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Zum fünfjährigen Jubiläum VAR: massive Kritik von Spielern und Fans – DFB-Bilanz aber sehr positiv

Schiedsrichter Robert Kampka überprüft einen Videobeweis.

Der Videobeweis steht auch nach fünfjährigem Bestehen noch immer in der Kritik. Das Foto zeigt Schiedsrichter Robert Kampka bei einer Überprüfung durch den Videobeweis am 6. November 2021.

Der Videobeweis soll den Fußball gerechter machen: Mit diesem Ziel sind die Verantwortlichen vor fünf Jahren angetreten. Das Hilfsmittel korrigiert zwar häufig Entscheidungen, sorgt aber auch für Ärger. 

Der Videobeweis steht bereits am dritten Spieltag der Saison 2022/23 erneut im Fokus, aber vor allem in der Kritik: Die Nationalspieler Kevin Trapp (32) und Timo Werner (26) motzten, die Fans erklärten die Einführung mal wieder für gescheitert.

Zu seinem fünften Geburtstag in der Fußball-Bundesliga hat der Videobeweis Mitte August 2022 schwere Tage erlebt.

Nach zahlreichen umstrittenen Entscheidungen stellt sich vor allem die Frage: Wie kann das technische Hilfsmittel so verbessert werden, dass die allgemeine Akzeptanz zunimmt und das ewige Diskutieren weniger wird?

Videobeweis erntet zu fünfjährigem Bundesliga-Jubiläum erneut massive Kritik

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DFB-Videobeweischef Jochen Drees (52) sieht für den „Kölner Keller“ massive Imageprobleme. „Für viele ist es immer noch ein schwieriges Thema, weil es in der öffentlichen Wahrnehmung sehr belastet ist. Oft habe ich auch den Eindruck, dass die negativen Entscheidungen häufiger hervorgehoben werden, als die vielen positiven“, sagte Drees.

Auch die Dauer einer Entscheidung in Verbindung mit dem Videobeweis spielt eine zentrale Rolle. Den Unparteiischen sollte die Zeit gegeben werden, spielentscheidende Szenen in Ruhe zu betrachten und zu analysieren. 

Auch nach fünf Jahren weist der Video Assistant Referee (VAR) noch immer kleine Makel, vor allem bei Dingen wie Transparenz, Tempo oder gar Nachvollziehbarkeit auf und wird daher kritisiert. Man muss sich immer wieder vor Augen führen: Der Videobeweis garantiert keine korrekte Entscheidung.

Zwei Szenen verdeutlichten dies am dritten Bundesliga-Spieltag besonders: Eine mögliche Elfmeterszene von Timo Werner, die trotz Vorliegen der Videobilder nicht korrigiert wurde. Und ein potenzielles Abseitstor des 1. FC Köln, das nach langer Überprüfung doch nicht aberkannt wurde.

Abseits-Problematik scheinbar das größte Problem des VAR

Leipzigs Werner und Frankfurts Trapp, in den beiden Fällen konkret betroffen, waren außer sich. „Im Spiel habe ich mir schon gedacht, dass es ein Elfmeter ist, weil ich den Kontakt ganz klar gespürt habe. Es ist schwer zu erklären. Wenn man die Bilder sieht, braucht der Schiedsrichter nicht rausgehen“, schilderte Werner.

Der DFB hingegen verteidigte die Entscheidung, als Unions Christopher Trimmel (35) Werner an der Wade traf und nach oben schob. „Ich möchte nicht sagen, dass das auf keinen Fall ein Strafstoß ist. Es gibt Teile, die sprechen für Strafstoß.“ Es gebe aber auch Teile, die dagegen sprechen, erklärte Drees.

Beim 1:1-Ausgleichstor zwischen Frankfurt und Köln kam am Sonntag (21. August) alles zusammen: Eine schier endlose Überprüfung und dann die aus Sicht der Eintracht-Betroffenen falsche Entscheidung. „Jedes Wochenende haben wir Diskussionen über diese scheiß Abseitstore. Es tut mir leid für meine Wortwahl, aber es ist einfach ein Wahnsinn!“, wetterte Trapp.

Die Abseits-Problematik verdeutlicht, mit welchen Schwierigkeiten der VAR zu kämpfen hat. Bei eindeutigen Entscheidungen wie „Abseits oder nicht“, „Ball im Aus oder nicht“ oder „Foul im Strafraum oder außerhalb“ beurteilt Drees den Videobeweis bereits als „stark“.

Bilanz des DFB beweist: VAR liegt so gut wie immer richtig

An den Stammtischen und in den sozialen Netzwerken diskutieren die Fans seit Tagen über den VAR. Ein Anhänger fragt: „Versteht jemand überhaupt irgendwelche Schiedsrichterentscheidungen? Was ist denn bitte aktuell los? Werner gestern, das Nicht-Abseitstor bei Köln gegen das von Schalke? Der Nicht-Elfer von Borré gegen die Hertha?“ Zu sehen ist der Beitrag auf Twitter:

Fakt ist: Die überwiegende Zahl der Eingriffe des VAR ist richtig. Der DFB stellte im Herbst eine erste Bilanz der laufenden Spielzeit vor und sprach hierbei von 96 Prozent korrekter Eingriffe. Zudem funktioniert der Videobeweis in anderen Sportarten meist ohne größere Probleme. Umsetzung und Handhabung sind zwar anders, die Akzeptanz ist allerdings gegeben.

Denn wie es bereits vor seiner Einführung zu Entscheidungen des Schiedsrichters gefühlte 80 Millionen unterschiedliche Meinungen gab, wird es sie auch mit dem VAR geben. Ein Blick über den Tellerrand täte dem Fußball durchaus gut und könnte den Video Assistant Referee noch besser machen, als er ohnehin schon ist. (dpa/fit)

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