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„Krasser Fehler“Schlimmer Hintergrund: Kompany kritisiert Trainer-Kollegen

Eine vermeintlich alltägliche Spieltags-Pressekonferenz wurde denkwürdig. Denn Vincent Kompany redete zwölf Minuten lang über ein wichtiges Thema.

Als Vincent Kompany auf den mutmaßlichen Rassismus-Vorfall um Fußballstar Vinicius Júnior angesprochen wird, rückt alles andere schlagartig in den Hintergrund.

Der deutsche Fußball-Clásico gegen Borussia Dortmund in einer Woche? Die drohenden Gelb-Sperren des Münchner Nationalspieler-Trios Joshua Kimmich, Jonathan Tah und Leon Goretzka im Bundesliga-Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Eintracht Frankfurt?

Vincent Kompany nach Rassismus-Eklat angefasst

Das alles verblasst im eindringlichen Zwölf-Minuten-Statement des Bayern-Trainers am Ende einer eigentlich routinemäßigen Spieltags-Pressekonferenz. Der 39 Jahre alte Belgier mit kongolesischen Wurzeln ist emotional angefasst – und seine nachdenklichen Worte dürften über Deutschland hinaus nachhallen.

Kompany hat das Champions-League-Spiel von Benfica Lissabon gegen Real Madrid am Dienstagabend live im Fernsehen gesehen. Der Brasilianer Vinicius Júnior, der sein 1:0-Siegtor für Real exzentrisch bejubelte, beschuldigte Benfica-Profi Gianluca Prestianni danach auf dem Platz, ihn auf Spanisch als „Affen“ bezeichnet zu haben. Real-Stürmer Kylian Mbappé bestätigte das, der Schiedsrichter unterbrach die Partie. Im fraglichen Moment hatte Prestianni sein Trikot über den Mund gezogen. Der Argentinier bestreitet die Vorwürfe.

Kompany stellte sich klar hinter Vinicius Júnior, beklagte grundsätzlich den Umgang mit Rassismus im Fußball und in der Gesellschaft. Und er kritisierte Benfica-Coach José Mourinho in der Sache hart. Dem Portugiesen warf er ein schweres Fehlverhalten in einer Führungsposition vor. Doch der Reihe nach.

„Es ist ein schwieriges Thema“, sagte Kompany zu Beginn seiner Ausführungen, bei denen er lieber vom Deutschen ins vertrautere Englisch wechselte. „Wenn es wahr ist, dass der Spieler von Benfica das gesagt hat, würde ich mir wünschen, dass es einen Raum für eine Entschuldigung gibt. Niemand auf der Welt ist perfekt. Aber wir berauben uns dieser Option. Es gibt immer nur links und rechts, schwarz und weiß“, beklagte der Belgier.

An Vinicius Júnior, der den Vorfall auf dem Platz bei Schiedsrichter François Letexier anzeigte, zweifelt Kompany nicht. „Wenn du die Aktion siehst, kann die Reaktion von ihm nicht vorgetäuscht sein. Es ist eine emotionale Reaktion. Und ich sehe keinen Nutzen für ihn darin, zum Schiedsrichter zu gehen und das ganze Elend auf seine Schultern zu nehmen. Aber er macht es, weil er findet, es ist in dem Moment das Richtige“, erklärte Kompany.

Er selbst hat in seiner Zeit als Spieler und auch als Trainer rassistische Anfeindungen erlebt. Vinicius Júnior sei im Gegensatz zu vielen anderen schwarzen Fußballern als berühmter Spieler „wenigstens in einer Position, dass er eine Stimme hat zu protestieren“, bemerkte der Bayern-Coach.

„Ich urteile nicht über José Mourinho als Person, aber er hat einen Fehler gemacht“

Deutlich äußert er sich zum Trainer-Kollegen Mourinho. Der Portugiese habe nach dem Spiel „den Charakter von Vinicius Júnior attackiert, indem er dessen Torjubel anführt“, schilderte Kompany. Das lenke ab vom eigentlichen Kern. „Das ist für mich ein krasser Fehler in Sachen Führung. José Mourinho erwähnt den Namen Eusebio, um zu sagen, dass Benfica nicht rassistisch sein könnte, weil der beste Spieler in Benficas Geschichte ein Schwarzer gewesen sei.“

„Aber wissen Sie“, betonte Kompany, „was Spieler in den 60er-Jahren durchgemacht haben? Mein Vater ist auch ein schwarzer Mann aus den 60ern – und damals hatten sie als einzige Option, ruhig zu bleiben, nichts zu sagen, darüber zu stehen, zehnmal besser zu sein, um dann vielleicht ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das war Eusébios Leben. Und heute seinen Namen dafür zu verwenden, um etwas gegen Vinicius Júnior zu sagen ...“

Er kenne viele schwarze Spieler, die von Rassismus betroffen waren und sind. Neben Eusebio zählte Kompany namentlich Ex-Stars wie Samuel Eto’o, Mario Balotelli und Patrick Vieira auf. „Ich urteile nicht über José Mourinho als Person“, sagte Kompany ausdrücklich: „Aber er hat einen Fehler gemacht. Und ich hoffe, das wird in der Zukunft nicht mehr passieren.“

Schon vor seinen Ausführungen hatte Kompany gesagt, dass er im Anschluss keine weiteren sportlichen Fragen beantworten werde. Es war aber eh alles gesagt. Das kommende Topspiel gegen den sechs Punkte zurückliegenden Titelkonkurrenten Dortmund will Kompany ohnehin erst nach dem Frankfurt-Spiel in den Mittelpunkt rücken.

„Sie haben das Dortmund-Spiel im Kopf, wir nicht, ich nicht. Ich bin nur auf das Frankfurt-Spiel fokussiert“, sagte er. Erst müsse man diese Hausaufgabe lösen – und auch der BVB müsse erstmal am Samstagabend in Leipzig gewinnen.

„Und dann können wir ab nächste Woche alle dieses Clásico-Gefühl genießen“, meinte Kompany. Noch eines tat er kund: Er werde bei der Personalauswahl gegen Frankfurt keine große Rücksicht auf mögliche Gelb-Sperren bei Kimmich und Co. nehmen. „Das ist kein großes Thema. Wir müssen schlau sein, aber wir können auch nicht überschlau sein. Man kann nicht alles planen.“ Sicher ist: Im Münchner Tor wird Jonas Urbig den verletzten Manuel Neuer vertreten. (dpa/sid)

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