Die Stimmung bei Ferrari ist nach der Monza-Pleite am Boden. Ralf Schumacher redet Klartext und stellt einen heiklen Vergleich zu Schumi-Zeiten auf.
Ferrari-BebenSchumacher knöpft sich Hamilton vor: „Eine Blamage!“
Das Heimrennen in Monza, das eigentlich ein Fest in Rot sein sollte, entwickelte sich zu einer Katastrophe. Für Charles Leclerc war früh Schluss, während Lewis Hamilton sich mit einem unbefriedigenden sechsten Rang begnügen musste. Nach dem Grand Prix herrschte bei Ferrari pure Enttäuschung statt Freude, was umgehend die Debatte um die interne Organisation anfachte.
Direkt im Anschluss an das Rennen fand Ralf Schumacher klare Worte und nahm den Team-Chef der Scuderia, Fred Vasseur, ins Visier. „Ich bin mir nicht so sicher, was das jetzt für Fred Vasseur bedeutet. So etwas in Italien, der Ferrari-Chef war auch hier. Das war eine Art Blamage, die man nicht gerne sieht.“ Das berichtet „Sky“.
Schumacher: „Das ist ja keine Einheit“
Im Podcast „Backstage Boxengasse“ analysiert der Sky-Fachmann die Ursachen für das Debakel zu Hause. Schumachers ungeschönte Einschätzung lautet: „Für uns ist das unterhaltsam, aber ich glaube, es ist das größte Problem, das Ferrari momentan hat, dass kein Zusammenhalt herrscht“.
Die Piloten würden sich sowohl auf als auch abseits der Piste bekämpfen. „Da kämpft man gegeneinander, da bepöbelt man sich am Funk, dann gibt es Schuldzuweisungen nach dem Rennen“, führte er aus. Eine Aktion direkt nach Rennbeginn belegt seine These: Hamilton fand sich im Kies wieder, weil sein Stallgefährte Leclerc ihn kompromisslos abgedrängt hatte. Der Ausgang ist bekannt: Für Leclerc war das Rennen vorzeitig beendet, und Hamilton sammelte lediglich acht Zähler für die Weltmeisterschaft.
Auch Hamilton selbst goss zusätzlich Öl ins Feuer, als er die Taktik des Teams öffentlich kritisierte. „Ich hatte das Gefühl, dass wir auf dem harten Reifen hätten starten und dann auf Medium wechseln sollen“, äußerte er. Das hätte der Mannschaft bei den Boxenstopps mehr Spielraum verschafft.
Genau darin sieht Ralf Schumacher die Abweichung zur siegreichen Zeit seines Bruders Michael. „Ich sehe jetzt den Grund, warum es damals geklappt hat und warum es heute nicht klappt“, macht er deutlich. Selbst als sein Bruder das Team zusammen mit Ross Brawn und Jean Todt formte, wären die Umstände nicht durchgehend leicht gewesen.
Der wesentliche Kontrast sei aber gewesen: „Solche Vorwürfe hat es nie gegeben, und wenn es was zu klären gab, blieb es intern.“ Sein Bruder habe zu jener Zeit jedes Mitglied der Mannschaft persönlich beim Vornamen gekannt – „es war eine Familie.“
Für Hamilton, dessen Mission es war, Ferrari zu altem Ruhm zu führen, rückt der WM-Titel in unerreichbare Distanz. Der Abstand zum Spitzenreiter Kimi Antonelli liegt schon bei 76 Zählern, und vieles deutet darauf hin, dass die Scuderia und ihr Star-Pilot noch mindestens eine weitere Saison warten müssen. (red)
