Auch im Jubiläums-Jahr Nicht willkommen: Tour de France zeigt klare Kante bei Jan Ullrich

Radstar Jan Ullrich hört den Fragen der Journalisten zu.

Einer der Tiefpunkte in Leben und Karriere für Jan Ullrich: Nach einer Gerichtsverhandlung am 14. September 2017 spricht er im Rathaus in Weinfelden (Schweiz).

25 Jahre ist der Sieg von Jan Ullrich bei der Tour de France her. Doch ein gerngesehener Gast ist er nach den Skandalen der Vergangenheit nicht. Die Tour-Organisation gab jetzt bekannt, dass mit dem Radstar nichts geplant sei. 

Er war das Radsport-Idol in Deutschland – für viele ist er es immer noch. Jan Ullrich (48) feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum anlässlich seines historischen Erfolgs bei der Tour de France im Jahr 1997. Trotz seines Dopingskandals 2006 wollen ihn viele zurück in der Öffentlichkeit sehen, die Tour-Organisation scheinbar nicht.

Im Rahmenprogramm der 109. Tour de France wird Ullrich keine Rolle spielen. „Es ist nichts geplant“, teilte die Tour-Organisation auf dpa-Anfrage knapp mit. Wo rund um die 21 Etappen der Frankreich-Rundfahrt jedes Jahr die einstigen Größen und weniger Großen des Radsports geehrt, gefeiert und gewürdigt werden, ist für den früheren deutschen Radstar kein Platz. 

Radstar Jan Ullrich nicht bei der Tour de France eingeladen

Gründe dafür gibt es ausreichend. Vor allem in Doping-Affären sorgte der einstige Radstar immer wieder für negative Schlagzeilen. Und auch privat lief es lange Zeit alles andere als rund. 2014 hatte Ullrich mit 1,8 Promille im Blut zwei Autos gerammt und erhielt eine Bewährungsstrafe. 

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Nachdem seine Ehe zerbrach, blieb der mittlerweile 48-Jährige alleine in seinem Haus auf Mallorca und lieferte sich eine heftige Auseinandersetzung mit TV-Star Til Schweiger (58), woraufhin er in Polizeigewahrsam genommen wurde.

Bei seiner Rückkehr nach Deutschland lief es nicht besser. In einem Frankfurter Hotel wurde er gegenüber einer Escort-Dame handgreiflich und stand dabei unter Alkohol- und Drogeneinfluss.

Es folgte eine Einweisung in die Psychiatrie, bis sein alter Rivale und jetziger Freund Lance Armstrong (50) auftauchte: „Das war unheimlich für mich. Ich sah einen Mann an einem Ort, wie noch kein menschliches Wesen zuvor. (...) In so einem Zustand hatte ich noch keinen gesehen“, sagte Armstrong. Ullrich erholt sich wieder und berichtet später in Armstrongs Podcast: „Ich war auf dem Weg von Marco Pantani. Fast tot.“

Ein Wendepunkt in Ullrichs Leben! Im Anschluss wurde es um seine Person ruhiger. Zuletzt zeigte er sich auf Instagram wieder in besserer Verfassung bei einer Radtour am Tuniberg, mit einem Lächeln im Gesicht. Die Lebensfreude scheint zurück zu sein, doch das ist längst kein Anlass für die Tour-Organisation, Ullrich zurück ins Rampenlicht zu stellen.

Jan Ullrich versetzte Deutschland ins Radsport-Fieber

Dabei hatte er ein Jahrzehnt lang in den Duellen mit Lance Armstrong die Radsport-Fans nicht nur in Deutschland in den Bann gezogen. „Voilà le Patron“, titelt das Tour-Organ „L'Équipe“, nachdem der sympathische Junge aus Rostock mit den rotblonden Haaren und den Sommersprossen im Gesicht an einem Sommertag 1997 in Andorra-Arcalis die steilen Rampen unwiderstehlich hinaufgestürmt war und das Gelbe Trikot an sich gerissen hatte.

Plötzlich ist Deutschland im Radsport-Fieber. Jedes Jahr im Juli versammeln sich Millionen Menschen vor dem Fernseher und leiden stundenlang mit Ullrich, wenn es die Bergriesen in den Alpen und den Pyrenäen hinaufgeht. Sein Talent auf dem Rad ist nahezu einzigartig. Ullrich wird Olympiasieger, Weltmeister, deutscher Meister. Aber die Tour gewinnt er nicht noch einmal.

Ein gewisser Lance Armstrong steht ihm im Weg. „Ich denke, dass Jan von seinen sportlichen Möglichkeiten stärker war als Armstrong“, meint Ullrichs ehemaliger Mentor Rudy Pevenage (68). Es ist Ullrich, der Armstrong zu Höchstleistungen treibt.

Jan Ullrich lebt inzwischen zurückgezogen

„Er hatte so viel Talent. Er machte mir Angst. Dieser Mann ließ mich früh aufstehen, er ließ mich früh zu Bett gehen“, sagte Armstrong in der ARD-Dokumentation „Being Jan Ullrich“. Siebenmal gewinnt er die Frankreich-Rundfahrt – mit unerlaubten Mitteln, wie sich später herausstellt. Für Ullrich bleibt oftmals nur der zweite Platz. An seiner Beliebtheit ändert dies nichts.

Inzwischen lebt der 48-Jährige wieder in der Abgeschiedenheit von Merdingen, in der Nähe zu seinen vier Kindern. Es gibt Pläne für ein Bike-Zentrum, unter anderem mit seinem Freund und Geschäftspartner Mike Baldinger. Womöglich ein neues Standbein für Ullrich, der öffentliche Auftritte meidet.

Dies hält Pevenage für einen Fehler. „Ich hoffe nur, dass sich Jan in den nächsten Monaten viel mehr in der Öffentlichkeit zeigt. Am Ende hat er nichts getan. Belgien, Holland, Italien, Spanien – all die Leute wollen Jan Ullrich sehen.“ Und das am liebsten so wie einst an jenem Sommertag in Andorra-Arcalis. (dpa, fr)

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