US-Legende Nile Rodgers sorgte bei seinem Auftritt für erstklassige Disco- und Funk-Atmosphäre auf dem Bonner KunstRasen. Am Morgen vor dem Konzert hatte er in Köln einen langen Spaziergang absolviert.
Vor Mega-Konzert in BonnUS-Superstar spaziert im Morgengrauen durch Köln

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Nile Rodgers bei seinem Auftritt auf dem Bonner KunstRasen am Mittwochabend (8. Juli 2026).

Dieser Deal war der beste in seinem Leben. 1973 erwarb Nile Rodgers (73) seine Stratocaster-Gitarre in einem kleinen Laden in Miami Beach durch den Tausch gegen seine damalige Gibson Barney Kessel.
Als Fan von Jimi Hendrix sprühte er sie weiß an und schuf damit einen Gitarrensound, der Musikgeschichte geschrieben hat. „The Hitmaker“, wie der Ausnahmekünstler sein Instrument nennt, sorgt seit über fünf Jahrzehnten für ikonische Titel: funky, tanzbar und sofort wiederzuerkennen.
Nile Rodgers: 4000 Fans feierten erstklassige Funk- und Disco-Party
Rodgers gründete zunächst die Band Chic, machte sich anschließend aber vor allem einen Namen als Erfolgsproduzent, der unzählige Songs durch sein typisches Gitarrenspiel zum Mega-Hit trieb. Seine Produktionen und Kooperationen haben sich weltweit über 750 Millionen Mal verkauft.
Am Mittwochabend (8. Juli 2026) spielte Rodgers sein einziges Deutschland-Konzert des Sommers auf dem KunstRasen in Bonn. Die Funk-Legende verwandelte das Open-Air-Gelände in Bonn erneut in eine Nachbildung des legendärsten Nachtclubs der Welt: Studio 54. Mit dem Start von „Le Freak“ startete die ausgelassene Disco- und Funk-Party vor 4000 Fans.
„Singt mit“, rief er dem Publikum zu. „Wenn ihr den Text nicht kennt, könnt ihr, wie wir es nennen, einfach bullshitten.“ Aber wer kennt sie nicht, diese Evergreens, die Rodgers veredelt hat: „Upside Down“ (Diana Ross), „We are Family“ (Sister Sledge), „Like a Virgin“ (Madonna), „Notorious“ (Duran Duran), „Lady“ (Modjo), „Cuff it“ (Beyonce) oder „Get Lucky“ (Daft Punk).

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Nile Rodgers hatte die Sängerinnen Naomi Rodgers (l.) und Audrey Martells sowie Bassist Jerry Barnes an seiner Seite.
Den Stolz, all diese ikonischen Hits fabriziert zu haben und mit Legenden wie Iggy Pop („China Girl“) oder David Bowie („Let’s Dance“) gearbeitet zu haben, teilte Rodgers gerne mit seinen Fans. Auch die zahlreichen Grammy-Auszeichnungen bis zum Lebenswerk erwähnte er nicht zufällig.
Dieser Mann hat in so vielen Bereichen Wege geebnet. Zum Konzert-Finale bewies er das noch einmal mit einer ausgiebigen Version von „Good Times“. Der Disco-Klassiker diente als Grundlage für das legendäre „Rapper’s Delight“ der Sugarhill Gang.
Begleitet wurde die Funk-Ikone in Bonn von den beiden Sängerinnen Naomi Rodgers und Audrey Martells. Keyboarder Russell Graham übernahm Gesangsparts wie beim Bowie-Hit „Modern Love“. Ralph Rolle gab am Schlagzeug den Einheizer. Jerry Barnes ist inzwischen seit 30 Jahren der gut gelaunte Bassist, der in die Fußstapfen des Chic-Gründungsmitglieds Bernard Edwards schlüpfen musste.

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Nile Rodgers mit seiner geliebten Gitarre. Die „Hitmaker“ ist schon leicht ramponiert, erzeugt aber immer noch den ikonischen Funk-Sound.
Neben dem knapp 90-minütigen Auftritt von Nile Rodgers bekamen die Fans auch noch zwei andere Bands zu hören. Die Boogie Wonder Stars waren mit ihren Earth, Wind & Fire-Hits kurzfristig für Mother’s Finest eingesprungen. Zudem gaben Kid Creole & The Coconuts über eine Stunde mit sieben Musikern und drei Tänzerinnen den Einheizer mit Hits wie „Stool Pigeon“ und „Annie, I’m not your Daddy“.
Nile Rodgers hatte sich übrigens ganz besonders auf seinen Abend in Bonn eingestimmt. Frühmorgens war er über sieben Kilometer durch Köln marschiert. In seinem Instagram-Video war zu sehen, wie er im Morgengrauen die Hohenzollernbrücke überquerte und vom Deutzer Rheinufer den Dom bestaunte.
Dies geschah im Rahmen seiner 365-Tage-Challenge. Jeden Tag geht der Musiker in Herrgottsfrühe seit einem Dreivierteljahr durch die Gegend. „Ich bin um vier Uhr aufgebrochen, weil ich nicht weiß, ob ich diesen Ort jemals wiedersehen werde“, sagte er bei seiner Köln-Runde. „Etwas fühlt sich großartig daran an, früh aufzustehen.“ Er beobachtete Obdachlose und musste in dem Moment daran denken, wie er als 16-Jähriger zeitweise selbst auf der Straße gelebt hatte.
„Menschen haben mich damals besucht und ich habe Freunde gewonnen. Ich würde keinen Moment davon bereuen. Viele Menschen denken, dass ich eine traurige und deprimierende Kindheit hatte, aber tatsächlich war sie großartig. Als ich obdachlos war, habe ich mehr über die Welt und über Menschen gelernt als in der Schule“, berichtete er. Deshalb will er das morgendliche Ritual auch nach seinem 74. Geburtstag fortsetzen.
Und auch musikalisch denkt der Komponist noch lange nicht ans Aufhören. Mit Duran Duran hat er den Song „Free To Love“ veröffentlicht. Zudem bastelt er an einem Titel mit Soul-Star Olivia Dean. Der nächste Rheinland-Besuch kann also in ein paar Monaten folgen.
