Fußball-WM: USA erwarten Ansturm, doch Deutsche zögern
WM-Wahnsinn in den USAUSA erwarten Rekorde, doch der große Buchungsboom bleibt bisher aus

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Die USA sind einer der drei Gastgeber der Fußball-WM. Für das Land ist das Turnier auch eine Chance, sich einem weltweiten Publikum als Reiseziel zu präsentieren. (Archivbild)
Der Anpfiff zur Fußball-WM ertönt am Donnerstag, und nicht allein die Mannschaften erhoffen sich den Sieg. Als zentraler Ausrichter erwarten die USA die zuschauerstärkste WM aller Zeiten. „Niemand inszeniert ein solches Spektakel wie Amerika“, äußerte sich Nick Adams, der Beauftragte für Tourismus der USA, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Man rüste sich für ein Event, das den Dimensionen von 78 Super Bowls entspreche.
Die FIFA als Weltfußballverband prognostiziert circa 6,5 Millionen Gäste in den Arenen, von denen 40 Prozent international sein werden. Man geht davon aus, dass dieser Zustrom eine Konjunkturspritze im Milliardenbereich bewirken wird. Zwischen den USA und Europa wurden von den Airlines schon etwa eine Million mehr Plätze in Flugzeugen bereitgestellt. Aber was bedeutet das am Ende für die Leute vor Ort?
Fachmann mahnt: „Normale Touristen werden verdrängt“
Eine andere Perspektive bringt Jürgen Schmude ein, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft. Ein derartiges Großereignis ziehe zwar Unmengen an Anhängern an, aber er gibt zu bedenken: „Normale Touristen werden verdrängt oder entscheiden sich in dieser Zeit für andere Reiseziele.“ Man könne die WM-Besucher daher nicht simpel zu den üblichen Touristenzahlen addieren.
Die Preise sind dabei ein ausschlaggebender Punkt. „Wenn Flugtickets teuer sind und die Hotelpreise stark steigen, schreckt das viele Reisende ab“, erklärt Schmude. Obwohl die Organisatoren von bezahlbaren Optionen und Eintrittskarten für weniger als 300 US-Dollar (etwa 260 Euro) reden, bemängeln Vertreter der Fans die Kosten als überzogen.

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Die USA sind das beliebteste Fernreiseziel der Deutschen. Zuletzt gingen die Besucherzahlen jedoch zurück. (Archivbild)
DRV erkennt keine große Nachfragewelle
Wie ist die Lage hierzulande? Auch wenn die Vereinigten Staaten nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) wohl das populärste Ziel für Fernreisen bei den Deutschen bleiben, zeichnet sich kein Ansturm auf WM-Buchungen ab. Ganz im Gegenteil: Das Interesse an Reisen in die USA für die Sommermonate ist sogar geringer als im vergangenen Jahr.
Ebenso bemerkt der Touristikkonzern Dertour, welcher keine kompletten WM-Reisepakete inklusive Eintrittskarten anbietet, keinen massiven Andrang. Das Buchungsaufkommen für maßgeschneiderte Touren von Personen, die bereits über Tickets verfügen, wird als „stabil“ bezeichnet. Von einer riesigen Nachfrage kann da kaum die Rede sein.

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US-Metropolen wie New York stehen als Austragungsorte der Fußball-WM 2026 im internationalen Rampenlicht. (Archivbild)
Bedenken wegen Schwierigkeiten bei der Einreise in die USA
Die Skepsis könnte auch auf Bedenken zurückzuführen sein, die abseits des Sports liegen. Von Dertour heißt es, dass Berichte zur politischen Situation und zu Komplikationen beim Grenzübertritt in die USA bei Urlaubern für Unsicherheit gesorgt haben. „Entsprechend ist weiterhin eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten“, ließ der Konzern verlauten.
Adams, der Tourismusbeauftragte der USA, spielt die Bedenken herunter. Laut Adams könne jeder, der zeitig eine ESTA-Erlaubnis beantragt, von einem unkomplizierten Grenzübertritt ausgehen. „Wir sind das gastfreundlichste Land der Welt“, gibt er als Versprechen ab. Der Tourismusexperte Schmude merkt an, dass wahre Anhänger sich von derartigen Umständen häufig nicht beeinflussen lassen: „Wer unbedingt Lionel Messi spielen sehen möchte, lässt sich von geopolitischen Spannungen meist nicht von einer Reise abhalten.“ (dpa/red)
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