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Olympia-Schock für DeutschlandWinterspiele künftig ohne Bob, Rodeln und Skeleton?

Aktualisiert

Das IOC denkt angeblich über eine Zukunft ohne Rodeln, Bob und Skeleton nach: Für Deutschland wäre das ein Albtraum.

Erst retteten drei Sportarten die deutsche Medaillen-Bilanz bei den Olympischen Spielen, einen Tag nach deren Abschluss bereiten Bob, Rodeln und Skeleton Deutschland plötzlich Olympia-Sorgen.

Die Vorschläge über eine Neuordnung des Olympia-Programms, schreibt der seriöse Insider Duncan Mackay in seinen „Zeus Files“, gehe weit über eine Einführung von Cyclocross oder Crosslauf hinaus: „Rausfliegen könnten die Schlittensportarten – Bob, Rodeln und Skeleton.“

Handball und Volleyball als Ersatz für den Olympia-Eiskanal?

Die Gründe dafür lägen im schlechten Abschneiden der Sportarten in den Kategorien Kosten, Umwelt und Nachhaltigkeit. Tatsächlich ist schon der Bau einer Eisrinne sündhaft teuer, sie muss nicht gerade umweltverträglich in die Landschaft gestellt werden, auch der Unterhalt kostet und frisst Energieressourcen für die Vereisung.

Für Deutschland wäre das ein Albtraum. Die Schlittensportler gewannen in Cortina d’Ampezzo 19 von 26 Medaillen, also rund 73 Prozent, davon sechs der acht goldenen. Was, wenn sich, wie das in Palisades Tahoe umbenannte Squaw Valley 1960 ein Ausrichter dazu entscheidet, er wolle keine Bahn bauen?

Die Rinne in Cortina kostete 118 Millionen Euro – 37 Millionen mehr als vorgesehen und vom IOC ohnehin nicht gewünscht. Eine bestehende Bahn hätte es nach dessen Willen sein sollen, zur Not in Lake Placid/USA.

„Wir müssen ehrlich damit sein, was funktioniert und noch wichtiger, was nicht funktioniert“, hatte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry am Vorabend der Spiele in Italien gesagt – und die nahenden Erschütterungen im Programm bereits angedeutet.

Sportarten, Disziplinen und Veranstaltungen müssten „mit neuen Augen“ betrachtet werden, sagte die 42-Jährige: „Wir werden vor schwierigen Entscheidungen und Gesprächen stehen – das gehört zum Wandel dazu.“

Im Rahmen des „Fit For The Future“ genannten Prozesses befassen sich seit September vergangenen Jahres vier Arbeitsgruppen mit der Zukunft der Olympischen Spiele, dazu zählt auch eine Programmkommission unter dem Vorsitz des Österreichers Karl Stoss.

Insider Mackay zufolge gebe es bereits eine breite Akzeptanz, dass die Winterspiele von Mailand und Cortina die letzten gewesen sind, bei denen ausschließlich auf Schnee und Eis um Medaillen gekämpft wurde. Handball und Volleyball gelten etwa als Sportarten, die künftig in den Winter rücken und den Platz der Eiskanalsportarten einnehmen könnten.

Spielszene beim EM-Finale im Handball zwischen Dänemark und Deutschland.

Copyright: IMAGO/Maximilian Koch

Rückt der Handball bei Olympia – wie auch schon bei Welt- und Europameisterschaften üblich – in den Winter?

Rodel-Olympiasieger Max Langenhan sagte bei Sky: „Davon habe ich bislang noch nichts mitbekommen. Ich weiß auf alle Fälle ganz sicher, dass wir bis 2034 dabei sind. Das IOC hat immer wilde Ideen – am Ende geht es denen irgendwie nur noch ums Geldverdienen. Es ist total schade, dass der Sport dabei völlig in Vergessenheit gerät.“

Sommerspiele in Los Angeles 2028 mit 353 Medaillen-Entscheidungen

Durch die angedachten Verschiebungen sollen zum einen die aufgeblähten Sommerspiele, die in Los Angeles 2028 mit Rekordzahlen von 353 Medaillen-Entscheidungen in 36 Sportarten aufwarten, wieder verschlankt und zum anderen die fast ausschließlich in Nordeuropa, Nordamerika und Ostasien rezipierten Winterspiele für weitere Teile der Welt geöffnet werden.

Sollten die Schlitten der Reform zum Opfer fallen, wäre es für die deutschen Goldschmieden der GAU. Ohne Olympische Spiele verliert fast jeder Sport seine Daseinsgrundlage, da ein Löwenanteil der Finanzierung aus IOC-Geldern besteht.

Es sei nun die Aufgabe der internationalen Verbände, die Argumentation der Kritiker zu widerlegen, sagte Thomas Schwab, Vorstand des deutschen Schlittenverbands BSD, dem SID.

Er sei aber „optimistisch und entspannt, dass wir Lösungen anbieten können“. Eine könne etwa die stärkere Entwicklung von kostengünstigeren Bahnen in Modulbauweise sein. An weiteren Innovationen werde gearbeitet.

Für die kommenden Winterspiele in den französischen Alpen 2030 und in Utah 2034 haben die Schlittensportler ihren Platz aufgrund der geltenden Ausrichterverträge zumindest auf dem Papier noch sicher.

Wie es danach weitergeht, könnte sich bereits bei der IOC-Session in Lausanne am 24. und 25. Juni klären, wenn die ersten Ergebnisse der Programmkommission erwartet werden. (sid)

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