrang hallte es kräftig. Ähnlich verbesserungswürdig war die Lage an den Getränkeständen, wo viel Geduld gefragt war.
Als Überraschungsgast war beim ersten „Auswärtsspiel“ Broilers-Frontmann Sammy Amara dabei, der den Song „Meine Familie“ anstimmte. Viele hatten auf Wolfgang Niedecken gehofft, der zusammen mit Campino den BAP-Klassiker „Kristallnaach“ auf Hochdeutsch auf dem neuen Album gesungen hat. Nach EXPRESS.de-Informationen werden die Fans am Samstagabend, bei der zweiten Köln-Show, in den Genuss kommen.
