Nach Kritik an Fan-Rückkehr DFL-Boss Seifert legt Zahlen vor: „Spiele keine Superspreader-Events“

DFL-Chef Christian Seifert im Stadion von Borussia Mönchengladbach

DFL-Boss Christian Seifert, hier beim Bundesliga-Spiel Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern München am 13. August 2021, hat auf dem Spobis in Düsseldorf eine Lanze für den Fußball in Corona-Zeiten gebrochen.

DFL-Chef Christian Seifert ist auf dem Spobis in Düsseldorf für seine Verdienste um den Fußball geehrt worden – und brach eine Lanze für den Sport in Corona-Zeiten.

Düsseldorf. 17 Jahre ist Christian Seifert (52) Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga – und hat dabei viele Erfolge eingefahren. Sein Meisterstück aber schaffte er damit, die 36 Profi-Klubs durch die Corona-Krise zu führen, ohne dass ein Klub bislang in die Insolvenz gehen musste. Auf dem Sportkongress Spobis in Düsseldorf wurde er für sein Lebenswerk mit dem Sponsoren-Ehrenpreis geehrt – und nutzte die Gelegenheit, in Sachen Corona eine Lanze für Sport und Veranstaltungsbranche zu brechen.

„An den ersten Spieltagen und Supercup haben wir 900.000 Tickets verkauft. Wir hatten im Nachgang sechs positive Fälle, von den Gesundheitsämter wurden lediglich 52 Datensätze angefordert“, sagte Seifert über die ersten 73 Spiele vor Fans in Bundesliga (drei Spieltage), zweiter Liga (fünf) und im Supercup. „Wer jetzt noch sagt, dass Fußball-Spiele potenzielle Superspreader-Events sind und es gefährlich ist, hinzugehen, das ist in der Zwischenzeit vorsätzlich falsch. Das Team Vorsicht muss aufpassen, dass es nicht das Team Weltfremd wird. Auch die anderen Sportarten, die Eventbranche, die haben tolle Konzepte und das Vertrauen verdient, dass sie wissen, was sie tun.“

DFL-Chef Christian Seifert: Fußball-Spiele sein keine Superspreader-Events

Seifert gab auch einen Einblick in die Zeit, als plötzlich der Fußball stillstand. Die Situation im Frühjahr 2020 war dramatisch, schließlich stand noch eine Rate der TV-Gelder aus, auch eine neue Ausschreibung der Fernsehgelder musste über die Bühne gebracht werden. „Ich musste diese Krise komplett akzeptieren. Man muss das eigene Scheitern akzeptieren. Es gibt diesen Film, Free Solo, in dem Alex Hannold den Berg El Capitan als Free Climber bezwingt. Man muss sich im Klaren sein, dass man abstürzen könnte.“

Seifert, der im kommenden Jahr von Donata Hopfen abgelöst wird, schildert, wie er die Krise anging: „Ich habe mir acht Zettel an die Wand gehangen, was gelöst werden musste. Sonst hätte ich das mental nur schwer geschafft. Der ganze Rahmen war weg. Und plötzlich ist man Führungskraft, im alten Sinne. Ich habe für mich ein Ziel visualisiert, dass ich in einem Stadion die Schale übergebe.“ Zu verzweifeln war keine Option. „Man hatte keine Zeit zu reflektieren. Wir haben unsere Krisenkommunikation komplett umgestellt. Wir waren offen und transparent, anders wäre es nicht gegangen.“

Als Laudator hatte Bayern-Präsident Herbert Hainer (67) Seifert vorher in höchsten Tönen gelobt – und scherzhaft ein Jobangebot unterbreitet: „Sie haben mal gesagt, ein Angebot des FC Bayern lehnt man nicht ab. Wenn es nur daran lag, dass sie kein Angebot hatten, würde ich gerne wissen: Was machen Sie denn ab dem 1.7. nächsten Jahres?“

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