Flug weg, Geduld am Ende? Zehntausende Reisende ziehen gegen Airlines vor Gericht. Die Justiz ist am Limit – und nirgendwo ist die Lage so angespannt wie in Köln.
Airport-Ärger eskaliertKölner Gericht wird von Passagier-Klagen überrollt

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Köln/Bonn ist mit rund zehn Millionen Passagieren im Jahr der sechstgrößte Flughafenstandort in Deutschland.
An den Gerichten der 20 größten deutschen Flughäfen landeten in der ersten Jahreshälfte über 53.000 Klagen von unzufriedenen Reisenden. Obwohl diese Zahl laut einer Analyse des Deutschen Richterbunds, die der „Kölner Stadt-Anzeiger“ veröffentlichte, zum ersten Mal seit fünf Jahren leicht gesunken ist, gibt es keine Entspannung.
Im ersten Halbjahr 2025 waren es beinahe 66.000 Fälle. Die Verfahren richten sich gegen Fluglinien wegen Annullierungen oder erheblicher Verspätungen.
Justiz fordert KI-Unterstützung gegen die Klagewelle – Köln Klage-Hotspot
Sven Rebehn, der Bundesgeschäftsführer des Richterbunds, schlägt Alarm. Die Fallzahlen bei den Amtsgerichten seien weiterhin doppelt so hoch wie vor fünf Jahren. „Setzt sich die Entwicklung des ersten Halbjahres fort, muss die Justiz 2026 erneut mehr als 100.000 Fluggastklagen bewältigen“, prognostizierte Rebehn im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Arbeitslast für die Justiz bleibe immens. Zum Vergleich: Für das gesamte Pandemiejahr 2021 wurden insgesamt nur etwa 51.000 Klagen gezählt.
Rebehn dringt darauf, die Amtsgerichte schnellstmöglich technisch aufzurüsten. Sie müssten „alsbald durch den Einsatz von KI-Assistenz unterstützt und entlastet werden.“ Es fehle an einer praxistauglichen Anwendung, um die Masse an Verfahren zügiger abzuarbeiten. „Die Gerichte warten schon viel zu lange darauf, in Fluggastverfahren technisch auf Augenhöhe mit den Legal-Tech-Unternehmen auf Klägerseite zu kommen“, monierte der Bundesgeschäftsführer.
Angeführt wird die Negativ-Statistik von Köln, wo in der ersten Jahreshälfte 2026 circa 12.600 Klagen eingingen – ein Anstieg um 500 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Deutlich dahinter liegt Frankfurt (ca. 8.300), dicht gefolgt vom Amtsgericht Königs Wusterhausen (ca. 8.100), das für den BER zuständig ist. Ebenfalls stark betroffen sind Düsseldorf (4.900), Hamburg (4.200) und München (4.100).
Die Spitzenreiter-Rolle Kölns hat einen spezifischen Grund: Der Airport Köln/Bonn ist mit seinen rund zehn Millionen Fluggästen pro Jahr zwar nur die Nummer sechs in Deutschland. Jedoch haben hier die Fluggesellschaft Eurowings ihre Zentrale und die Lufthansa ihren rechtlichen Sitz. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs gibt Passagieren die Wahl, am Abflugort, am Ankunftsort oder direkt am Firmensitz der Airline zu klagen.
Klagewelle in Köln erreicht Rekordstand
In der Domstadt hatte die Klagewelle im Jahr 2024 mit 41.300 Verfahren einen Rekord erreicht. Der seitherige leichte Rückgang ist laut Richterbund auch darauf zurückzuführen, dass die Lufthansa nun öfter versucht, sich mit Legal-Tech-Portalen wie Flightright außergerichtlich zu einigen.
Laut EU-Verordnung haben Passagiere bei einem Flugausfall oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden ein Recht auf Entschädigung. Diese beträgt je nach Flugstrecke 250, 400 oder 600 Euro. Eine Ausnahme besteht bei „außergewöhnlichen Umständen“ – dazu zählen Unwetter, Sturm oder eine Sperrung des Luftraums. In diesen Fällen muss die Fluggesellschaft nicht zahlen. Viele Reisende nutzen spezialisierte Online-Portale, um ihre Rechte gegenüber den Airlines durchzusetzen. (red)
