Irre Statistik aufgedeckt Warum sterben viel mehr Kölner Männer an Corona als Frauen? 

Krankenschwester am Bett eines Intensivpatienten.

In Köln sterben weit mehr Männer an Corona als Frauen. Doch dafür gibt es offenbar logische Gründe. Das Symbolfoto wurde 2020 aufgenommen.

Die Zahlen sind eindeutig: Männer sind von schweren Corona-Verläufen viel häufiger betroffen als Frauen, auch in Köln. Laut KV-Chef Dr. Jürgen Zastrow gibt es dafür sogar logische Gründe.

Köln. Mehr als 60.000 Kölnerinnen und Kölner haben sich seit Beginn der Pandemie mit Corona infiziert. Viele erlitten schwere Verläufe, gingen mit dem Virus an ihre Grenzen. Hunderte überlebten nicht. Eine internationale Studie in der Zeitschrift „Nature Communications“ zeigt: Corona trifft Männer im Schnitt deutlich härter. Das zeigen auch die Kölner Zahlen.

Drei Mal so häufig mussten Männer demnach mit ihrer Infektion zur Behandlung in eine Intensivstation. So das Ergebnis der Studie, bei der Wissenschaftlerinnen die Verläufe von drei Millionen Corona-Fällen weltweit untersucht hatten.

Corona: Männer in Köln deutlich härter getroffen als Frauen

Nicht ganz so deutlich ist der Unterschied bei den Todesfällen in Köln: Den offiziellen Zahlen des Gesundheitsamts zufolge starben hier bislang 733 Menschen am Coronavirus (Stand: 5. September). 437 von ihnen Männer. Nur 296 Frauen. Dabei sind die Damen in der Domstadt eigentlich sogar leicht in Überzahl.

Diese Ungleichheit ist auch auf die Hormone zurückzuführen, wie Dr. Jürgen Zastrow erklärt: „Das weibliche Hormon Östrogen fördert das Immunsystem. Das männliche Hormon Testosteron bremst es.“ Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein leitet auch das Impfzentrum in Deutz. Dass die Kölner Männer dem Virus öfter zum Opfer fallen als die Frauen, ist für ihn keine sonderlich große Überraschung.

Dr. Jürgen Zastrow: Männer achten auch schlechter auf sich selbst

„Das ist keine Corona-spezifische Tatsache. Das hat man bei allen möglichen Grippeviren und Epidemien festgestellt: Männer reagieren anders als Frauen“, sagt Dr. Zastrow. „Das hat also nichts mit Corona zu tun, sondern mit den Geschlechtern und der Empfindlichkeit.“ Klar: schwächeres Immunsystem, leichteres Spiel für das Virus.

Dr. Jürgen Zastrow in seinem Büro.

Jürgen Zastrow in seiner HNO-Praxis in Köln-Riehl.

Hinzu kommt: Männer achten noch immer schlechter auf sich. „Männer lassen sich eher auf Risiken ein“, sagt Dr. Zastrow. „Wahrscheinlich liegt's wieder am Testosteron.“ Und dann noch die schlechte Ernährung. „Ich kenne jede Frittenbude in der Umgebung. Meine Frau nicht“, berichtet der HNO-Spezialist aus der eigenen Erfahrung. Auch das ist natürlich schlecht für die allgemeine Gesundheit und erhöht somit indirekt die Gefahr, auch am Coronavirus zu sterben.

Corona in Köln: Logische Gründe für schwere Verläufe bei Männern

Gleiches gilt für ein weiteres Männer-typisches Problem: die Arzt-Müdigkeit. Ein Phänomen, das Dr. Zastrow aus der eigenen Praxis nur allzu gut kennt: „In fast allen Altersklassen haben die Frauen bei Weitem die Oberhand. Das Verhältnis ist fast zwei Drittel zu einem Drittel.“

Alles in allem ist die Fürsorge für die eigene Gesundheit bei Männern also deutlich weniger ausgeprägt. Das rächt sich in der Pandemie. Ergebnis: 1,5 Prozent der infizierten Kölner Männer starben am Coronavirus. Bei den Frauen war es dagegen nur ein Prozent. Der Unterschied gilt allerdings nicht für alle Altersklassen. Über 80 Jahren hält sich das Geschlechterverhältnis die Waage. Darunter waren es sogar fast drei Mal mehr männliche Corona-Tote: 216 gegenüber 75 weiblichen.

Köln: Erst ab 80 Jahren hält sich das Geschlechterverhältnis die Waage

Auch das hängt mit den Hormonen zusammen, wie Dr. Zastrow erklärt: „Ab den Wechseljahren gleicht sich die Immunantwort aus. Frauen haben dann weniger Östrogen, Männer weniger Testosteron.“ Frauen leben zudem deutlich länger. Es gibt also in hohen Altersgruppen einen Frauenüberschuss und damit auch verhältnismäßig mehr weibliche Corona-Tote.

Vom „Todes-Testosteron“ scheinen übrigens besonders die Kölner Männer betroffen zu sein. Zwar sterben überall im Schnitt mehr Männer als Frauen am Coronavirus. Ein Blick in die Nachbarstädte zeigt allerdings: Nirgendwo scheint die Lücke so groß zu sein wie rund um den Dom. In Bonn und Mönchengladbach ist das Verhältnis sogar beinahe ausgeglichen. Produzieren die Kölner etwa extra viel Sexualhormon? Oder leben sie noch ungesünder als andernorts? Für Dr. Zastrow wohl eher Letzteres. „Köln ist ja eine Stadt, die einen sehr hohen Freizeitwert bietet und das kommt vielleicht dem Sozialverhalten des klassischen Mannes eher näher“, mutmaßt der KV-Chef.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.