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Acht Monate nach RücktrittKuckelkorn ehrlich: „Mir fehlen die Menschen“

Christoph Kuckelkorn zeigt den Ohrenorden.

Copyright: Daniela Decker

Sichtlich gerührt präsentierte Christoph Kuckelkorn (M.) den Ohrenorden, den er am Sonntag (4. Oktober 2026) von Michael Melles (l.) bei der Bürgergesellschaft Köln erhielt.

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Der frühere Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn ist von der Bürgergesellschaft Köln mit dem Ohrenorden ausgezeichnet worden. Am Rande der Verleihung sprach er über sein neues Leben ohne Amt.

Sie haben sprichwörtlich ein „offenes Ohr“ und ein feines Gespür für die Sorgen und Nöte von Mitmenschen. Seit 1991 verleiht die Bürgergesellschaft Köln deshalb an ganz besondere Personen den Ohrenorden. Hans-Dietrich Genscher war 1991 der erste Preisträger.

Am Sonntagabend (4. Oktober 2026) durfte sich Christoph Kuckelkorn (62) als 32. Geehrter im Dorint an der Messe feiern lassen. Der frühere Festkomitee-Präsident erhielt die Auszeichnung aus den Händen des ersten Vorsitzenden Michael Melles.

Bürgergesellschaft: 32. Ohrenorden für Christoph Kuckelkorn

Der hob noch einmal Kuckelkorns Haltung hervor. „Christoph wollte vermeintliche Differenzen immer überwinden. Menschen müssen zusammengebracht werden. Karneval besteht nicht nur aus Feiern und Biertrinken. Es ist gelebte Gemeinschaft. In seinem Amt hat er oft genug völlig unberechtigte Kritik ertragen müssen“, sagte er.

Bei der Feier waren zahlreiche frühere Preisträger wie Frank Schätzing, Carmen Thomas, Willibert Pauels, Rainer Osnowski, Carola Blum, Dr. Maximilian Kellner und Robert Greven dabei. Auch Festkomitee-Präsident Lutz Schade, Polizeipräsident Johannes Hermanns, BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess, CDU-Fraktionsvorsitzender Bernd Petelkau und Ex-Prinz René Klöver waren gekommen.

Für die Unterhaltung sorgten das Kwartett Latäng, Et Thekenterzett sowie Kocki und Schang. Vorjahrespreisträger André Schulze-Isfort, der Ehrenpräsident der StattGarde Colonia Ahoj, hielt die Laudatio. „Christoph hat für uns mehr getan, als ihm vielleicht bewusst ist. Er hat uns zugehört, Türen aufgemacht und ist zur Seite getreten, damit wir durchgehen können. Das ist die eleganteste Form von Haltung“, sagte er.

Als Festkomitee-Präsident habe Kuckelkorn dazu beigetragen, dass Karneval in Köln größer, bunter und inklusiver geworden sei. Dem konnte der Preisträger nur zustimmen. „In Köln gilt: Wir sind bunt. Jeder Jeck ist anders und jeder Jeck gehört dazu.“ Der Reinerlös der Veranstaltung ging auf Wunsch der Geehrten an den Verein TrauBe. Anlässlich der Ehrung sprach der 62-Jährige über die vergangenen Monate und seine Pläne.

André Schulze-Isfort steht am Rednerpult.

Copyright: Daniela Decker

Vorjahrespreisträger André Schulze-Isfort von der StattGarde Colonia Ahoj hielt die Laudatio auf Christoph Kuckelkorn.

Seit Ihrem Rücktritt an Aschermittwoch waren Sie acht Monate in Köln von der öffentlichen Bildfläche verschwunden. Was haben Sie seitdem gemacht?

Christoph Kuckelkorn: Nach der Session waren wir ja mit einer Kölner Delegation beim Karneval in Brasilien. Meine Frau Katia und ich sind noch länger geblieben, haben ihre Familie in São Paulo besucht, waren in Santos am Meer. Direkt danach musste ich beruflich in die USA. Im September haben wir uns noch einen Lebenstraum verwirklicht. Wir sind 4000 Kilometer mit dem Auto um die großen Seen in Nordamerika gefahren. Vor einer Woche wurde ich von der Dülkener Narrenakademie zum „Doctor humoris causa“ ernannt.

Christoph Kuckelkorn mit Ehefrau Katia.

Copyright: Daniela Decker

Christoph Kuckelkorn war mit Ehefrau Katia zur Verleihung des Ohrenordens gekommen.

Wie fühlt sich die Festkomitee-Rente an?

Christoph Kuckelkorn: Mir fehlen die Menschen. Im Festkomitee sind wir 21 Jahre durch dick und dünn gegangen. Im Karneval sieht man sich regelmäßig. Mit einem Mal ist das auseinandergeschnitten. Die regelmäßigen Begegnungen sind auf einmal weg. Ich hatte geahnt, dass das schwierig für mich wird. Aber letztlich fällt es doch deutlich härter aus. Mir fehlen nicht die großen Bühnen und die Säle, aber die Kontakte. Plötzlich bin ich wieder nervös, wenn ich irgendwo auftauche.

Die Arbeit fehlt Ihnen also nicht?

Christoph Kuckelkorn: Ich habe in diesem Jahr verschiedene Dinge gelesen, bei denen ich froh war, dass ich mich nicht mehr drum kümmern muss. Die gestrichenen Auftritte der Traditionskorps bei der Lachenden Kölnarena sind solch ein Beispiel. Dass die Roten Funken in Uniform zum Oktoberfest fahren, muss ich auch nicht mehr rechtfertigen.

Wie planen Sie die Session?

Christoph Kuckelkorn: Die Einladungen kommen allmählich herein. Für mich wird das ein anderer Karneval. Bisher bin ich überall mal kurz in die Sitzungen reingehuscht. Jetzt muss ich mir die Veranstaltungen gezielt aussuchen. Das wird schwer, eine faire Verteilung zu finden, damit sich keine Gesellschaft benachteiligt fühlt.

Preisträger der Bürgergesellschaft stehen auf der Bühne.

Copyright: Daniela Decker

Zahlreiche frühere Preisträger applaudierten Kuckelkorn zur Auszeichnung bei der Bürgergesellschaft.

Gehen Sie zur Proklamation des Dreigestirns?

Christoph Kuckelkorn: Ich habe zumindest eine Einladung bekommen (lacht). Natürlich gehe ich hin. Das wäre auch gegenüber Lutz Schade nicht fair, wenn ich nicht kommen würde. Er hat jetzt ein Amt wie der FC‑Trainer. Es gibt eine Million Menschen, die glauben, es besser zu können. Das lassen die dich bei jeder Gelegenheit wissen. Aber er soll seinen Weg gehen und sein Ziel verfolgen.

Und wie sehen die Pläne beim Rosenmontagszug aus?

Christoph Kuckelkorn: Da bin ich mir bislang nicht sicher. Markus Ritterbach hat nach seiner Amtszeit den ersten Zug von der Tribüne aus verfolgt. Vielleicht gehe ich in einer Fußgruppe mit. Was neu für mich ist: Karneval war 21 Jahre lang für mich eine Familienangelegenheit, weil sie immer mit auf dem Wagen war. Bei den Blauen Funken geht das nicht mehr.

Christoph Kuckelkorn: „Karneval steht vor großen Herausforderungen“

Das designierte Dreigestirn wurde ohne Sie ausgesucht. Was ist Ihr Eindruck?

Christoph Kuckelkorn: Ich war bei der Suche komplett raus und hätte auf eine andere Gesellschaft getippt. Mit der Narrenzunft hatte ich nicht gerechnet. Das hat mich überrascht. Die drei müssen sich jetzt warmlaufen und dann bewähren. Auffallend ist, dass der designierte Bauer Alex ein Wortführer bei ihnen ist.

Wie sehen Sie die Zukunft des Kölner Karnevals angesichts vieler Probleme?

Christoph Kuckelkorn: Die Karnevalsgesellschaften stehen vor großen Herausforderungen. Gleichzeitig merken wir, wie wichtig das Zusammenführen von Menschen ist. Deshalb hat der Karneval eine große gesellschaftliche Aufgabe. Er muss aber mit der Zeit gehen. Manche Vereine haben die Zeichen der Zeit erkannt und haben keine Probleme, ihre Sitzungen zu verkaufen. Andere schlummern vor sich hin und werden Probleme bekommen. Auch wenn wir vom Ehrenamt sprechen, wird es zum professionellen Eventbetrieb. Die Gefahr besteht zudem, dass Karneval zur elitären Angelegenheit wird, die sich nicht mehr alle leisten können. Hilfreich wäre es auch, wenn kleinere Gesellschaften Partnerschaften bilden und zusammen Formate organisieren.