Bittere Niederlage – mit einer ganz bitteren Szene kurz vor Schluss. Bundestrainer Alfred Gislason „klaute“ seiner eigenen Mannschaft ein Tor, als er nur einen Augenblick zu früh auf den Timeout-Buzzer drückte.
Buzzert er hier die Siegchance weg?ARD-Experte: „Was macht denn der Bundestrainer da?“
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Diese Niederlage war mindestens so bitter wie unnötig! Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat bei der Handball-EM ihr zweites Gruppenspiel gegen Serbien am Samstag mit 27:30 verloren.
Etwas weniger als drei Minuten vor dem Ende kam es bei einem Tor Rückstand für das DHB-Team zu einer ganz unglücklichen Szene – bei der Bundestrainer Alfred Gislason im Mittelpunkt stand. Hat der 66-Jährige damit sogar den Sieg verhindert?
Bei DHB-Niederlage: Unglückliche Gislason-Szene
In der ersten Halbzeit wurde Deutschland seiner Favoritenrolle gerecht, führte nach 30 Minuten mit vier Toren Vorsprung mit 17:13. In Halbzeit zwei brachen die DHB-Jungs dann aber unerklärlicherweise ein.
Die Serben glichen nach rund 41 Minuten zum 20:20 aus, gingen nach fast 48 Minuten das erste Mal seit der 4. Minute wieder einmal in Führung (22:21). Spätestens jetzt hatten die Osteuropäer Lunte gerochen, waren richtig heiß auf die Überraschung.
Knapp drei Minuten vor Schluss war Deutschland beim Stand von 26:25 für Serbien dann wieder im Angriff, tat sich aber wiederholt schwer. Trotzdem wurde Juri Knorr unter Bedrängnis am Kreis noch bedient, der setzte sich gegen seine Gegenspieler durch, drehte sich und wuchtete den Ball gerade so noch ins Tor zum vermeintlichen Ausgleich.
Aber quasi zeitgleich mit der Torerzielung flackerten im Kasten rote Lampen auf. Bundestrainer Gislason hatte offensichtlich nicht gesehen, dass seine Mannschaft sich doch noch freigespielt hatte und an der Seitenlinie auf den Buzzer gehauen, um ein Timeout zu nehmen – einen Augenblick zu früh.
Die Schiedsrichter schauten sich die Szene noch im Videobeweis an, entschieden dann aber, dass der Ball noch nicht vollständig hinter der Torlinie war, als die Lichter aufflackerten und gaben den Treffer nicht. Auf den TV-Bildern war Gisalson zu sehen, der einfach nur kurz „Scheiße“ brüllte und seinen Fehler direkt bemerkte.
ARD-Co-Kommentator Johannes Bitter fragte im Live-Kommentar fassungslos: „Was macht denn der Bundestrainer da? Hat er den Ball nicht gesehen?“
Danach setzten sich die Serben dann auf der Anzeigetafel ab, entschieden das Spiel in den verbleibenden Minuten für sich. Lukas Zerber verwarf zu allem Überfluss auch noch einen Siebenmeter.
ARD-Experte und Ex-Nationalspieler Dominik Klein sagte nach der Partie über die Timeout-Szene des Bundestrainers: „Ich weiß auch nicht, ob das zeitversetzt war, was er oben auf dem Videowürfel gesehen hat. Ob er genau das Bild gesehen hat, was wir gesehen haben. Aber man hat auch Andi Wolf noch von hinten gesehen, der ihn fast weggezogen hat. Er hatte vielleicht zu sehr die Idee im Kopf, jetzt nochmal die Mannschaft einzustellen. Unglücklich, aber passiert.“

Copyright: Screenshot ARD
Alfred Gislason schaut auf den Videowürfel, während Juri Knorr zum Wurf ansetzt. Anschließend drückt der Bundestrainer einen Augenblick zu früh auf den Timeout-Buzzer und das Knorr-Tor zählt nicht.
Kurz darauf bezog auch Gislason Stellung zu seinem unglücklichen Buzzer-Fauxpas: „Ich habe eigentlich gedacht, dass Juri nicht zum Wurf kommt, deshalb wollte ich ein Timeout nehmen, weil wir nach der Zwei-Minuten-Strafe gerade wieder vollzählig geworden sind. Ich sage mal ‚leider‘ hat er das Tor gemacht und ich einen Bruchteil der Sekunde zu früh gedrückt. Deswegen geht das natürlich auf meine Kappe.“
Alles in allem war aber natürlich die schlechte zweite Halbzeit an der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft schuld, das wusste auch Gislason: „Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt, vor allem in der Abwehr und im Tor. In der zweiten Hälfte haben wir die Abwehr nicht ganz sp gut hingekriegt wie in der ersten Halbzeit, aber vor allem haben wir viel zu viele Fehler vorne gemacht. Und natürlich kommt dann diese Timeout-Situation noch dazu. Natürlich geht das auf meine Kappe, aber wir haben heute zu viele Fehler gemacht. Wir haben zu viele Fehlwürfe gegen einen guten Torhüter, sicherlich. Und deswegen haben wir das Spiel nicht gewinnen können.“
Am Montag zählt für das DHB-Team gegen Spanien (20.30 Uhr/ZDF) nur ein Sieg, um ohne Bedenken und Zittern in die Hauptrunde einziehen zu können.


