Magersucht? Sportmediziner schlägt bei Olympia-Star Klosterhalfen Alarm, Trainerin reagiert

Olympia 2021, 10.000 m, Frauen: Konstanze Klosterhalfen aus Deutschland in Aktion.

Olympia 2021: Konstanze Klosterhalfen (m.) in Aktion.

Wenn man sich die Langstreckenläuferinnen bei Olympia in Tokio angeschaut hat, liegt die Vermutung nahe, dass diese Art des Sporttreibens total ungesund ist. Sind viele Läuferinnen magersüchtig?

Tokio/Köln. Konstanze Klosterhalfen (24, Leverkusen) wurde am Samstag (7. August 2021) Achte über 10.000 Meter. Nach dem Rennen im drückend warmen Tokio war Klosterhalfen am Ende ihrer Kräfte, zitterte in den Katakomben des Stadions.

Beim Anblick der Läuferin schlägt Sportmediziner Wilhelm Bloch (Deutsche Sporthochschule Köln) nun gegenüber dem „Tagesspiegel“ Alarm.

Konstanze Klosterhalfen: Sportmediziner sieht Hinweise auf Magersucht

„Es ist ein schwieriges Thema“, sagt Bloch (62). „Es darf nicht erst gehandelt werden, wenn etwas passiert ist“, findet er. Für ihn sind die Läuferinnen wie Klosterhalfen viel zu dünn. „Sie ist sehr dünn, und ich erkenne auch eine flaumartige, feine Körperbehaarung“, sagt Bloch. „Das geht in Richtung des Krankheitsbildes Anorexia athletica.“

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Anorexia athletica ist Magersucht von Sportlerinnen und Sportlern. In anderen Sportarten wurden die Regeln so verändert, dass das Risiko minimiert wird. Beim Skispringen etwa gibt es die Body-Mass-Index-Regel. Ist ein Springer zu leicht, hat er den Nachteil eine kürzeren Skis.

Der Trend in den Langlaufdisziplinen der Leichtathletik ist aber laut Bloch besorgniserregend. „Jedes Gramm nicht aktive Masse ist Ballast und muss weg. Nur noch die arbeitende Muskulatur soll erhalten bleiben. Es kommt zu Funktionsstörungen. Das Knochenwachstum ist wegen des niedrigen Calciumhaushaltes eingeschränkt. Der Hormonhaushalt ist beeinträchtigt. Die Östrogenbereitstellung stockt. Bei vielen dieser Frauen bleibt die Monatsblutung aus“, erklärt Bloch.

„Wenn ich mir Läuferinnen wie Klosterhalfen ansehe, glaube ich nicht, dass sie zehn Prozent Körperfett haben. Sondern deutlich darunter.“ Wichtig seien aber rund 12 Prozent Körperfett.

Dünne Läuferinnen: Mediziner fordert Schutz von Athletinnen durch Regeln

Bloch hat eine klare Forderung: „Es muss etwas passieren, es müssen Regeln zum Schutz der Läuferinnen und Läufer her. Ein Schwellenwert des Body-Mass-Index zum Beispiel.“

Chefbundestrainerin Annett Stein (57) hat auf die besorgten Stimmen nach Klosterhalfens Olympia-Auftritt reagiert. „Wir arbeiten eng mit den Ärzten in den USA zusammen“, sagte Stein am Sonntag: „Unsere Verbandsärztin kennt Konstanze schon lange und schätzt ihren Zustand als sehr stabil ein.“

Konstanze Klosterhalfen trainiert in den USA. Offiziell wiegt sie 48 Kilogramm bei einer Größe von 1,74 Metern. Ihr Body-Mass-Index: 15,85. Die Bundeszentrale für Ernährung hat festgelegt: mit einem BMI unter 18,5 gilt man als untergewichtig. (Ubo)

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