Tränen-Beichte unserer Ski-Heldin

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Fiel nach den Paralympics 2018 in ein mentales Loch: Andrea Eskau. (Archivbild)
„Vor einem halben Jahr war nicht mal sicher, ob Leistungssport wieder möglich ist“
Ein Lächeln, das die Welt bedeutet. Für Ski-Ass Andrea Rothfuss (36) war der Auftritt bei ihren finalen Paralympics ein emotionaler Höhepunkt. Doch hinter der Fassade des Triumphs liegt ein tiefer Abgrund, ein Kampf, der ihre Karriere fast beendet hätte.
„Ich fühle mich immer noch wie im Traum. Ich habe mich so was von selbst überrascht hier mit diesen Spielen. Ich bin so unglaublich stolz auf mich“, gestand die Skirennläuferin mit feuchten Augen. Der Grund für diese bewegenden Worte: Nach der Weltcup-Saison 2023/2024 hatte sie eine heimtückische Krankheit, eine Depression, vollkommen aus der Spur geworfen.
Der harte Weg zurück ins Leben
„Vor einem halben Jahr war noch nicht einmal sicher, ob Leistungssport überhaupt wieder möglich ist“, offenbarte die Paralympicssiegerin von 2014. Dass sie in Cortina d'Ampezzo bei vier Wettkämpfen dann starke Ergebnisse erzielte – Vierte im Super-G und Riesenslalom, Sechste in der Super-Kombination und Siebte im Slalom – ist eine Rückkehr, die unter die Haut geht.
Die Krankheit traf sie vor zwei Jahren ohne jede Vorwarnung. Nach gesundheitlichen Beschwerden im Sommer 2023 spürte sie, dass etwas fundamental nicht in Ordnung war. Ihr Reflex, mit noch härterem Training gegenzusteuern, verschlimmerte die Situation nur. Rothfuss holte sich professionelle Unterstützung, reduzierte ihr Pensum – und fand so den Pfad zurück auf die Piste.
Nach dem Jubel die Leere: Auch Eskau kennt das Gefühl
Andrea Rothfuss kennt aus 20 Jahren im Weltcup-Zirkus auch den emotionalen Absturz nach dem großen Triumph, bekannt als Postolympische Depression. „Nach jedem großen Sportereignis (...) kann das Problem kommen“, erläuterte sie.
Eine Situation, die auch Biathletin Andrea Eskau (54) durchlebt hat. „Das waren jetzt keine Depressionen in dem Sinne, dass ich jetzt völlig antriebslos war, aber sportlich war es schon so ein Loch und eine extreme Erschöpfung“, schilderte die neunmalige Paralympics-Teilnehmerin. Insbesondere nach ihren zwei Goldmedaillen 2018 in Pyeongchang stellte sie sich die Frage: Was soll da jetzt noch Großes folgen?
„Dieses weitertrainieren (...) war für mich total schwer. Ich bin zum Trainingslager nach Mallorca gefahren und hatte gar keine Lust zum Trainieren“, so die Diplom-Psychologin über ihren damaligen Zustand. Ihr Appell: „Es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird und man als Sportler weiß, dass man nicht allein ist.“
Expertin aus Köln rät: „Einen Plan B entwickeln“
Fachliche Einordnung und Hilfe kommt direkt aus Köln. Die Psychologin Marion Sulprizio von der Deutschen Sporthochschule legt Athletinnen und Athleten nahe, sich nicht ausschließlich über den Wettkampf zu definieren. Es sei entscheidend, einen Plan B zu haben.
„Und natürlich alles, was ich mental vorweggenommen habe, also im Kopf geübt habe, kann mich dann danach ja nicht mehr so erschrecken, weil ich habe es ja schon geübt“, erklärte sie der dpa. Man könne sich ausmalen, wie ein Alltag ohne Sport aussieht oder die Zeit nach einem Medaillengewinn. „Also letztendlich auch so ein bisschen Zukunftsplanung vorwegnehmen, mental im Kopf.“
Die offenen Bekenntnisse der beiden Athletinnen senden ein starkes Signal: Über seelische Gesundheit zu reden und sich Unterstützung zu holen, ist ein Zeichen von Stärke. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

