Abo

Hand Gottes, deutsche TränenDie größten Dramen im legendären Aztekenstadion von Mexiko

Fußball-WM 2026 - Azteken-Stadion Mexiko-Stadt

Copyright: Li Muzi/XinHua/dpa

Ein Fußball-Tempel in über 2200 Metern überm Meer. (Archivbild)

Dieser Ort atmet WM-Geschichte: Götter, Tore, deutsche Tränen

Aztekenstadion: Götter, Tore und deutsche Tränen – die Arena der WM-Dramen. Kaum ein Ort atmet mehr WM-Flair. Am Donnerstag (13.00 Uhr Ortszeit) schreibt das Aztekenstadion wieder Geschichte – zum dritten Mal als Eröffnungs-Arena. Ein Platz für Legenden, für bittere Niederlagen und Momente, die keiner vergisst.

Wenn die mexikanische Nationalelf auf Südafrika trifft, den Ausrichter von 2010, dann ist das ein neuer Rekord. In der Arena, die auf über 2.200 Metern Höhe thront, findet zum dritten Mal ein WM-Auftakt statt. Das hat noch keine andere Spielstätte geschafft. Mit bereits 19 ausgetragenen WM-Partien – ebenfalls eine Bestmarke – hat dieser Ort im Stadtteil Santa Úrsula Coapa schon viele Fußball-Märchen erlebt.

Die allererste Gelbe Karte im Fußball

Wir schreiben den 31. Mai 1970. Mexiko tritt gegen die Sowjetunion an. Das Match vor mehr als 107.000 Fans endet torlos 0:0. Doch ein Moment bleibt für immer: die Premiere der Gelben Karte. Der deutsche Referee Kurt Tschenscher zückte sie in der 31. Minute gegen Kachi Assatiani. Fünf Verwarnungen sprach der Unparteiische an diesem Tag insgesamt aus.

Das legendäre Jahrhundertspiel

Halbfinale 1970: Deutschland trifft auf Italien. Zuvor hatte die DFB-Auswahl England dramatisch bezwungen und die 'Three Lions' aus dem Turnier geworfen. Doch was dann vor über 100.000 Menschen im Aztekenstadion geschah, sprengte alle Vorstellungen von einem Fußballkrimi. „Niemand hat das Spiel vergessen“, offenbarte der 2021 verstorbene Torjäger Gerd Müller: „Das macht mich immer noch verrückt, ich habe mich bis heute nicht davon erholt.“

Selbst Müllers zwei Tore waren zu wenig. Am Ende unterlag Deutschland mit 3:4 nach einer irren Verlängerung. Bei brütender Hitze hatte Karl-Heinz Schnellinger die DFB-Elf erst in der Nachspielzeit gerettet und den frühen Treffer von Roberto Boninsegna (8.) egalisiert. In der 94. Minute schoss Müller Deutschland mit 2:1 in Front. Doch nur vier Minuten danach schlug Tarcisio Burgnich zurück. Luigi Riva (104.) legte für Italien nach. Müller konterte (110.). Der Jubel hielt nur Sekunden: Gianni Rivera (111.) schoss die deutsche Elf eine Minute später aus dem Turnier.

Fans tragen Pele zur Siegerehrung

Copyright: picture-alliance / dpa

Pelé wurde im Aztekenstadion Weltmeister. (Archivbild)

Sogar die FIFA adelt diese Partie als „das Jahrhundertspiel“. Italien verlor das Finale später deutlich mit 1:4 gegen Brasilien – und die Welt sah einen feiernden Pelé mit Sombrero.

Maradonas Hand Gottes und sein Tor für die Ewigkeit

WM 1986, Viertelfinale: Argentinien gegen England. Eine Begegnung, die politisch extrem aufgeladen war. Nur vier Jahre nach dem Falklandkrieg standen sich die beiden Länder im Aztekenstadion gegenüber. Der 2:1-Sieg für die Argentinier wurde zur einmaligen Show von Diego Armando Maradona – und der „Hand Gottes“.

Was war passiert? Fast 115.000 Fans im Stadion sahen, wie Maradona in der 51. Minute das 1:0 erzielte. Aber wie? Per Kopf? Der nur 1,65 Meter kleine Maradona gegen den fast 20 Zentimeter größeren englischen Keeper-Giganten Peter Shilton? Unmöglich! Es war die „Hand Gottes“, wie die Legende später zugab. Einen Videobeweis gab es zu dieser Zeit nicht, der Treffer zählte.

Doch was Maradona nur vier Minuten später vollbrachte, war ein Tor für die Geschichtsbücher: In der eigenen Spielfeldhälfte erhält er den Ball, lässt mit einer einzigen Drehung Peter Beardsley und Peter Reid alt aussehen und startet durch. Terry Butcher ist der nächste, der nur zuschauen kann, gefolgt von Terry Fenwick. Keiner kann ihn stoppen. Auch nicht Shilton, der aus seinem Kasten stürmt. Maradona umkurvt ihn und schiebt die Kugel beinahe im Stürzen ins Netz.

Die bitteren Tränen der Deutschen 1986

Aber Maradona hatte noch nicht genug. Im Endspiel wartete Deutschland. Am 29. Juni 1986, Anpfiff um 12.00 Uhr mittags in Mexiko-Stadt. Zuerst traf José Brown (23.) für Argentinien. Nach dem Seitenwechsel legte Jorge Valdano (55.) nach. Bei gnadenloser Hitze stemmte sich das deutsche Team vor 114.600 Fans im Aztekenstadion gegen die Niederlage. An der Seitenlinie: Trainer Franz Beckenbauer, der 1970 die Tragödie gegen Italien als Spieler miterlebt hatte.

Fußball-WM 1986 - Finale

Copyright: dpa

Die deutsche Niederlage im Finale 1986 - gegen Maradonas Argentinier. (Archivbild)

Karl-Heinz Rummenigge (74.) und Rudi Völler (80.) schafften den Ausgleich. Die Freude war riesig, aber sie hielt nicht lange an. In der 83. Minute schickte Maradona mit einem genialen Pass Jorge Burruchaga auf die Reise. Dessen Tor besiegelte den argentinischen Sieg und sorgte für deutsche Tränen.

Mehr als Fußball: Olympia-Rekord und Papst-Besuch

Auch abseits des Rasens gab es hier Gänsehaut-Momente. Unvergessen ist Bob Beamons Fabel-Weltrekord im Weitsprung bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt. In der dünnen Luft segelte er auf unglaubliche 8,90 Meter. Damit übertraf er die alte Bestmarke von Jesse Owens (1935) um ganze 55 Zentimeter. Sein Rekord hatte über 20 Jahre Bestand, bis 1991 sein US-Kollege Mike Powell in Tokio 8,95 Meter weit sprang.

Sogar ein Papst hat das Aztekenstadion schon besucht. Papst Johannes Paul II. hielt im Januar 1999 eine Andacht vor mehr als 100.000 Gläubigen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus
Klinsmann packt aus
So steht er wirklich zu Lothar Matthäus