Der Sommer hat Köln fest im Griff. Die Dachterrassen sind voll, am Rhein gibt es kaum noch einen freien Platz und gefühlt findet jeden Abend das Event des Jahres statt. Schön? Absolut. Ein bisschen anstrengend? Ehrlich gesagt auch.
Sommer in Köln:Warum wir plötzlich überall gleichzeitig sein müssen

Copyright: Louisa Noack
In ihrer Kolumne „Liebe. Leben. Köln.“ schreibt Louisa Noack über Liebe, Beziehungen und die kleinen Geschichten, die das Leben in Köln jeden Tag bereithält. Manchmal beginnt der schönste Sommerabend genau dann, wenn wir aufhören, überall gleichzeitig sein zu wollen.

Ich habe neulich meinen Kalender geöffnet und kurz überlegt, ob ich aus Versehen den von Taylor Swift erwischt habe.
Hier ein Rooftop-Event. Dort ein Sundowner. Dann ein Weinfest. Open Air. Street Food. Live-Musik. Und natürlich kennt irgendjemand noch diesen einen Geheimtipp, den jetzt plötzlich ganz Köln entdeckt hat.
Der Sommer ist offiziell in seiner heißen Phase angekommen. Und mit ihm dieses kleine, fiese Gefühl namens FOMO. Die Angst, genau den einen Abend zu verpassen, über den am nächsten Morgen alle sprechen.
Das Verrückte ist: Dieses Gefühl kenne ich nicht nur vom Feiern. Beim Dating läuft es oft genauso.
Vielleicht ist das Restaurant auf der anderen Rheinseite noch romantischer. Vielleicht wäre das Date in der angesagten Bar spannender gewesen. Vielleicht hätte ich doch lieber auf die andere Einladung reagieren sollen. Manchmal sind wir so beschäftigt, den perfekten Abend zu suchen, dass wir vergessen, den guten zu genießen.
Darüber habe ich mit Zoe, 19, meiner Gen-Z-Expertin, gesprochen. „FOMO gehört einfach dazu”, sagte sie. „Wenn du einen Abend zu Hause bleibst, hast du spätestens zehn Minuten später das Gefühl, alle anderen hätten gerade den Sommer ihres Lebens.”
Ich musste lachen. Und das, obwohl ich immer dachte, die Gen Z geht gar nicht mehr feiern. Zoe verdrehte die Augen. „Natürlich gehen wir feiern. Aber anders. Lieber mit unseren Leuten an einem schönen Ort, als jedes Wochenende krampfhaft auf drei verschiedene Partys.”
Touché.
Später habe ich Franco, den italienischen Barbesitzer meines Vertrauens, gefragt, wie er das sieht. Schließlich beobachtet er den Kölner Sommer Abend für Abend aus der ersten Reihe. Er polierte ein Weinglas, grinste und sagte: „Die Leute bestellen heute oft den zweiten Aperol, bevor sie den ersten richtig genossen haben.”
Ich musste kurz überlegen. Vielleicht macht genau dieser Satz den Unterschied. Wir sammeln inzwischen Erlebnisse wie Bonuspunkte. Hauptsache dabei gewesen. Hauptsache ein Foto gemacht. Hauptsache erzählen können, dass wir auch dort waren.
Aber das verrückte daran ist ja: Der schönste Abend muss gar nicht der exklusivste sein. Manchmal reicht ein Tisch draußen. Gute Gespräche. Ein bisschen Musik. Und Menschen, bei denen du dein Handy irgendwann einfach vergisst. Naja, oder eben doch eine nice Party mit Freunden.
Genau deshalb freue ich mich gerade auf eine Veranstaltung, die für mich garantiert zu den schönsten Sommerabenden in Köln gehört. Weil sie genau das schafft, was ich wunderschön finde. Menschen zusammenzubringen Alle Infos und Tickets findest du hier:
Und falls du mich suchst… Ich sitze wahrscheinlich irgendwo dort mit einem Glas Wein in der Hand und versuche ausnahmsweise mal nicht zu überlegen, ob es woanders gerade noch schöner sein könnte.
Denn manchmal ist das größte Sommerglück gar nicht, den besten Platz der Stadt zu finden. Sondern endlich aufzuhören, danach zu suchen.
