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England bei der WMEr war Tuchels Lachnummer – jetzt lieben alle Dan Burn

Dan Burn klärt per Kopf gegen einen Mexikaner, der zum Fallrückzieher ansetzt.

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Englands neuer WM-Held: Dan Burn geht dahin, wo es weh tut.

Aktualisiert:

England steht im WM-Halbfinale. Und England hat viele Helden. Der größte Held auf der Insel ist allerdings Dan Burn. 

England steht im WM-Halbfinale. Dort geht es am Mittwoch (21 Uhr/live in der ARD und bei MagentaTV) gegen den Titelverteidiger Argentinien mit Superstar Lionel Messi.

Und England träumt. Vom zweiten WM-Titel nach 1966 im eigenen Land. „It’s Coming Home“, „Wonderwall“, „Hey Jude“ – der Soundtrack der englischen Fans bei der WM in Kanada, Mexiko und den USA ist ohnehin schon weltmeisterlich. Doch es ist mehr. Die Verbindung zwischen Fans und Mannschaft könnte wohl kaum größer sein, die Bezeichnung „zwölfter Mann“ schien selten treffender zu passen.

Dan Burn überragt alle: Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Und die Fans verehren ihre Stars wie Helden. Harry Kane, natürlich! Jude Bellingham, ja, klar! Und auch, wenn es manchem Fan immer noch schwerfällt: Auch Trainer Thomas Tuchel, ein Deutscher, wird auf der Insel verehrt. Doch einer, mit dem wirklich niemand gerechnet hat, überragt alle: Dan Burn.

Dan Burn ist ein Fußballer wie aus einer anderen Zeit. Heutzutage muss ein Verteidiger nicht mehr nur verteidigen. Ein Abwehrspieler muss technisch gut sein, er muss das Aufbauspiel beherrschen. Er muss zudem schnell sein, am besten noch beweglich. Im modernen Fußball, in dem Spieler mit 30 fast schon als Auslaufmodelle gelten, sollte er zudem im besten Fall so um die 20 Jahre jung sein. 

Dan Burn ist anders. Er ist 2,01 Meter groß und bewegt sich nicht besonders filigran. Weder auf, noch neben dem Platz. Seine Pässe sind nicht so genau wie die seiner Mitspieler. Er ist langsam. Und er ist 34 Jahre alt. Und trotzdem liegt ihm gerade eine ganze Nation zu Füßen.

Das war nicht immer so. Im Mai noch war dieselbe Nation mehr als misstrauisch. England konnte die Nominierung von Dan Burn durch den deutschen Nationaltrainer Tuchel nicht so recht nachvollziehen. Tuchel erntete heftige Kritik. Burns erntete Hohn und Spott. Die Dan-Burns-Memes in den Sozialen Medien sprossen wie Pilze aus dem Boden.

Hauptdarsteller in den lustigen Kurzfilmen auf X und Co.: natürlich Dan Burn. Beziehungsweise eine große, fleischgewordene menschliche Vogelscheuche, die vergeblich versucht, Kinder auf einem Feld zu fangen. Immerhin haben die Kinder Angst. Dazu schrieben englische Fans: „Dan Burn gegen Spaniens Tiki Taka bei der WM“ oder „Dan Burn gegen Lionel Messi und Argentinien“.

Das sah dann so aus:

Das Internet lachte sich schlapp. Und die Witze gingen allesamt auf die Kosten von Burn. Gut zwei Monate später lacht niemand mehr über den baumlangen Verteidiger von Newcastle United. Dan Burn ist Englands nicht mehr ganz so heimlicher Held. Er hat seine Kritiker Lügen gestraft – und ist zur Stelle, wenn England und Tuchel ihn brauchen.

In der Gruppenphase war das noch nicht der Fall. England schlug Kroatien 4:2, spielte gegen Ghana 0:0 und besiegte Panama glanzlos 2:0. Ohne Burn, den brauchte Tuchel noch nicht. Im Sechzehntelfinale saß Burn die vollen 90 Minuten auf der Bank, beobachtete von dort, wie seine Kollegen die Demokratische Republik Kongo mit 2:1 aus dem Turnier beförderten.

Dan Burn lässt das Aztekenstadion verstummen

Doch im Achtelfinale schlug Dan Burns große Viertelstunde. Ausgerechnet gegen Gastgeber Mexiko im ehrwürdigen Aztekenstadion vor über 80.000 frenetischen Fans. Burn kam nach dem 2:3 der wütend anstürmenden Mexikaner in die Partie. Sein Auftrag: die Führung über die Zeit retten und die unzähligen Flanken der Gastgeber, die zum Schluss die Brechstange auspackten, wegköpfen. 

Und Burn erfüllte den Auftrag. Der Mann, der unter Tuchel sein Länderspieldebüt für die Three Lions erst 2025 feierte, schmiss sich in jeden Schuss der Mexikaner, war der Turm in der Schlacht. Kein Witz: Zwei Bälle köpfte er aus dem eigenen Strafraum bis in die andere Hälfte. Wen sollten die englischen Fans mehr lieben als einen Spieler wie Dan Burn? Kein Spieler im englischen Kader verkörpert die englischen Tugenden so wie der Abwehrhüne.

Nach dem Spiel wurde Burn gefeiert. Und Tuchel. Im Viertelfinale gegen Norwegen (2:1 nach Verlängerung) wurde Burn dann wieder gebraucht. In der 111. Minute wechselte Tuchel ihn ein. Neun Minuten später hatte England die Verlängerung überstanden – und das Halbfinalticket gebucht. Und die Vorfreude bei englischen Fans auf das Duell Burn gegen Messi ist schon riesig:

Burns eindrucksvolle WM-Bilanz in Zahlen: zwei Spiele, 24 Minuten Einsatzzeit, neun erfolgreiche Klärungsversuche, zwei geblockte Schüsse, zwei von zwei Kopfballduellen gewonnen und zwei angekommene Pässe. Englischer wird es nicht mehr. 

Sein wuchtiger Kopfball gegen Norwegens Kopfball-Spezialisten Leo Östigaard (traf gegen den Irak per Kopf) in der eigenen Hälfte in der Nachspielzeit ging viral. Burn übersprang seinen Gegenspieler mühelos. Anschließend stieg Burn noch zweimal über den am Boden liegenden Norweger.

Eine epische Sequenz, die die englischen Fans auch noch einen Tag später abfeiern. Mit dabei auch Promis wie Ex-Nationalspieler Peter Crouch, selbst 2,01 Meter groß. 

Längst lacht niemand mehr über Dan Burn, Thomas Tuchel und England. 

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