„Deutlich unterhalb der Erwartungen“FC-Vorstand äußert sich zur Krise und den Umgang mit Baumgart

Rhein-Eenergie-Stadion: FC-Präsident Werner Wolf

Werner Wolf, Präsident des 1. FC Köln, am 22. Oktober beim Derby gegen Borussia Mönchengladbach.

Der 1. FC Köln in der Krise, oder sogar im freien Fall Richtung 2. Liga? Für Tabellenplatz 18 ist es sehr ruhig am Geißbockheim, findet sogar Trainer Steffen Baumgart. Jetzt äußerte sich der Vorstand.

von Uwe Bödeker (ubo)

Der 1. FC Köln ist Emotion pur – wenn es läuft, ist alles prima, wenn nicht, wird oft alles infrage gestellt. Doch diesmal scheint es anders zu sein...

Aktuell steht der Klub kurz vor Sessions-Beginn auf dem letzten Platz der Tabelle. Am Samstag (11. November 2023) stand beim VfL Bochum ein enorm wichtiges Spiel an. Es endete 1:1. FC-Coach. Steffen Baumgart (51) bleibt trotz Mega-Druck entspannt, denn er weiß, dass im Verein Vertrauen und Ruhe herrschen: „Ich finde, dass es trotz der schwierigen Phase sehr ruhig im Verein ist. Da hat es hier schon ganz andere Zeiten gegeben.“

Vorstand des 1. FC Köln schreibt an alle Mitgliederinnen und Mitglieder

Und wie sieht der Vorstand die Lage? Am Donnerstag (9. November) äußerten sich die Bosse in einem Brief an die FC-Mitgliederinnen und -Mitglieder. FC-Präsident Dr. Werner Wolf und seine Vize-Kollegen Eckhard Sauren und Dr. Carsten Wettich nahmen Stellung zur Krise und auch zu Trainer Baumgart.

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„Es war zu Saisonstart allen Verantwortlichen beim FC klar, dass diese Saison eine herausfordernde Übergangssaison zwischen fortlaufender Sanierung und Neuaufstellung werden würde. Die aktuelle Situation mit fünf Punkten nach zehn Spielen und Tabellenplatz 18 liegt deutlich unterhalb aller Erwartungen und auch unterhalb der Möglichkeiten, über die unser Kader eigentlich verfügt“, beginnt das Schreiben.

Wolf und seine Mitstreiter machen klar, dass sie deutlich mehr erwartet haben, trotz aller Schwierigkeiten. Aber sie betonen auch, dass sie Ruhe bewahren: „Viele unserer Fans machen sich Sorgen um den FC, suchen Schuldige, fordern schnelle Veränderungen. Manche fragen sich: Was macht der Vorstand? Das können wir Euch sagen. Wir beobachten die Situation sehr genau und hinterfragen sie wie Ihr äußerst kritisch. Das machen wir ruhig, sachlich und nicht in der Öffentlichkeit.“

Aktuell sei es das Beste, den eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen: „Wir glauben fest an den Weg, den wir mit der neuen Geschäftsführung eingeschlagen haben. Wir haben in den vergangenen Jahren ein neues Fundament am Geißbockheim aufgebaut, das aus Vertrauen und gegenseitiger Unterstützung besteht.“

Wie Baumgart und sein Team, hadert auch der Vorstand mit den Ergebnissen, nicht aber mit der gezeigten Leistung: „Wenn wir auf den bisherigen Saisonverlauf zurückblicken, gab es einige Spiele, in denen unser Team schlecht gespielt und verdient verloren hat. Aber es gab genauso die Spiele, in denen die Mannschaft bewiesen hat, dass sie in die 1. Bundesliga gehört – auch wenn sie sich zu oft nicht belohnt hat. Die Linie zwischen Erfolg und Misserfolg ist im Profifußball sehr dünn, manchmal macht ein einziger Moment den Unterschied. Diese Momente haben uns oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gerade in solchen Phasen ist es für eine Mannschaft wichtig, ruhig weiterzuarbeiten und vor allem den Glauben an die eigenen Fähigkeiten hochzuhalten.“

Der FC-Vorstand fordert den gesamten Verein und alle Fans auf: „Geben wir der Mannschaft Überzeugung und Unterstützung, um sie zu stärken und das freizusetzen, was in ihr steckt.“

Von Baumgart sind sie auch weiterhin überzeugt: „Wir sind als Vorstandsteam angetreten, um mehr Ruhe und Struktur, mehr langfristiges Denken in die Arbeit des FC einfließen zu lassen. Das gilt auch für den schnelllebigen sportlichen Bereich. Auch wenn am Ende Tore und Punkte die alles entscheidende Währung sind: Wir alle tun gut daran, trotz des Abstiegskampfes nicht in Panik zu geraten (...) Unseren Trainer Steffen Baumgart und sein Trainerteam hat immer stark gemacht, Spieler besser zu machen und Energie ins Team zu bringen. Diese Fähigkeit ist jetzt gefragt – und das Trainerteam bringt sie jeden Tag auf dem Trainingsplatz ein.“

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Heißt: Baumgart sitzt fest im Sattel, eine Trainerdiskussion will der Vorstand aktuell nicht aufkommen lassen. Und auch das Management wird in Schutz genommen: „Christian Keller stand als unser Geschäftsführer Sport letztes Jahr vor der Herausforderung, gemeinsam mit seinen beiden Kollegen, Markus Rejek und Philipp Türoff, unseren Verein zu sanieren, der nach Corona und wegen einiger Altlasten finanziell vor dem Kollaps stand. Das hat die Möglichkeiten begrenzt, den Kader zu gestalten – und einige Einkäufe und Pläne erfordert, die weniger gestanden und planungssicher waren. Zudem hat die aktuell ausgesetzte Transfersperre die Planungen nicht leichter gemacht.“

Wolf, Sauren und Wettich geben dann einen Ausblick, wohl wissend, dass der Klassenerhalt die Basis für alles künftige Handeln ist: „Im nächsten Sommer stehen dann weitere Einnahmen endlich wieder zur Verfügung, die zur Rettung des Vereins in den zurückliegenden Jahren vorgezogen wurden. Diese Schwelle müssen wir erreichen, um dann wieder mit vergrößerten Freiräumen handeln zu können. Natürlich ist es dafür von großer Wichtigkeit, dass der 1. FC Köln erstklassig bleibt. Das schaffen wir nur gemeinsam.“