Eine Fußball-Ikone feuert zurück, nachdem Bastian Schweinsteiger das DFB-Team hart kritisiert hat. Lothar Matthäus sieht ein ganz anderes Problem.
„Kein Mittelmaß!“Matthäus kontert Schweinsteigers DFB-Schelte
Die Aussagen von Bastian Schweinsteiger (42) sorgen in der deutschen Fußballwelt für Aufsehen. Der ARD-Experte nahm nach der Niederlage der Nationalmannschaft kein Blatt vor den Mund: „Wir sind im Mittelmaß angekommen!“
Eine knallharte Einschätzung, der nicht jeder zustimmt. Nun ergreift mit Lothar Matthäus ein anderer Weltmeister-Kapitän das Wort und geht mit seinem Kollegen hart ins Gericht.
Matthäus kontert Schweinsteiger
Der RTL-Experte verortet die Schwierigkeiten an einer komplett anderen Stelle. „Unsere Nationalmannschaft ist kein Mittelmaß!“, macht Matthäus bei „bild.de“ deutlich. Er glaubt, das Kernproblem sei nicht die spielerische Klasse, sondern die mentale Haltung: „Unsere Nationalspieler haben kein Qualitäts-, sondern ein Mentalitätsproblem!“
Matthäus listet diverse Profis auf, die bei europäischen Spitzenvereinen jede Woche überzeugen. „Ein Kai Havertz spielt nicht umsonst im Sturm beim englischen Meister und Champions-League-Finalisten Arsenal London“, argumentiert der deutsche Rekordspieler.
Auch Karim Adeyemi präsentiere sich beim FC Barcelona „in der Form seines Lebens“. Das Gespann Musiala/Wirtz komme gemeinsam auf einen Marktwert von mehr als 200 Millionen Euro, und in Joshua Kimmich habe man einen „echten Leader“ in der Mitte.
Sogar in der Defensive, die oft als Problemzone gilt, erkennt Matthäus internationales Niveau. Mit Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah sei die Mannschaft gut besetzt. Dann erzählt er eine Geschichte: Sein früherer Kollege Giuseppe Bergomi habe bei Inter Mailand von Yann Aurel Bisseck geschwärmt. „Bei Inter erzählen sie mir seit zwei Jahren, dass die Verteidigung ohne Bisseck nicht annähernd so stark sei“, gibt Matthäus wieder. Bergomi habe ihn sogar schon als „Weltklasse“ gelobt.
Für Matthäus stellt sich daher die entscheidende Frage, weshalb diese Akteure ihr Potenzial nicht für Deutschland abrufen. Er führt das mangelhafte Zweikampf-Verhalten von Felix Nmecha beim 0:1 gegen Griechenland an, welches er von ihm bei Borussia Dortmund so nicht beobachte. Die primäre Aufgabe für Bundestrainer Klopp bestehe nun darin, aus den herausragenden Einzelkönnern wieder ein Kollektiv zu schmieden und ihnen neues Selbstbewusstsein zu verleihen.
Matthäus verlangt eine Besinnung auf alte Stärken: „Unsere Nationalspieler müssen mehr Mentalität zeigen. Deutschland kann und muss wieder schwer zu schlagen sein, wie es in der Vergangenheit der Fall war und wofür wir gefürchtet wurden.“ Das Vertrauen ruht dabei eindeutig auf dem neuen Coach: „Klopp bringt diese Mentalität mit und lebt sie vor. Wenn es einer kann, sie auf diese Mannschaft zu übertragen, dann er.“ (red)

