Gehaltsgrenze in der Formel 1? Zoff zwischen Fahrern und Bossen: „Komischer Zufall“

Max Verstappen (r) aus den Niederlanden vom Team Red Bull jubelt mit Christian Horner, Teamchef von Red Bull Racing, auf dem Podium.

Christian Horner (l.) und Max Verstappen am 12. Dezember 2021 nach dem Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft in der Formel 1.

Die Formel 1 hat schon wieder ein neues Reizthema. Die Topstars der Rennserie und ihre Bosse streiten über eine Gehaltsgrenze für die Fahrer. Als Vorbild bringen die Teamchefs den US-Sport ins Spiel.

Die Formel 1 erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit. Vor allem in den USA, wo in dieser Saison drei Rennen stattfinden, sieht man den Boom. Jetzt sorgt aber die Diskussion um eine Gehaltsobergrenze für Zoff.

Sebastian Vettel (34) konnte sich den beißenden Spott nicht verkneifen. Dass die Formel 1 inmitten eines Booms eine Sparrunde bei den Fahrergehältern drehen will, kommt dem viermaligen Weltmeister seltsam vor.

Sebastian Vettel: „Das ist doch ein komischer Zufall“

„Das ist doch ein komischer Zufall, wenn die Teams erstmals Geld mit den Formel-1-Rennen verdienen können und so etwas wie eine Gehaltsgrenze für Fahrer auftaucht“, sagte Vettel zu den Verhandlungen der Rennställe über den künftigen Finanzrahmen.

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Diskutiert wird, ob die Gehaltsausgaben für beide Stammfahrer bald 30 Millionen Dollar pro Jahr nicht mehr übersteigen dürfen.

In der Kontroverse stehen sich die Topstars der Branche und ihre Bosse gegenüber. Das Klima im Fahrerlager ist in der Gehaltsfrage vor dem Gastspiel in Kanada am Sonntag (20 Uhr/Sky) leicht gereizt. Ein Limit sei „komplett falsch“, sagte Weltmeister Max Verstappen (24), der neben Superstar Lewis Hamilton (37) zu den Topverdienern gehört.

Max Verstappen: Fahrer „riskieren ihre Leben“

„Zurzeit wird die Formel 1 immer populärer, und jeder verdient immer mehr Geld“, erklärte der Red-Bull-Pilot und verwies darauf, dass die Fahrer schließlich „für die Show sorgen und ihre Leben riskieren“. Dafür sei ein Spitzenlohn angemessen.

Die Teamspitzen indes argumentieren mit dem wachsenden Kostendruck und dem Faktor Verhältnismäßigkeit. Mercedes-Teamchef Toto Wolff (50) verwies auf die Budgetgrenze von 140 Millionen Dollar, die wegen der hohen Inflation in diesem Jahr für die Topteams immer mehr zum Problem wird.

Fahrergehälter fallen derzeit zwar nicht unter das Ausgabenlimit. Ein zusätzlicher Lohnzettel von bis zu 50 Millionen sei jedoch „unpassend“, wenn der gesamte Rennbetrieb und bis zu 1000 Mitarbeiter mit 140 Millionen finanziert werden müssten, sagte Wolff.

Lewis Hamilton sorgt sich um kommende Fahrer-Generation

Die Budgetgrenze in der Formel 1 gilt seit dem vergangenen Jahr und soll für mehr Chancengleichheit zwischen den Teams sorgen. So mancher argumentiert, dass auch die Fahrergehälter unter diese Regelung fallen sollten, weil sonst die Logik des Deckels und der Wettbewerb der Ingenieure ausgehebelt wird. Können so doch die reichsten Teams auch immer die besten Piloten beschäftigen.

Die Fahrer indes verweisen auf negative Folgen eines Gehaltslimits für die Nachwuchsserien. Dort spekulieren Investoren oft darauf, an künftigen Verträgen ihrer Schützlinge in der Formel 1 mitzuverdienen. „Wenn das begrenzt wird, dann wird das ohnehin große Risiko für einen Geldgeber noch größer“, warnte Alfa-Romeo-Fahrer Valtteri Bottas (32).

„Ich werde nicht mehr viel länger hier sein, aber ich denke an die junge Generation und glaube nicht, dass sie gebremst werden sollte“, sagte Rekordweltmeister Hamilton. Schließlich habe die Formel 1 inzwischen ihre Umsätze auf 14 Milliarden Dollar verdreifacht.

Anleihen im US-Sport als Lösung für die Formel 1?

Als möglichen Ausweg aus dem Dilemma wollen die Bosse Anleihen beim US-Sport nehmen. Dort ist in den meisten Ligen ein Gehaltslimit für jedes Team schon länger verankert. Bei den Topstars macht das direkte Gehalt daher meist den kleineren Teil der Einnahmen aus, der größere Batzen kommt von persönlichen Sponsoren und Vermarktungsanteilen. „Wir müssen uns das anschauen und daraus lernen, auch wenn wir es nicht kopieren müssen“, sagte Haas-Teamchef Günther Steiner (57).

Mit diplomatischem Geschick will Kollege Wolff die Fronten aufweichen. „Um es wirklich tragfähig zu machen, sollten alle Spitzenverdiener einbezogen werden“, sagte der Österreicher und stellte klar: „Das heißt, nicht nur die Fahrer, auch die Teamchefs und die Führungskräfte sollten von der Budgetgrenze erfasst werden.“ (dpa)

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