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AnnenMayKantereit in KölnUmjubeltes Heimspiel am „bisher schönsten Tag in meinem Leben“

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Die Kölner Band AnnenMayKantereit hat 15 Jahre nach ihrer Gründung erneut das Stadion in Müngersdorf komplett gefüllt. Beim Heimspiel hatte die Gruppe etliche Überraschungen für ihre Fans parat.

Henning May strahlte über das ganze Gesicht. „Ich sag’s ehrlich. Das war der bisher schönste Tag in meinem Leben“, sagte der 34-Jährige glücklich. Vor 15 Jahren stand er noch mit seinen Kumpels Christopher Annen und Severin Kantereit in der Schildergasse, um Musik zu machen.

Am Samstagabend (11. Juli 2026) haben die drei Schulfreunde vom Schiller-Gymnasium als AnnenMayKantereit zum zweiten Mal nach 2023 das Rhein-Energie-Stadion gefüllt. 45.000 begeisterte Fans feierten ein phänomenales Heimspiel der Pop-Rockband aus Köln.

AnnenMayKantereit: 45.000 Fans feiern Heimspiel des Kölner Trios

Erst am Freitagabend der Jubel um BAP, am Tag danach die nächsten Lokalpatrioten. Zwei Generationen Musik, zweimal komplette Eskalation in Müngersdorf. Dieser Konzert-Doppelpack war ein historischer für das Stadion.

Als sich um 20.15 Uhr der Vorhang öffnete und mit der Textzeile „Die Vögel scheißen vom Himmel und ich schau’ dabei zu“ aus dem Song „Marie“ der Abend eröffnet wurde, konnten die treuen Fans noch nicht damit rechnen, wie viele Überraschungen das Trio, das von Sonja Glass am Bass verstärkt wurde, in petto hatte.

Die Begeisterung im Publikum war direkt so groß, dass schon nach dem ersten Song Hektik im Innenraum ausbrach, weil die ersten Fans nach der Wartezeit in sengender Hitze in Ohnmacht gefallen waren. „Liebe Securitys und Sanis, da winken Leute“, sagte May und wartete, bis die Personen in Sicherheit gebracht waren.

Der Frontmann wollte es ganz genau wissen. „Wer war 2023 schon da?“ Der Jubel zeigte: einige. „Wer war noch nie auf einem Konzert von uns?“ Da wurde es schon deutlich lauter. „Und wer ist aus Köln oder dem Kölner Umland?“ Bei der Frage schrien nahezu alle. In dem Moment war klar: Mehr Heimspiel geht nicht.

AnnenMayKantereit beim Konzert 
im Rhein-Energie-Stadion.

Copyright: Thomas Banneyer

Christopher Annen, Severin Kantereit und Henning May (v.l.) bei ihrem Konzert im Rhein-Energie-Stadion.

„Vielleicht Vielleicht“ setzte den ersten Höhepunkt. Aber AnnenMayKantereit hatte nicht nur die bekannten Hits im Angebot. „Wir arbeiten an einem neuen Album“, sagte Schlagzeuger Severin Kantereit. „Da wir aber auf Tour sind, machen wir das einfach hier.“ Links von der normalen Bühnenfläche hatte die Band ein weiteres Podest aufgebaut. „Das ist unser Studio. Wir nehmen die Songs hier auf und ihr seid dabei.“

Fans von AnnenMayKantereit beim Konzert 
im Rhein-Energie-Stadion.

Copyright: Thomas Banneyer

Die Fans im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion waren komplett begeistert vom Konzert der Kölner Band.

„Komm zu mir“ und „Kleine Wolken“, die ersten beiden unveröffentlichten Titel, gingen sofort prima ins Ohr. Später folgten noch die Titel „Dunkelgrün“, „Morgen ist wieder alles vorbei“ und in den Zugaben „Legende“. Fünf unbekannte Songs in einem Konzert zu spielen, ist eigentlich ein großes Wagnis. Aber die Lieder entfalteten sofort ihre Qualität.

Die drei Kölner haben sich ihren ehrlichen Charakter ihrer Straßenmusik-Tage bewahrt. Die Melange aus Blues, Pop, Rock und Singer-Songwriter-Stücken, die vom rauen Bariton des Frontmanns getragen wird, funktioniert einfach. Mit „Pocahontas“ und „Oft gefragt“ folgten aber auch zwei absolute Hits zwischendurch.

AnnenMayKantereit beim Konzert 
im Rhein-Energie-Stadion.

Copyright: Thomas Banneyer

Henning May setzte sich zwischendurch auch immer mal ans Klavier. Der Frontmann spielte auch Ukulele und Akkordeon.

„Wir hätten nicht gedacht, dass wir das noch mal schaffen“, sagte May, als er die ausflippende Menge im ausverkauften Stadion betrachtete. Und es sollte noch besser werden. Ab „Du bist anders“ kam noch ein Bläser-Quartett dazu und gab den Songs noch mehr Volumen. Zudem tauchte die Band immer mehr ins Kölner Erlebnis ein.

Nach „Ich geh heut nicht mehr tanzen“ ging es zur zweiten Bühne mitten im Innenraum. May hatte inzwischen sein T-Shirt gegen ein FC-Trikot aus der Saison 1995/96 getauscht. „Das ist der einzige Outfit-Change, den ich je gemacht habe. Ich hatte leichte Lady-Gaga-Vibes“, sagte er lachend. Aber das Retro-Trikot passte zum Programm.

Um die Einzigartigkeit des Abends zu würdigen, hatten die drei 2023 den Song „Schmetterling“ für ein einziges Mal gespielt. Dieses Mal gab es sogar zwei Uraufführungen, die nie mehr wiederholt werden. Ein Lied („Dat verjesse mer nit“) handelte vom Einsturz des Stadtarchivs.

AnnenMayKantereit: Sänger singt im FC-Trikot Lieder über seine Stadt

Und der Karneval wurde mit dem Titel „Ich wünsch’ mir ein Fenster zum Zoch“ gewürdigt. Denn: „Vom Friere han ich jenoch. Ich will im Warmen stehen.“ Passend dazu warfen die drei Musiker Strüßjer in die Menge. Die Köln-Liebe, sie schießt May und seinen Freunden aus jeder Pore.

Nach diesem lokalen Doppelschlag war die Köln-Hymne „Tommi“ die passende Krönung. „Da, wo mer zosamme groß jeworde sin, da ziehen mer alle irgendwann wieder hin. Damit die Kinder, die mer krieje könn’n, alle in Kölle jebore sin“, schallte es beeindruckend laut durch Müngersdorf.

Auftritt von Blumengarten im Rhein-Energie-Stadion
vor AnnenMayKantereit.

Copyright: Thomas Banneyer

Die Band Blumengarten aus Ehrenfeld eröffnete den Konzertabend im Rhein-Energie-Stadion.

Nach „Barfuß am Klavier“ folgte noch ein kölscher Gänsehaut-Moment. „Nur nicht aus Liebe weinen“, der Hit von Zarah Leander, den Brings zum Dauerbrenner gemacht hat, wirkte auch in der AnnenMayKantereit-Version hervorragend. „Ausgehen“ sorgte zum Finale noch einmal für die komplette Eskalation. Nach 26 Songs in über zwei Stunden war ein spektakuläres Heimspiel vorbei.

AnnenMayKantereit: KVB-Chaos und XXL-Wartezeiten nach dem Konzert

Den Abend hatte übrigens die Band Blumengarten aus Ehrenfeld eingeleitet. Die sind mit ihrem TikTok-Hit „Gut genug“ derzeit ja in aller Munde. Sänger Rayan Djima war vom Stadion-Erlebnis ebenfalls komplett angetan. „Genau da hinten saß ich bei Poldis Abschiedsspiel“, erinnerte er sich.

So wunderschön und sommerlich leicht der Konzertabend war, so katastrophal gestaltete sich für viele die Abreise mit der KVB. Über eine halbe Stunde ging nichts mehr.

Ein Unfall auf der Aachener Straße brachte den Bahnverkehr zum Erliegen. Da dies aber an den rappelvollen Gleisen nicht kommuniziert wurde, wurde die Stimmung immer gereizter. Das große Problem an den Sommer-Open-Airs ist tatsächlich nicht der Stadionbesuch, sondern die An- und Abreise.

Einsatz am Fühlinger See. Zum Glück ging alles gut aus.
Aufregung groß
Einsatz am Fühlinger See – Polizei gibt Entwarnung