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KunstRasen BonnRekord-Saison war Stresstest – klare Forderungen für Zukunft

Fäaschtbänkler beim Festival auf dem KunstRasen in Bonn.

Copyright: IMAGO/Marc John

Die Schweizer Band Fäaschtbänkler beendete mit ihrem Auftritt beim „Oh wie schön“-Festival die diesjährige KunstRasen-Saison in Bonn.

Die Macher vom Bonner KunstRasen ziehen ein gemischtes Fazit nach einer Rekord-Saison. Die Herausforderungen bleiben weiter groß. Erste Details zum Programm 2027 stehen fest.

Der Abbau in der Bonner Rheinaue läuft. Die 14. KunstRasen-Saison ist beendet. Mit 120.000 verkauften Tickets war es die bislang erfolgreichste.

Das Programm bot vier ausverkaufte Abende mit Montez, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys, Roland Kaiser sowie Nick Cave & The Bad Seeds. Auch das Festival „Rheinkilometer 652“ lockte am Final-Wochenende 7000 junge Fans an. Die Resonanz auf das Festival „Oh wie schön!“ war mit 2200 Fans hingegen überschaubar.

14. KunstRasen-Saison war die bislang erfolgreichste

Was viele Gäste kaum wahrnehmen: Der KunstRasen ist keine dauerhaft errichtete Spielstätte. Allein 1,1 Millionen Euro kostet jedes Jahr der Auf- und Abbau der Bühne und Infrastruktur. Mehr als 100 Sattelzugladungen Material werden für Bühnenhaus, Gastronomie, Garderoben, Zäune, Wege, Stromversorgung sowie Frisch- und Abwasserleitungen bewegt.

Über den Sommer arbeiten rund 260 eigene Kräfte und etwa 120 Mitarbeitende externer Dienstleister für Technik, Sicherheit, Gastronomie, Reinigung, Logistik, Produktion und Besucherservice auf dem Open-Air-Gelände. Die Kosten fallen an, unabhängig davon, ob einzelne Abende früh ausverkauft sind oder hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Die Gelände- und Betriebskosten bewegen sich inzwischen in Richtung von drei Millionen Euro. Alles das ist privat getragen und nicht öffentlich subventioniert. Die KunstRasen-Betreiber Martin J. Nötzel, Katrin Wurm, Carmen Emmert und Ernst-Ludwig Hartz, der 16 der 25 Konzerte veranstaltet hat, müssen Gagen, Aufbau, Personal, Technik, Sicherheit und Betrieb aus eigener Kraft vorfinanzieren.

Nick Cave and the Bad Seeds auf dem Kunstrasen in Bonn.

Copyright: Marcel Schwamborn

Der Auftritt von Nick Cave war der musikalische Höhepunkt des KunstRasen-Sommers. Leider musste der Sänger zwei Songs weglassen, um im Rahmen des genehmigten Zeitfensters fertig zu werden.

Das Risiko bleibt deshalb hoch. Hohe Ausgaben entstehen lange vor dem ersten Konzert, während Nachfrage, Wetter, Künstlerentwicklung und Kaufzurückhaltung nur begrenzt planbar sind. Der Auftritt von Blue musste wegen fehlender Ticketnachfrage abgesagt werden. Die Verkäufe bei den Konzerten von Agnes Obel, Madness und Roxette blieben hinter den Erwartungen.

Dass das Geld bei den Leuten nicht mehr so locker sitzt, wurde auch beim stark zurückgegangenen Bierumsatz deutlich. Der Konzertsommer war daher einmal mehr ein Stresstest für privat finanzierte Livekultur. Abende mit internationaler Strahlkraft trafen auf steigende Kosten, enge Auflagen und ein wachsendes unternehmerisches Risiko.

Publikum beim Festival auf dem KunstRasen in Bonn.

Copyright: IMAGO/Marc John

Auf dem wunderschönen KunstRasen-Gelände in Bonn fanden in diesem Sommer 25 Konzerte statt, vier waren ausverkauft.

Die Macher haben deshalb eine klare Botschaft: Bonn hat einen Kulturort von überregionaler Bedeutung, dessen Zukunft nicht selbstverständlich ist, sondern jedes Jahr neu ermöglicht, finanziert und verantwortet werden muss. Ein international konkurrenzfähiges Open-Air braucht planbare Rahmenbedingungen.

Nick Cave musste beispielsweise zwei vorgesehene Titel weglassen, um eine zeitliche Überschreitung der zugelassenen Spielzeit zu vermeiden. „Dauerhaft braucht es daher eine Lösung, die Schallschutz, Planungssicherheit und die Rolle Bonns als lebendige Kulturstadt zusammen denkt“, sagen die Verantwortlichen.

Festival „Rheinkilometer 652“ 2027 mit Paula Hartmann und Dilla

Das Fazit für 2026 fällt daher differenziert, aber nicht pessimistisch aus: vier ausverkaufte Konzerte, außergewöhnliche Künstlerinnen und Künstler und viele unvergessliche Abende – zugleich aber auch Veranstaltungen, die das wirtschaftliche Risiko deutlich machten.

Die Saison 2027 findet vom 3. Juli bis 29. August statt. Der Vorverkauf für das nächste „Rheinkilometer 652“-Festival mit Paula Hartmann und Dilla am 27. August läuft bereits. Das Konzert mit den Fantastischen Vier am 23. Juli ist jetzt schon ausverkauft.

Konzert von The BossHoss auf dem KunstRasen in Bonn.
The BossHoss in Bonn
Die Cowboys kommen in die Jahre