Kap Verdes WM-Helden schocken Spanien. Ihre kuriosen Storys: Einer wurde via LinkedIn rekrutiert, einer spielte in Köln.
Per LinkedIn zur WMDie irren Geschichten der Kap-Verde-Helden nach dem Spanien-Coup

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Pico Lopes (M) im Kopfballduell.
Eine Truppe von Fußball-Unbekannten demütigt den Top-Favoriten Spanien und bejubelt ein 0:0 wie einen Triumph. Die echten Storys finden aber abseits des Rasens statt: Ein Star wurde via LinkedIn rekrutiert, ein weiterer spielte einst in Köln.
Welch eine Demütigung für den Top-Favoriten und welch ein geschichtsträchtiger Augenblick für den Außenseiter! WM-Debütant Kap Verde rang Spanien zum Turnierstart ein 0:0 ab. Die Akteure bejubelten diesen Punkt, als wäre es ein Triumph. Dieses Team hat Historisches vollbracht und setzt sich aus Akteuren mit Laufbahnen zusammen, die fast unglaublich klingen.
Nehmen wir zum Beispiel Roberto Lopes (33). Zunächst hielt der in Dublin zur Welt gekommene Abwehrspieler die Kontaktaufnahme für Spam. Eine Mitteilung auf Portugiesisch, die er vor etwa acht Jahren auf der Job-Plattform LinkedIn bekam, beachtete er nicht. Lopes wurde erst misstrauisch, als neun Monate darauf eine zweite Mitteilung auf Englisch von der gleichen Person eintraf.
Abwehrspieler über Job-Portal LinkedIn gefunden
Die erste Mitteilung ließ er von einem Übersetzungsprogramm bearbeiten und konnte kaum fassen, was er las: Ihm wurde angeboten, für das Nationalteam von Kap Verde aufzulaufen! „Der Weg über LinkedIn war etwas ungewöhnlich, aber der Verband sagte mir, sie hätten Probleme gehabt, meinen Club zu kontaktieren“, erläuterte Lopes, der von allen nur Pico gerufen wird. Seine Zusage kam ohne Zögern.
Sein Vater, dem er die Berufung verdankt, stammt aus dem Inselstaat und heuerte auf einem Kreuzfahrtschiff an. Vor Jahrzehnten legte das Schiff im Hafen von Dublin an, wo er sich in eine Frau von dort verliebte. Drei Kinder bekam das Paar. Sein ganzes Leben hat Pico Lopes in Irland verbracht und dort auch ausschließlich Fußball gespielt, für den Bohemian FC sowie die Shamrock Rovers.
Die Beziehung zur Heimat seines Vaters ist dennoch eng. Dort ist sein 98 Jahre alter Großvater noch am Leben. „Ich habe heute alle Menschen repräsentiert, die mir beigestanden haben. Das war eine unglaubliche Motivation, für sie zu spielen“, äußerte ein sichtlich bewegter Lopes nach der Partie.
Früherer Spieler von Viktoria Köln mit steiler Karriere
Sidny Lopes Cabral (23) ist ein Name, den Fußball-Anhänger aus der Gegend kennen dürften. Eine ereignisreiche Karriere liegt auch schon hinter ihm – inklusive Stopps in Deutschland. Der linke Verteidiger war von 2022 bis 2024 für Rot-Weiß Erfurt und danach auch bei Viktoria Köln aktiv.
„Ich lebe einen Traum“, teilte Lopes Cabral der dpa mit. „Vor vier Jahren war ich noch in der vierten Liga in Deutschland. Und nun habe ich bei der WM gegen Spanien ein Unentschieden erreicht. Ich kann das gar nicht glauben.“
In den Niederlanden geboren und fußballerisch groß geworden, führte sein Weg ihn nach der A-Jugend nach Schweden. Aus der U21 von Helsingborg ging es für ihn nach Erfurt und Köln. „Die Jahre in Deutschland haben aus mir den Spieler gemacht, der ich heute bin“, hob Cabral hervor.
Auch Rot-Weiß Erfurt freut sich über Transfer-Einnahmen
Sein Können blieb nicht verborgen. Scouts des portugiesischen Erstligisten Estrela Amadora wurden während seiner Zeit bei Viktoria auf ihn aufmerksam. Im Sommer 2025 erfolgte sein Wechsel – und damit der endgültige Durchbruch. Lediglich ein halbes Jahr danach sicherte sich Benfica Lissabon mit Star-Coach José Mourinho seine Dienste für sechs Millionen Euro. In der nächsten Saison wird er für den türkischen Pokalgewinner Trabzonspor auflaufen, der Club zahlt für ihn fast zehn Millionen Euro, Boni mit eingerechnet.
Hiervon hat auch Rot-Weiß Erfurt etwas. Eine Ausbildungsentschädigung von 50.000 Euro floss bereits bei seinem Transfer zu Benfica. Jetzt könnten noch einmal 100.000 Euro hinzukommen. „Wir haben den Jungen ausgebildet, hier hat er das Laufen gelernt. Jetzt hat er eine tolle Karriere und da sollten wir partizipieren“, erklärte RWE-Manager Franz Gerber gegenüber der „Bild“.
Torwart-Senior wird über Nacht zum Social-Media-Phänomen
Die Aufnahmen von Torhüter Vozinha (40), der nach Spielende in Tränen aufgelöst war, gingen um den Globus. Er dachte an seine Großeltern, die ihn großgezogen hatten und vor einigen Jahren verstorben sind. Was ihm in diesem Moment nicht klar war: Er war plötzlich zu einem Social-Media-Phänomen aufgestiegen.
In der Halbzeitpause hatte der brasilianische Sender Caze TV seine Zuschauer animiert, Vozinha auf Instagram zu folgen. Vor dem Spiel zählte er etwa 20.000 Follower. Nach dem Abpfiff waren es 1,5 Millionen, und nur wenige Stunden danach schon 2,6 Millionen. Zum Vergleich: Die Einwohnerzahl von Kap Verde liegt bei circa 600.000.
Beinahe hätte der Routinier dabei gar nicht im Kasten gestanden. „Ich habe erst mit 25 Jahren angefangen, professionell Fußball zu spielen. Das ist schon recht spät“, erzählte der Schlussmann. „Und ich hatte darüber nachgedacht, aus dem Nationalteam zurückzutreten. Doch ich bin dabei geblieben, denn ich hatte diesen Traum von der WM.“ (dpa/red)
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