Abo

Zverevs Sinner Albtraum„Ich weiß nicht, was ich gegen ihn machen soll“, so der Star

Italian Open

Copyright: Andrew Medichini/AP/dpa

Kommt aus dem Jubeln gar nicht mehr raus: Jannik Sinner.

Unfassbare Serie: Kann Sinner nur sich selbst schlagen?

Jannik Sinners größter Feind? Er selbst. Das hat sein geschichtsträchtiger Sieg in Rom gezeigt, wo nur ein kurzer körperlicher Einbruch im Halbfinale seinen Triumphzug fast gestoppt hätte. Wenn der italienische Weltranglisten-Erste fit ist, schwebt er, wie Tennis-Ass Alexander Zverev es auf den Punkt brachte, aktuell «zwei Stufen über allen anderen».

Die Zahlen sind irre: Seit 29 Partien ist Sinner ungeschlagen und sicherte sich sechs Masters-1000-Titel nacheinander. Als erst zweiter männlicher Spieler nach Novak Djokovic hat er bei sämtlichen neun Events dieser Top-Kategorie im Tennis mindestens einmal den Sieg geholt. Es überrascht daher nicht, dass der 24-Jährige bei den French Open, die an diesem Sonntag in Paris starten, als absoluter Top-Favorit gehandelt wird.

Seine unfassbare Stärke

Mit seinen langen, knallharten Grundschlägen kann Sinner seine Kontrahenten regelrecht zermürben. Zverev beschrieb das Gefühl so, dass es sich manchmal anfühle, «als würde man gegen eine Wand spielen». Wer eine Chance gegen Sinner haben will, muss bei fast jedem Ball volles Risiko gehen – was aber die Zahl der eigenen Patzer in die Höhe treibt. Der Südtiroler hingegen leistet sich kaum Aussetzer. Die frühere Spielerin Andrea Petkovic meint, er agiere wie ein Roboter mit «einer Art künstlichen Intelligenz».

Auf Zufälle verlässt sich Sinner nicht; sein Schlag-Arsenal baut er durch knallhartes Training stetig aus. Inzwischen gehört er zu den besten Aufschlägern der Welt und setzt seit Kurzem auch Stoppbälle als wirksame Waffe ein. «Er wird noch kompletter», stellte der ehemalige Profi Philipp Kohlschreiber fest. Für die Gegner sei das schlicht «beängstigend».

Italian Open

Copyright: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Fast schneller als sein Schatten: Jannik Sinner.

Kopf aus Stahl

Im Tennis gewinnt man die wichtigen Punkte – und darin ist Sinner derzeit unübertroffen. «Er hat diese Siegermentalität», erklärt sein Trainer Darren Cahill und fügt hinzu: «Ich glaube, er wurde damit geboren und er liebt diese Situationen.» Doch dahinter verbirgt sich auch eiserne Disziplin, denn Sinner gilt als trainingsbesessen. Er arbeitet sogar an seiner einzigen Schwäche, der physischen Ausdauer in langen Partien. Das Trinken von Gurkenwasser ist nur ein Detail seiner optimierten Ernährung, ergänzt durch unzählige Stunden mit Physiotherapeuten.

Den ganzen Rummel um seine Person steckt er erstaunlich gelassen weg. «Ich spiele nicht für Rekorde, ich spiele für meine eigene Geschichte», lautet sein Credo. Die Rolle des Gejagten, bei dem jeder auf einen Fehler wartet, scheint ihm nichts auszumachen. Das gilt selbst für die Debatte um seine dreimonatige Dopingsperre, die er nach zwei positiven Tests auf das anabole Steroid Clostebol erhielt. Einige in der Tennis-Welt unterstellen eine Sonderbehandlung. Sinner ist sich der kritischen Blicke bewusst, doch das scheint seinen Willen nur noch zu beflügeln.

Ein Rivale fehlt

Was der aktuellen Titeljagd die Spannung nimmt, ist die verletzungsbedingte Pause seines ewigen Konkurrenten. Carlos Alcaraz (23) war in den letzten zweieinhalb Jahren der einzige Spieler, der dem Südtiroler wirklich das Wasser reichen konnte. Die letzten neun Grand-Slam-Titel teilten sich diese beiden Ausnahmeathleten untereinander auf. Besonders Sinners Niederlage im epischen Finale der French Open gegen den Spanier im letzten Jahr schmerzte sehr.

Das variable und unvorhersehbare Spiel von Alcaraz hat das Potenzial, Sinners kraftvolles Tennis zu stören. Ihre sportliche Konkurrenz, obwohl sie sich abseits des Courts gut verstehen, spornt sie gegenseitig zu Spitzenleistungen an. Nach seinem Sieg im Wimbledon-Finale 2025 richtete Sinner folgende Worte an den geschlagenen Alcaraz: «Danke dafür, dass du der Spieler bist, der du bist».

Die Konkurrenz verzweifelt

Der Abstand ist gigantisch: Nach seinem Sieg in Rom hat Sinner fast 9.000 Punkte mehr auf dem Konto als der Weltranglistendritte Zverev – eine Ewigkeit im Tennis. Nach neun Pleiten in Folge gegen den Italiener scheint der Deutsche den Glauben an einen Sieg im direkten Vergleich verloren zu haben. Seine Hilflosigkeit wurde beim Halbfinal-Aus in Monte-Carlo deutlich, als Zverev zu seiner Box rief: «Ich weiß nicht, was ich gegen ihn machen soll.»

Tennis - Italian Open

Copyright: Alfredo Falcone/LaPresse/AP/dpa

Auch Alexander Zverev verzweifelte zuletzt regelmäßig am Italiener Jannik Sinner. (Archivbild)

Selbst Grand-Slam-Rekordsieger Djokovic, der Sinner im Halbfinale der Australian Open eine seiner nur zwei Niederlagen in dieser Saison beibrachte, ist angeschlagen. Er kämpft mit körperlichen Beschwerden und musste in Rom früh die Koffer packen. Und auch andere Top-Ten-Leute wie Felix Auger-Aliassime, Ben Shelton, Taylor Fritz und Alex de Minaur haben mit Verletzungen oder Formtiefs zu kämpfen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Diego Dedura

Krimi am Rothenbaum

Ein deutsches Talent überrascht, das andere scheitert bitter