Kai Ebel über den Fahrer und Menschen „Michael verfuhr nach dem Schicksalsprinzip“

Schumi_Ralf_Ebel_Interview

Rote Perücken zum ersten Ferrari-Titel 2000: Michael Schumacher, Bruder Ralf und RTL-Reporter Kai Ebel

  • Nach seinem Comeback wirkte Michael viel entspannter.
  • Mit jeder Meldung über seinen Unfall wurde es dramatischer.
  • Michael war nicht süchtig nach Risiken.

Michael Schumacher (49) und die Medien – ein nicht immer einfaches Thema, das von Geben und Nehmen geprägt war. Er hätte durch die frühe Berichterstattung über das Talent aus Kerpen vielleicht nie die Chancen bei Mercedes und in der Formel 1 bekommen. Zeitungen und Fernsehen profitierten dann von seinem Erfolg.

Einer, der von Anfang an dabei war, ist Kai Ebel (54). Der RTL-Boxengassenreporter interviewte Schumi 20 Jahre lang und lernte nebenbei auch den Menschen und Familienvater Michael gut kennen.

Von Kai Ebel

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Michael und ich kennen uns ja schon lange. Wir kamen beide Anfang der 1990er-Jahre in die Formel 1. Wir waren nicht die dicksten Kumpels, aber unser Verhältnis war immer von gegenseitigem Respekt geprägt. Ich respektierte seine enorme Leistung als Rennfahrer und ich denke, Michael respektierte mich als Reporter.

Er war zwar als Rennfahrer extrem ehrgeizig und knallhart. Nur wenn er ausgestiegen ist, war er ein ganz anderer Mensch. Da war er höflich, menschlich und lustig.

In angenehmer Erinnerung ist mir ein Interview in Monza. Ich hatte mich schon umgedreht, da tippte er mir auf die Schulter – und verkündete vor laufender Kamera live die erste Schwangerschaft seiner Frau.

Nach seinem Comeback wirkte er viel entspannter

Nach seinem Comeback wirkte er auch viel entspannter, er ging deutlich lockerer mit kritischen Fragen um. Eigentlich schade, dass er 2012 endgültig aufgehört hat. Ich dachte, er verlängert noch einmal bei Mercedes und erntet die Früchte seiner Aufbauarbeit.

Dann war Michael plötzlich Privatmann, und wir haben 2013 sechsmal eine Roadshow für seinen Sponsor DVAG gemacht, zum letzten Mal kurz vor Weihnachten. Ich habe ihn auf der Bühne eine Stunde lang interviewt. Wir sprachen über die Formel 1, aber auch viel über sein neues Leben, neue Herausforderungen, neue Ziele in seinem Leben nach dem Motorsport.

Schumi_Ebel_Hill_Interview

1996, Hockenheim: Kai Ebel (M.) interviewt Schumi und Rivale Damon Hill.

An diesem letzten Abend erzählte er mir dann nach der Show, dass er am nächsten Tag mit der Familie in den Skiurlaub nach Méribel aufbrechen wolle. Er war total euphorisch, freute sich riesig auf unbeschwerte Zeit mit Familie und Freunden im Schnee.

Mit jeder Meldung über seinen Unfall wurde es dramatischer

Dann dieser 29. Dezember: Ich saß daheim auf meiner Couch, sah fern. Plötzlich lief ein Lauftext durch: Schwerer Unfall von Michael Schumacher. Ich sagte mir: So ein Quatsch, der ist nicht mit dem Auto oder Motorrad unterwegs, der ist im Urlaub. Das kann nicht wahr sein.

Als dann erstmals das Wort Skiunfall erwähnt wurde, wurde mir bewusst, dass es wohl stimmt. Aber weil es hieß, er habe den Hubschrauber selber herangewinkt, dachte ich, dass es nicht so schlimm sein würde. Aber mit jeder Meldung wurde es dramatischer.

Am Tag danach hieß es, er sei zu schnell in ungesichertes Gebiet gefahren. Das konnte ich nicht glauben. Michael wollte sich nie als Adrenalin-Junkie sehen. An diesem Abend haben wir noch genau darüber gesprochen. Er hat mir lange erklärt, dass das für Außenstehende zwar oft so aussieht, als wenn er süchtig nach Risiko und Geschwindigkeit sei. Fakt sei aber, dass er sich ganz langsam an jedes Limit herantaste.

Michael war nicht süchtig nach Risiken

Er beherrscht seine Geräte, ob es nun ein Auto, ein Ski oder ein Motorrad ist. Wenn wir Normal-Autofahrer das Gefühl haben, superschnell unterwegs zu sein, dann ist das für einen Michael Schumacher vergleichsweise wie rückwärts einparken. Er hat einfach, wie alle Formel-1-Piloten, ein anderes Verhältnis zur Geschwindigkeit. Er sagte mir, dass er nie unkontrolliert drauf losfährt. Dass er die Geschwindigkeit kontrolliert. Michael bestand darauf, dass er nicht süchtig nach Risiken ist. Da hat er viel Wert drauf gelegt.

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Schumi mit Sohn Mick beim Memorial 2013 in Kerpen

Er war aber sicherlich kein kopfloser Raser. Michael glaubte bei so etwas sogar an Schicksal. Zu mir hat er einmal gesagt: Ich verfahre nach dem Schicksalsprinzip. Ich kann nicht Dinge nicht tun, weil etwas dabei passieren kann. Wenn etwas passiert, dann ist es vielleicht Schicksal.

So nehme ich es auch heute hin. Natürlich vermisse ich Michael. Ich kenne keinen in der Formel 1, der Michael nicht vermisst. Er ist immer noch ein großes Thema. Noch heute vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht gefragt werde, ob ich wüsste, wie es Michael geht. Das Interesse an seinem Schicksal ist ungebrochen.

Fortsetzung folgt nun in Form seines Sohnes Mick

Und die Fortsetzung folgt ja nun in Form seines Sohnes Mick. Ich habe mich zuletzt beim Rennen in Österreich mit Mick unterhalten und habe einen ganz tollen Eindruck von ihm. Er ist ein sehr aufgeräumter und aufgeweckter junger Mann, der weiß, was er will. Er hat eine tolle Kinderstube genossen.

Das zeigt, dass er im Schatten seinen scheinbar übermächtigen Vaters gut gedien ist. Mick macht jetzt den nächsten Schritt in die Formel 2, und es ist ja kein Geheimnis, dass sein Ziel die Formel 1 ist. Ich würde mich freuen, dann den nächsten Schumacher zu interviewen.

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