Die „Three Lions“ spielen plötzlich offensiv, Luka Modric macht den ersten Fehler in 20 Jahren und Christian Streich verwirrt mit taktischen Analysen: So lief das Duell England - Kroatien.
Nach überschwänglichem Modric-LobChristoph Kramer gesteht: „Ist schlecht gealtert“

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Chris Kramer muss seine Urteil revidieren: über Luka Modric und die Engländer. (Bild: ZDF)
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Eines war vor dem Anpfiff der Partie England - Kroatien so gut wie sicher: Anders als zuvor Spanien (gegen Kap Verde) und Portugal (gegen DR Kongo) könnte sich in diesem Spiel keine der beiden Mannschaften wirklich blamieren.
Zwar stellen die Engländer mit geschätzten 1,5 Milliarden Marktwert den vermutlich teuersten Kader dieser WM (wobei ... was verdient CR7 eigentlich in Saudi-Arabien?), aber mit den Kroaten ist bei einer Weltmeisterschaft stets zu rechnen.
„60 years of hurt“?
Das kleine Land bringt, da ist sich die ZDF-Expertenrunde einig, immer wieder herausragende Sportler hervor. „Ich weiß nicht, was die da unten essen“, begeistert sich Christoph Kramer. „Das gleiche wie Cristiano Ronaldo“, vermutet Jochen Breyer. Der Sixpack des 41-Jährigen war zuvor Thema, und Christian Streich hatte sich zu einem Vergleich mit Lucas Höler hinreißen lassen, was noch Folgen haben würde. Aber dazu später.
Erst einmal geht es um die Kroaten, deren Super-Super-Star Modric Chris Kramer aufrichtig bewundert, weil er keinerlei Allüren habe. Und weil er „in den letzten 20 Jahren keinen Fehler gemacht hat“. Die Aussage wird ihm Jochen Breyer noch aufs Brot schmieren.
Dann dreht sich natürlich alles um die „Three Lions“. Bei der EM 2024 waren die Engländer die große Enttäuschung. Damals stellte ZDF-Co-Kommentator Moritz Volz fest: „Gareth Southgate sitzt im Ferrari, aber fährt wie meine Oma.“
Nun sitzt bei den Engländern ja inzwischen Thomas Tuchel am Steuer. Ob er das selbige aber auch herumreißen kann, bezweifelt nicht nur Kramer. Sondern auch das englische Boulevardblatt „The Sun“. Wer glauben würde, mit dem von Tuchel zusammengestellten Kader könne man Weltmeister werden, müsse mal seinen Kopf untersuchen lassen, hatte sie vor der WM geschrieben. Christian Streich dazu ganz entspannt: „Was die 'Sun' schreibt, interesschiert nicht.“

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Bei Alexander Ruda (Mitte) hoffen zwei Engländer, dass Thomas Tuchel ihnen den Titel beschert. (Bild: ZDF)
Die Engländer sehnen sich bekanntlich nach ihrem zweiten Titel. „60 years of hurt“, sagt ein sympathisch unpatriotischer Englandfan vor dem Stadion. Und auch die Experten betonen immer wieder, dass England seit 60 Jahren auf einen Titel wartet. Was ja genaugenommen nicht stimmt. 1966 wurde man schließlich Weltmeister, man WARTET also höchstens seit 58 Jahren auf einen Titel - wenn man die EM mitzählt.
Streich erklärt den Superstürmer
Für den Standort des englischen WM-Quartiers wurde übrigens eine Tornado-Warnung ausgegeben, aber vielleicht hat man das auch einfach mit der Ankunft von Harry Kane verwechselt. (Entschuldigung, aber der musste sein.) Christian Streich scheint das jedenfalls zum Anlass zu nehmen, um Jochen Breyer zu erklären, wie der Superstürmer die gegnerischen Abwehrreihen durcheinanderwirbelt.

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Christian Streich (links) erklärt Jochen Breyer an der Taktiktafel Harry Kanes Lauffwege. (Bild: ZDF)
Er zeigt das nicht etwa auf der monströs großen Videoleinwand - sondern an einer magnetischen Taktiktafel. Breyer versucht, seinen Ausführungen und Gesten zu folgen und sieht dabei aus wie ein mittelprächtiger Matheschüler, dem der Lehrer die Gauß'sche Normalverteilung einbläut. Den meisten Zuschauern geht es wohl ähnlich. Und Chris Kramer schaut dezent auf die Uhr.
Kramer: „Mein Satz ist schlecht gealtert“
Dann gibt es noch die Expertentipps: Fritzy Kromp, Chris Kramer und Christian Streich tippen auf ein Unentschieden. Nur Per Mertesacker glaubt an einen englischen Sieg. Der Mann hat einen Wohnsitz in London, was soll er auch anderes sagen? Und endlich wird das Spiel angepfiffen, und niemand, auch nicht Kommentator Oliver Schmidt, erwartet ein Spektakel. Doch eben dies tritt ein. Schon in der dritten Minute haben die Kroaten die erste Chance. Dann verursacht Modric, ausgerechnet der so verehrte Modric einen Elfer. In der Halbzeitpause bekennt Kramer dazu: „Mein Satz ist in der letzten Stunde schlecht gealtert.“

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Per Mertesacker (links) und Chris Kramer lauschen gebannt. (Bild: ZDF)
Zum Strafstoß tritt selbstredend Harry Kane an und - die nächste Turniersensation! - verschießt. Weil das aber nun gegen jedwedes Naturgesetz verstößt, darf er noch einmal ran und verwandelt diesmal sicher. Auch das nächste englische Tor geht auf sein Konto, weil die Kroaten, genauso wenig wie Jochen Breyer, Christian Streichs Ausführungen an der Taktiktafel verstanden haben und den Bayern-Star einfach im Strafraum zum Kopfball kommen lassen.
Fritzy Kromp über England: „Anderes Regal“
Zweimal schaffen die „Kockasti“ zwischendurch den Ausgleich. Ihr Torwart Dominik „Die Krake“ Livaković reiht sich in die die Top-Leistungen der Torhüter bei dieser WM ein (abgesehen von Manuel Neuer, natürlich) und treibt die Engländer zur Verzweiflung. Die dann irgendwann eben doch nochmal treffen: 3:2 Jude Bellingham, 4:2 Marcus Rashford.
„Wenn sich Gareth Southgate das Spiel heute angeguckt hat, was denkt er?“, fragt sich Chris Kramer und möchte das keineswegs als Witz verstanden wissen. Vielleicht, weil er dem Komikerduo Müller und Klopp bei MagentaTV etwas entgegensetzen will. Wahrscheinlich aber, weil er irgendwie Mitleid mit Englands Ex-Trainer hat. Immerhin kann er sich erstmals seit Jahren über ein England-Spiel freuen: „So liebe ich den Fußball!“
Fritzy Kromp wiederum hat etwas bei den „Three Lions“ entdeckt, was lange fehlte: einen Matchplan. „England ist in einem anderen Regal!“, sagt sie. „Im obersten“, ergänzt Per Mertesacker und räumt dahin auch gleich noch Argentinien und Frankreich. Deutschland erst auf Nachfrage. Und offenkundig nur mit Magenschmerzen.
Streich: „Besser als erwartet“
Am Ende der Sendezeit erfahren die ZDF-Zuschauer dann noch, dass die DFB-Elf im Quartier schon wieder Ärger mit lästigem Viehzeug hat, diesmal keine Mücken wie 2024, sondern eine Schlange. Und dass Christian Streich mit seiner Bemerkung über CR7 seinen Ex-Spieler Lucas Höler aufgescheucht hat. Der schickt Grüße aus dem Urlaub - trägt allerdings ein schickes Häkeloberteil, weshalb ein Vergleich der Bauchmuskeln nicht möglich ist.
Breyer bittet Streich dann noch um ein Fazit zum ersten Spieltag. „Die Spiele sind besser, als ich erwartet habe“, antwortet der Kult-Trainer. „Viel Fußball, wenig Theater, wenig Unterbrechungen.“ Die Trinkpausen kann er da nicht gemeint haben. Aber was soll's, freuen wir uns auf Spanien gegen Saudi-Arabien, Portugal gegen Usbekistan und Schottland gegen Brasilien. Und die ein oder andere Überraschung. (tsch)
