Hier wird’s heiß: „Menners!“ – dieses Wort klingt nicht nach Romantik, sondern nach Augenrollen. Genau so ist es auch gemeint, sagt Autor Meik Gudermann im Gespräch mit Paar- und Sexualtherapeutin Louisa Noack. Hinter dem Begriff steckt für ihn kein Männer-Bashing, sondern ein strukturelles Problem.
Ach, „Menners“!Warum ein Autor mit Männern abrechnet (und sie trotzdem datet)

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Meik Gudermann nimmt in „Menners“ kein Blatt vor den Mund – und schaut Männern dabei ziemlich genau auf die Finger.

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„Nicht alle Männer!“ – genau das ist das Problem
„Sobald man ‚Männer‘ sagt, kommt sofort: Nicht alle Männer!“, erklärt Gudermann. „Und dieses ‚Menners‘ beschreibt eher ein systematisches Problem als das ganze Geschlecht zu bashen.“ Für ihn ist klar: Viele Männer wachsen in einer Gesellschaft auf, in der sie Vorteile haben, ohne es selbst zu merken. „Wenn du privilegiert bist, ist das dein Normalzustand. Du merkst gar nicht, dass du privilegiert bist.“
Unsichtbare Vorteile und keiner merkt’s
Ein Punkt, der sich durch das gesamte Gespräch zieht. Gudermann spricht offen darüber, dass Männer in vielen Bereichen profitieren – etwa im Job oder durch Rollenverteilungen im Alltag. Gleichzeitig fehle oft das Bewusstsein dafür. „Ich habe das Gefühl, dass auf weiblicher und queerer Seite viel angekommen ist – aber bei Männern läuft man da oft gegen eine Wand.“
Typisch Mann? Ja, aber nicht biologisch
Dabei gehe es nicht darum, Männer grundsätzlich anzugreifen, sondern darum, Rollenbilder zu hinterfragen. „Natürlich gibt es so etwas wie einen typischen Mann“, sagt Gudermann. „Aber das ist nicht naturgegeben. Das sind Eigenschaften, die über Generationen anerzogen wurden.“ Genau diese Bilder – stark, dominant, Versorger – würden heute ins Wanken geraten. Für viele Männer sei das schwierig, weil sie darüber ihre Identität aufgebaut haben.

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Mit „Menners“ fordert Meik Gudermann ein Umdenken: weg von alten Rollenbildern, hin zu mehr Ehrlichkeit und Reflexion.
Die größte Männer-Lüge
Und genau da liegt laut Gudermann ein Kernproblem. „Die größte Lüge ist, dass Männer glauben, sie hätten alles allein geschafft, weil sie so großartig sind.“ Stattdessen verweist er darauf, dass viele Strukturen Männer begünstigen – etwa, dass Männer in Führungspositionen oft von anderen Männern gefördert werden.
Warum Gleichberechtigung für viele Männer unbequem ist
Auch beim Thema Gleichberechtigung wird er deutlich: „Männer verlieren durch Feminismus auch etwas – ihre Privilegien.“ Das führe dazu, dass sich viele angegriffen fühlen. „Wenn ein Privileg Normalität für dich ist, dann fühlt es sich unfair an, wenn du es plötzlich nicht mehr hast.“
Das eigentliche Problem: Identitätskrise
Trotzdem betont Gudermann, dass Männer durchaus eigene Probleme haben – nur würden sie oft nicht darüber sprechen. „Das eigentliche Problem ist diese Identitätskrise. Männer definieren sich über Rollen, die heute nicht mehr so funktionieren.“ Die Folge: Unsicherheit, die häufig nicht offen benannt wird.
Was Frauen anders machen können
Und was können Frauen tun? Gudermann bleibt vorsichtig, die Verantwortung zu verschieben, macht aber einen klaren Punkt: „Problematisches Verhalten von Männern sollte nicht mehr so lange entschuldigt werden.“ Gerade in langen Beziehungen würden Frauen oft Ausreden finden – statt klare Grenzen zu setzen. Gleichzeitig plädiert er dafür, dass Frauen mehr Raum für sich selbst einnehmen und ihre eigenen Bedürfnisse ernst nehmen.
Warum Frauen und schwule Männer oft besser funktionieren
Ein besonders persönlicher Moment entsteht, als es um Freundschaften zwischen Frauen und schwulen Männern geht. Für Gudermann liegt der Vorteil auf der Hand: „Da steckt kein sexuelles Interesse dahinter.“ Frauen könnten sich öffnen, ohne Angst vor versteckten Erwartungen. Gleichzeitig falle der Druck weg, bewertet oder verglichen zu werden.
Der wichtigste Dating-Tipp für Männer
Zum Schluss hat Gudermann noch einen ganz konkreten Rat für Männer, die beim Dating erfolgreicher sein wollen: „Stell mehr Fragen, als du Antworten gibst.“ Sein Eindruck: Viele Männer reden zu viel über sich selbst – und hören zu wenig zu. „Interessiert euch wirklich für Frauen als Menschen.“
Und liebt er Männer überhaupt noch?
Und liebt er Männer nach all der Analyse überhaupt noch? Gudermann lacht. „Ich stehe auf Männer! Das kann ich mir nicht aussuchen.“ Aber er trennt klar zwischen sexueller Anziehung und Liebe. „Liebe empfinde ich vor allem für meine Freund:innen und meine Familie.“ Bei Männern sei es oft eher das körperliche Interesse, es sei denn, sie öffnen sich auch emotional.
Am Freitag, den 1. Mai findet die Lesung von Meik Gudermann in der Stadthalle Köln Mülheim statt. Showbeginn ist 20 Uhr. Tickets gibt es noch über den Link.
Fazit
Dieses Interview ist kein Angriff auf Männer, sondern eine Einladung.Zum Zuhören. Zum Reflektieren. Und vielleicht auch zum Loslassen alter Rollen.
Oder, um es mit einem Wort zu sagen: Menners.
Facts zum Thema:
Männer profitieren laut Gudermann häufig von gesellschaftlichen Privilegien, die ihnen selbst nicht bewusst sind
Rollenbilder von „Männlichkeit“ sind laut ihm anerzogen, nicht biologisch festgelegt
Feminismus bedeutet für Männer auch, Privilegien abzugeben
Viele Männer sprechen laut Gudermann nicht über ihre eigentlichen Probleme
Ein zentraler Dating-Tipp: mehr zuhören, weniger reden

