In wenigen Tagen verwandelt sich Köln wieder in ein Lichtermeer. Doch während überall nach dem besten Platz gesucht wird, frage ich mich: Genießen wir besondere Momente eigentlich noch oder jagen wir nur noch der perfekten Kulisse hinterher?
Feuerwerk muss sein!Oder: wann haben wir eigentlich verlernt, einfach einen schönen Abend zu haben?

Copyright: Louisa Noack
In ihrer Kolumne „Liebe. Leben. Köln.“ schreibt Louisa Noack über Liebe, Beziehungen und die kleinen Geschichten, die das Leben in Köln jeden Tag bereithält. Manchmal ist der perfekte Platz eben nicht der mit der besten Aussicht, sondern der, an dem du den Abend einfach genießen kannst.

Die Kölner Lichter stehen vor der Tür. Und seit Tagen begegnet mir überall dieselbe Frage: „Wo schaut ihr eigentlich?" Ich habe das Gefühl, ganz Köln ist auf der Suche nach dem perfekten Platz. Das schönste Schiff. Die angesagteste Dachterrasse. Das exklusivste Dinner. Hauptsache besonders.
Und plötzlich merke ich, wie dieses kleine Wort wieder auftaucht: FOMO. Die Angst, etwas zu verpassen.
Ich glaube, wir kennen dieses Gefühl inzwischen alle. Nicht nur bei den Kölner Lichtern.
Beim Dating ist es doch ganz ähnlich. Vielleicht wartet noch eine bessere Verabredung. Vielleicht gibt es noch ein romantischeres Restaurant. Vielleicht schreibt morgen jemand, der noch besser zu uns passt. Und während wir immer weiter nach dem Optimum suchen, übersehen wir manchmal den Menschen oder den Moment, der längst vor uns steht.
Darüber habe ich mit Zoe gesprochen, 19, meiner Gen-Z-Expertin.
„Wir vergleichen ständig", sagte sie. „Alle posten ihre Highlights. Irgendwann denkt man, der eigene Abend reicht nicht mehr aus."
Ich fand diesen Satz erstaunlich ehrlich.
Denn genau das passiert doch. Wir sehen wunderschöne Bilder und vergessen dabei, dass wir nur den perfekten Ausschnitt sehen. Nicht die Parkplatzsuche. Nicht die Schlange am Getränkestand. Nicht den Streit auf dem Heimweg.
Später habe ich Franco getroffen, den italienischen Barbesitzer meines Vertrauens. Ich erzählte ihm von meinen Gedanken und fragte ihn, ob er dieses Gefühl auch kennt.
Er grinste. „Louisa", sagte er, „die schönsten Abende planen meine Gäste fast nie. Die passieren einfach." Vielleicht steckt genau darin die Antwort.
Die Kölner Lichter gehören seit Jahren zu den größten Sommerveranstaltungen unserer Stadt. Tausende Menschen werden wieder am Rheinufer stehen und gemeinsam auf den Himmel schauen. Für einige Schiffe und Eventlocations gibt es übrigens noch Restplätze. Alle Informationen findest du auf der Homepage: www.koelner-lichter.de
Und ich? Ich habe mich dieses Jahr ganz bewusst gegen den Druck entschieden, den vermeintlich besten Platz finden zu müssen.
Meine persönliche Empfehlung ist das Parkcafé im Rheinpark in Köln-Deutz, auf der anderen Rheinseite. Ich wollte einfach mal etwas Neues ausprobieren. Ein schönes Essen, ein Glas Champagner und den Blick auf das Feuerwerk aus einer anderen Perspektive genießen. Es gibt übrigens noch Karten über diesen Link:
Ich bin mir sicher: Auch dort wird es ein spektakulärer Blick auf die Kölner Lichter sein. Und ich habe das Gefühl, es könnte eben genau der richtige für mich sein.

