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Interview

Bütt-Star vor SessionGuido Cantz: „Keine Lust auf Reden gegen AfD oder Linke“

Guido Cantz steht beim Karnevalsauftritt auf der Bühne.

Copyright: Daniela Decker

Guido Cantz steht inzwischen seit 35 Jahren auf den Karnevalsbühnen. Der Komiker rechnet mit schwierigeren Zeiten für die Redner.

Er ist eine feste Größe im Kölner Karneval. Guido Cantz gehört zu den Spitzenrednern in der Bütt. Zudem moderiert er in der Session für das Fernsehen. Neuerdings unterstützt er auch das neue Kamelle-Festival.

Guido Cantz (55) ist aus dem Kölner Karneval nicht mehr wegzudenken. Seit 1991 ist der Moderator und Komiker auf den jecken Bühnen zu Hause.

Seit 2015 ist er einer der TV-Kommentatoren beim Rosenmontagszug. Zudem führt er zum Sessionsstart am Elften im Elften für den WDR durch das Programm am Heumarkt.

Kamelle-Festival steigt am 11.11. in der Halle Tor 2

Als Geschäftsführer der GO GmbH fördert er aber auch den Nachwuchs. Die Agentur unterstützt die Premiere des Kamelle-Festivals am 11.11.2026 in der Halle Tor 2.

Über die anstehende Session mit ihren Herausforderungen sowie das neue Event-Spektakel sprach der Comedian mit uns.

Die Frage klingt abgedroschen, aber wie geht es Ihnen?

Guido Cantz: Nach den Sommerferien bin ich leicht erkältet aus dem Urlaub zurückgekehrt. Dann habe ich wohl etwas verschleppt. Als es nicht besser wurde, bin ich zum Arzt, der hat eine schwere Bronchitis festgestellt. Als ich trotz Antibiotika auch noch Fieber bekam, haben wir zwei Tournee-Termine verschoben und ich bin ins Krankenhaus, wo ich einmal auf den Kopf gestellt wurde. Es war zum Glück alles okay, aber sehr hartnäckig. Jetzt geht es langsam wieder aufwärts.

Freuen Sie sich denn auch auf die bald beginnende Session?

Guido Cantz: Die Vorfreude ist groß. Ich habe schon einen neuen Anzug. Ich mache das in diesem Jahr seit 35 Jahren, das ist schon eine verrückt lange Zeit. Am 11.11. moderiere ich wieder am Heumarkt, da sind die Planungen schon sehr weit. Ansonsten teste ich meine Rede immer ganz gerne im November. Durch mein Tournee-Programm „Komische Zeiten“ habe ich viele aktuelle Inhalte, aus denen ich mich bedienen kann. Da die Session so kurz ist, gibt es bereits im November sehr viele Sitzungsformate.

Guido Cantz steht bei der Sessionseröffnung in der Altstadt auf der Bühne.

Copyright: Uwe Weiser

Guido Cantz (r.) als Moderator der Sessionseröffnung „Elfter im Elften“ am Heumarkt.

Die Session ist gerade einmal fünf Wochen lang. Wie hart wird das?

Guido Cantz: In dieser Session spiele ich maximal acht Auftritte pro Tag, 2028 habe ich es auf maximal sieben heruntergefahren. Das ist auch der Trend bei meinen Kollegen, weil es doch sehr anstrengend ist. Es fällt Jahr zu Jahr schwieriger, mit Redebeiträgen in einem aufgeheizten Raum zwischen den Bands zu punkten. Natürlich habe ich Respekt vor der kurzen, geballten Ladung. Ich starte am 2. Januar, da muss man gut durchhalten. Denn Zeit zum Ausruhen gibt es nicht.

Obwohl die Menschen unter den steigenden Lebenshaltungskosten leiden, sind zahlreiche Veranstaltungen ausgebucht. Wie passt das zusammen?

Guido Cantz: Anscheinend sparen viele gezielt für Karneval, denn das Vergnügen für Tickets, Taxi und Getränke wird schließlich nicht günstiger. Das jecke Treiben ist für viele das perfekte Ventil. Je mehr Wahnsinn weltweit passiert und je größer die Sorgen sind, desto lieber gehen die Menschen offenbar feiern.

Sabine Heinrich und Guido Cantz in ihrer Kommentatorenkabine.

Copyright: Alexander Schwaiger

Zusammen mit Sabine Heinrich kommentiert Guido Cantz für das Fernsehen den Rosenmontagszug in Köln.

Wie gehen Sie gerade als Redner mit den politischen Entwicklungen um?

Guido Cantz: Ich bin sehr gespannt, wie sich die Weltlage auf den Karneval auswirkt. Ich hatte neulich zwei Auftritte in Sachsen-Anhalt, in Magdeburg und Dessau. Wenn man sich früher auf der Bühne gegen die AfD positioniert hat, gab es immer, ich nenne es „Gesinnungsapplaus“. Da bin ich gespannt, ob das so bleibt angesichts der prognostizierten Zahlen, auch in NRW. Es werden viele im Saal sitzen, die mit den etablierten Parteien nicht so zufrieden sind. Ich kann mir vorstellen, dass viele dann keine Lust haben auf Reden gegen die AfD oder die Linke. Und abgestandene Witze über Friedrich Merz funktionieren dann genauso wenig.

Was bietet sich denn dann in der Bütt an?

Guido Cantz: Themen gibt es genug. Die Frage ist immer nur, ob die Leute diese hören wollen oder schon genug davon aufgrund der Nachrichtenlage haben. Dass Köln nicht Olympiastandort geworden ist, bietet sich als Thema an. Zudem kann ich auch immer aus dem familiären Bereich erzählen. Mit einem 16-jährigen Sohn bietet sich da einiges an.

Sie haben schon mehrmals kritisiert, dass es zu wenig Redner-Nachwuchs gibt. Nach dem Rücktritt von Ingrid Kühne fehlt eine bekannte weibliche Stimme in der Bütt.

Guido Cantz: Marc Metzger, Volker Weininger, Martin Schopps und ich haben uns mal zusammengesetzt. Zum einen wegen Buchungsfragen, zum anderen, um die Probleme zu besprechen. Wir halten alle die Augen und Ohren auf und hoffen für den Kölner Karneval, dass da neue Gesichter kommen. Auch Frauen wären im Redebereich wichtig. Im Musikbereich klappt das mit Mätropolis, den Funky Marys oder Kempes Feinest besser.

Guido Cantz, Max Rohde, Linda Teodosiu und David Fernández vom Kamelle-Festival.

Copyright: Arton Krasniqi

Guido Cantz (2.v.l.) gehört mit Max Rohde, Linda Teodosiu und David Fernández der Jury des Kamelle-Festivals an.

Sie unterstützen das neue Kamelle-Festival, das am 11.11. erstmals steigt. Was überzeugt Sie daran?

Guido Cantz: Ich halte schon den Zusatz „das letzte Festival des Jahres“ für großartig. Für die Zielgruppe der 20- bis 35-Jährigen war bis jetzt noch nicht so viel Angebot vorhanden. Auf dem Heumarkt ist das Alter doch bei 40 Jahren aufwärts, im Tanzbrunnen liegt der Fokus auf Familien. Köln verträgt noch solch eine schöne Veranstaltung. Das Konzept klingt super: Tolle Bands stehen auf der Bühne, es gibt aber auch andere Angebote wie Karaoke. Das ist das Schöne am Karneval: Jeder kann feiern, wie er will.

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Welche Rolle füllt Ihre Agentur, die Go, dabei aus?

Guido Cantz: Beim Festival treten junge Bands auf, die wir als Agentur unterstützen. Zudem glaube ich, dass man durch solch ein Format junge Leute wieder für Sitzungsformate begeistern kann. Es ist der richtige Weg, um perspektivisch auch jüngere Leute für die vermeintlich konservativeren Formate zu gewinnen.

Wie erleben Sie den 11.11. inzwischen, auch wenn Sie an Ihre Anfänge denken?

Guido Cantz: Früher wurde dieser Tag gar nicht so gefeiert. Ich habe mich da auch nie verkleidet, das mache ich bis heute nicht. In den Anfangsjahren meiner Karriere hat mich Peter Raddatz, „Dä Mann met däm Hötche“, mitgenommen. Da stand am Rathaus eine winzige Bühne, davor maximal 1000 Leute. Die Funktionäre des Karnevals trugen Trenchcoat und Krätzchen, das war’s. Inzwischen herrscht eine Atmosphäre wie an Weiberfastnacht. Ganz viele kommen aus dem Umland, meist schon um vier, fünf Uhr morgens, um solch einen verrückten Tag zu erleben. Das ist schon viel kommerzieller geworden.

Was ist Ihr Eindruck von den neuen Sessionsliedern?

Guido Cantz: Die Zusammenarbeit von Cat Ballou und Brings wird funktionieren. Wenn zwei Top-Bands zusammen ein Projekt verfolgen, wird das hervorragend laufen. Ich finde das Wort „Alaafbereitschaft“, das die Klüngelköpp aufgegriffen haben, sehr eingängig. „Jenny us Marienburg“ von King Loui bleibt auch gut im Ohr. Druckluft wird immer noch von der „Karnevalsmaus“ profitieren. Daher wird die „11 von 11“ sicher auch zünden. Ich höre mir die Titel zwar vorher an. Ein richtiges Gefühl bekommt man jedoch erst, wenn man sie erlebt, wie sie mit Publikum funktionieren. Erst dann kann man ein fundiertes Urteil fällen, welche Songs das Zeug zum Sessionshit haben.

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