Erst der Streik, dann die Vereinsauflösung? Der spanische Drittligist Extremadura UD bangt um seine Zukunft. Wegen ausstehender Gehälter bestreikte die Mannschaft am Sonntag erstmals ein Ligaspiel.
Sechs Monate ohne GehaltDrittligist streikt, Spieler verweigern Einsatz bei Ligaspiel

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Das Riazor-Stadion in A Coruña kurz nach der Absage des Spiels zwischen Deportivo La Coruña und Extremadura UD wegen eines Spielerstreiks.

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A Coruña. Es waren surreale Szenen, die sich in der dritten spanischen Liga am Sonntagmorgen (14. November 2021) abspielten. Die Spieler von Deportivo La Coruña absolvierten vor dem Spiel gegen Extremadura UD ihr Aufwärmprogramm, auch Schiedsrichter Alejandro Lucena Perdomo (24) machte sich bereit.
Doch der Gegner hatte die 600 Kilometer lange Reise in den Norden der Iberischen Halbinsel gar nicht erst angetreten. Wegen ausstehender Gehälter war am Freitag (12. November) ein Ultimatum der Mannschaft abgelaufen, seitdem war ein Spielerstreik beschlossene Sache.
Drittligaspiel zwischen Deportivo La Coruña und Extremadura UD findet nicht statt
Längst war klar, dass die Begegnung des zwölften Spieltags in Staffel 1 der Primera RFEF nicht stattfinden würde, dennoch wurde aus formalen Gründen bis zum geplanten Anpfiff um 12 Uhr der übliche Ablauf heruntergespult. Dank des tristen Schauspiels kann der Verband die Partie nun mit 3:0 für den früheren spanischen Meister Deportivo La Coruña werten.

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Der Spielberichtsbogen des spanischen Verbandes: Schiedsrichter Alejandro Lucena Perdomo hat den Kader von Deportivo La Coruña eingetragen, die Gäste von Extremadura UD waren nicht erschienen.
Die Galicier waren über die Pläne des Gegners schon frühzeitig informiert, entschieden sich daher dafür, die Stadiontore gar nicht erst für Fans zu öffnen. Aus dem Aufwärmprogramm vor dem geplanten Spiel wurde schließlich eine lockere Trainingseinheit auf dem heimischen Rasen.
Durch die leicht verdienten drei Punkte verteidigte der abgestürzte CL-Halbfinalist von 2004 seine Tabellenführung, Extremadura liegt als 15. noch knapp über dem rettenden Ufer. Ob der Klub die Saison aber überhaupt zu Ende spielen kann, steht in den Sternen.
Extremadura UD: Spieler treten wegen finanzieller Probleme in Streik
In Extremadura ist die Verzweiflung entsprechend groß. Der erst 2007 gegründete Fußball-Verein steckt schon länger in finanziellen Nöten, weil Präsident Manuel Franganillo und die Investorengruppe Khalifa Capital ihren (Zahlungs-) Verpflichtungen nur unzureichend nachkommen. Eine im September angekündigte rettende Finanzspritze über 3,5 Millionen Euro blieb bislang aus.
Vor dem Spiel in A Coruña sagte die Mannschaft schließlich „basta“. Am Freitag trat der gesamte Kader in Streik und ließ auch die für den Tag geplante Trainingseinheit ausfallen.
„Die Situation ist unhaltbar. Wir stellen das Streikrecht der Angestellten nicht infrage, aber wir arbeiten weiter und solange der Patient noch nicht tot ist, sollen sie uns die Möglichkeit geben, ihn am Leben zu halten“, sagte Insolvenzverwalter Bernardo Silva dem TV-Sender Canal Extremadura.
Traurige Fußball-Historie in Extremadura
Obwohl die finanzielle Last erdrückend ist, glaubt Silva noch an die Rettung des Vereins: „Für mich wäre es einfacher gewesen, den Verein im ersten Monat nach dem Insolvenzantrag aufzulösen, aber dafür sind wir nicht da. Wenn wir nicht daran glauben würden, dass wir es schaffen können, würden wir uns die Arbeit nicht machen.“
Beim einstigen Stadtrivalen CF Extremadura war das im Jahr 2010 nicht gelungen. Der frühere Erstligist war vor elf Jahren nach 86-jährigem Bestehen aufgelöst worden, weil die Schulden einen Fortbestand nicht mehr möglich machten.


