Tadej Pogacar verpasste den Sieg bei der letzten Etappe der Tour de France, bereitete dabei sogar den Boden für den Sieg seines Rivalen. So zeigte er seinen wahren Charakter, meint unser Autor. Ein Kommentar.
In Paris knapp geschlagenPogacar zeigt bei Tour-Finale seinen wahren Charakter

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Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel beim gemeinsamen Ritt im Finale der Tour de France am 26. Juli 2026 in Paris.

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Keine Bergetappe und kein Rivale im Kampf um das Gelbe Trikot brachten Superstar Tadej Pogacar (27) im Laufe der Tour de France so sehr an seine Grenzen wie das spektakuläre Finale der Rundfahrt am Sonntag (26. Juli 2026) in Paris.
Den Prestige-Sieg auf den Champs-Élysées wollte sich der Gesamtsieger bei seinem fünften Tour-Erfolg als Krönung unbedingt noch sichern, die Folge war eine spektakuläre Flucht im Herzen der Hauptstadt. Dort zeigte der Slowene an der Seite von Klassiker-Rivale Mathieu van der Poel (31) sein wahres Gesicht.
Tadej Pogacar kämpft lange um den Etappensieg in Paris
Bei den drei Überfahrten am Hügel von Montmartre ergriff Pogacar immer wieder die Initiative, um sich vom Feld mit den Sprintern abzusetzen. Nach der letzten Runde waren schließlich nur noch er und van der Poel übrig.
Gemeinsam lieferten sich beide eine atemberaubende Verfolgungsjagd mit den im Rücken lauernden Sprint-Anwärtern. Das Duo, das sich im Frühjahr bei Klassikern wie Mailand-Sanremo oder Paris-Roubaix harte Duelle geliefert hatte, arbeitete über viele Kilometer auf den kniffligen Kopfsteinpflaster-Passagen eindrucksvoll und fair zusammen.
Als das Ziel immer näher rückte, wirkte der scheinbar unermüdliche Pogacar plötzlich ein erstes Mal bei dieser Tour komplett am Limit. Und dennoch investierte er bis zuletzt jedes einzelne Watt, um die schwindende Führung zu verteidigen.
Zu diesem Zeitpunkt dürfte der Slowene bereits gewusst haben, dass er die Etappe kaum würde gewinnen können. Im Sprint-Duell gegen van der Poel hätte er ebenso wahrscheinlich den Kürzeren gezogen wie beim Aufziehen der Spezialisten, die dem späteren Sieger van der Poel auch tatsächlich bis auf weniger als eine Radlänge auf die Pelle rückten.
Wenn Pogacar schon selbst nicht gewinne, dann freue er sich zumindest, dass van der Poel nach dem wilden Ritt die Lorbeeren ernten könne, legte sich Ex-Profi Fabian Wegmann (46) in der ARD-Übertragung fest. Auch deshalb habe Pogacar noch alles gegeben, als sein Schicksal bereits besiegelt war. Erst 500 Meter vor dem Ziel ging er schließlich entkräftet vom Gas.
Der unermüdliche Einsatz bereitete so aber den Boden für den Fotofinish-Sieg von van der Poel, für den das Etappenziel keinen Meter weiter hinten hätte kommen dürfen. Die herzliche Umarmung der beiden Ausnahmekönner im Zielbereich nach dem Rennen stützte diese These.
Ein derart uneigennütziges Herz für das pure Radsport-Spektakel zeigte daher auch Pogacars wahren Charakter: Von Experten und Fans wegen seiner fast schon roboterartigen Dominanz vielerorts kritisch beäugt, geht es dem Überflieger im Kern stets um das Spektakel auf der Strecke – davon profitiert, wie in Paris, auch mal nicht er selbst, sondern das neutrale Publikum.
Das bis zum letzten Meter spannungsgeladene Finale war auch dank seiner Arbeit eine der denkwürdigsten Schlussetappen der jüngeren Tour-Geschichte und bot gleichzeitig eine weitere erleichternde Erkenntnis: Tadej Pogacar ist trotz der teils langweilenden Dominanz ein Segen für jedes Radrennen.
