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Offene Liebe, große Gefühle?Was Eifersucht wirklich bedeutet

Copyright: Louisa Noack / image generator pro

Eifersucht gilt oft als Beweis, dass offene Beziehungen nicht funktionieren. Paartherapeutin Ursina Donatsch sieht das anders: Für sie ist Eifersucht eine wichtige Stimme, die auf Ängste, Bedürfnisse und Selbstwertthemen hinweist.

Hier wird’s heiß, denn alle reden über offene Beziehungen. Und darüber, ob sowas überhaupt funktionieren kann. Denn schließlich sei Eifersucht doch der Beweis dafür, dass offene Beziehungen nicht funktionieren können, oder? Paartherapeutin Ursina Donatsch sieht das ganz anders. Für sie ist Eifersucht nicht das Problem, sondern ein Signal.

Eifersucht ist für sie kein Warnschild gegen Freiheit

Im Interview widerspricht Donatsch einer weit verbreiteten Idee: dass Eifersucht möglichst vermieden werden müsse. „Ich finde, die Eifersucht ist extrem wichtig. Ich würde nicht sagen, das sollte vermieden werden.“ Für sie steckt hinter Eifersucht oft viel mehr als nur Besitzdenken oder Kontrolle. Sie beschreibt Eifersucht wie eine innere Stimme, die etwas sagen will. „Die Eifersucht als Stimme würde eigentlich erzählen von Nöten, Ängsten, Unsicherheiten, die viel mit dem eigenen Selbstwert zu tun haben.“ 

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Was Eifersucht eigentlich sagen will

Donatsch formuliert sehr deutlich, was unter der Eifersucht liegen kann: „Sie würde zum Beispiel sagen wollen, sie fühle sich einsam und habe Angst, jemanden zu verlieren.“ Das Problem sei, dass diese eigentliche Botschaft oft nicht gehört werde. Stattdessen kippt das Gefühl schnell in Vorwürfe gegen das Gegenüber. „Dann kommen sofort Vorwürfe, es geht sofort ins Gegenüber. Aber eigentlich will sie uns andere Dinge sagen.“

Wo Paare in offenen Beziehungen ins Straucheln geraten

Auf die Frage, mit welchen Problemen Menschen in ihre Praxis kommen, nennt Donatsch mehrere Themen. Eifersucht ist eines davon. Dazu kommen Verletzungen, Enttäuschungen und Regelbrüche. Zum Beispiel: „Ich bin sehr enttäuscht, ich habe ihm vertraut, das haben wir anders abgemacht.“ Oder: „Er hat sich nicht an die Regel gehalten! Sie hat es übertrieben" Wir hatten zu wenig Zeit miteinander. Wir haben uns auseinandergelebt.“ Trotz der unterschiedlichen Konflikte führt sie diese Themen am Ende auf einen gemeinsamen Kern zurück: „Wenn ich diese jetzt alle eigentlich runterbrechen müsste, dann geht es eben am Schluss immer wieder darum: wie finden die beiden diese Sicherheit wieder?“

Das Gefäß für ehrlichen Austausch geht oft verloren

Was Donatsch besonders häufig beobachtet: Paare reden zwar über Abmachungen, verlieren aber den Raum für den echten Austausch darüber, wie es ihnen mit der Situation geht. „Was immer wieder wichtig ist, ist, dass es eigentlich kein Gefäß gibt. Oder sogar, dass das Gefäß verloren ging für einen Austausch.“ Und genau dieser Austausch sei entscheidend. „Wo es nicht darum geht, Darf ich jetzt? Und mir heisst, okay, dann geh jetzt. Sondern wo es darum geht, wie geht es dir mit? Wie geht es uns beiden auf diesen Weg?“

Foto von Ursina Donatsch

Copyright: privat

Paartherapeutin Ursina Donatsch hat schon einige Bücher geschrieben. In ihrem neuesten Buch geht es um offene Beziehungen - und wie sie gelingen können.

Fairness klingt gut, kann aber zum Stolperstein werden

Ein spannender Punkt ist Donatschs Warnung vor dem Fairness-Denken. Sie sagt, viele Paare kämen mit der Idee, dass alles exakt ausgewogen sein müsse. „Viele denken, dass es ganz wichtig ist, dass es muss fair zugehen muss, dass es ein Gleichgewicht sein muss.“ Sie versteht zwar, dass dieser Gedanke sehr menschlich sei. Gleichzeitig beschreibt sie ihn als eines der größten Probleme in alternativen Beziehungsformen. „Das ist eigentlich einer der größten Stolpersteine in einer alternativen Beziehungsform.“

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Offene Beziehungen sind für sie anspruchsvoller

Donatsch sagt im Gespräch auch klar, dass eine offene Beziehung tendenziell anspruchsvoller sei als eine monogame. Der Grund: Themen wie Konkurrenz, Eifersucht, Ängste, Vertrauen und Bindungssicherheit kommen dort nicht irgendwann, sondern ziemlich sicher. „Diese Themen sind wichtig, die kommen aufs Tapet, die müssen besprochen werden, die werden durchlebt.“

Und trotzdem: Es geht nicht um ein Modell für alle

Wichtig ist Donatsch auch, aus offenen Beziehungen nicht eine neue Norm zu machen. Für sie bleibt entscheidend, dass Menschen und Paare auf ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen schauen.„Schaut, was für euch stimmt und was für euch, was eure Bedürfnisse und eure Grenzen sind und findet dann zusammen heraus, was für euch passt.“


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Therapeutische Sicht

Aus therapeutischer Sicht ist Donatschs Ansatz stark, weil er Gefühle nicht moralisch bewertet. Sie sagt nicht: Eifersucht ist schlecht. Sie sagt auch nicht: Wer eifersüchtig ist, ist ungeeignet für offene Beziehungen. Stattdessen liest sie Eifersucht als Hinweis auf darunterliegende Themen wie Selbstwert, Verlustangst und Bindungssicherheit. Das ist professionell wichtig, weil genau dort die eigentliche Arbeit beginnt: nicht bei der Frage, wer recht hat, sondern bei der Frage, was ein Gefühl über innere Bedürfnisse und Unsicherheiten verrät.

Du brauchst Hilfe beim Thema offene Beziehung, ein klärendes Gespräch oder möchtest an deiner Beziehung arbeiten? Melde dich bei mir. In meiner Praxis können wir über alles sprechen. Schreib mir gern eine E-Mail an louisa@kommwirreden.de oder besuch mich auf meiner Webseite www.kommwirreden.de – ich bin für dich da.

FAQ

Ist Eifersucht ein Zeichen, dass offene Beziehungen nicht funktionieren?

Nein. Sie sagt ausdrücklich: „Eifersucht ist extrem wichtig“ und sollte nicht einfach vermieden werden.

Worauf weist Eifersucht hin?

Auf Nöte, Ängste, Unsicherheiten und oft auf Themen rund um den eigenen Selbstwert.

Was geht in offenen Beziehungen vielen Paaren verloren?

Der Raum für einen ehrlichen Austausch darüber, wie es beiden mit dem Weg in der offenen Beziehung wirklich geht.

Eine junge Frau liegt im Bett und schaut auf ein Smartphonedisplay.

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