Relegation gegen HSV?Schultz „hätte Bock drauf“ – so traf er Baumgart in Köln, darüber sprachen sie

FC-Trainer Timo Schultz am Donnerstag (21. März 2024) im Trainingslager in Algorfa/Spanien.

FC-Trainer Timo Schultz am Donnerstag (21. März 2024) im Trainingslager in Algorfa/Spanien.

Trainer Timo Schultz schwört den 1. FC Köln im Trainingslager auf den Endspurt in der Bundesliga ein. Im EXPRESS.de-Interview spricht er auch über ein mögliches Duell mit Vorgänger Steffen Baumgart.

von Uwe Bödeker (ubo)

Timo Schultz (46) lächelt eigentlich immer. Egal, welches Thema man anspricht – dem gebürtigen Ostfriesen ist die gute Laune kaum zu nehmen. Ein Optimist durch und durch.

Auch beim Interview-Termin mit EXPRESS.de im Trainingslager im spanischen Algorfa zeigte sich der Trainer unerschütterlich. Dabei ist die Lage mehr als brisant. Acht Spiele hat der FC noch vor der Brust. Es werden acht Endspiele, in denen die Kölner zum Siegen verdammt sind. Das Ziel ist klar: Rettung, egal wie. Zur Not auch über die Relegation. Und da könnte es gegen den Hamburger SV und Steffen Baumgart (52) gehen.

FC-Trainer Schultz im Interview über den Druck im Abstiegskampf

Was für ein episches Duell wäre das bitteschön!? Schultz gegen seinen Vorgänger, der in Köln Kult-Status erlangte und dem noch zahlreiche Fans hinterhertrauern. Doch auch diese mögliche Thriller-Konstellation treibt Schultz keine Angstschweißperlen auf die Stirn – ganz im Gegenteil! Das Algorfa-Interview mit FC-Trainer Timo Schultz:

Alles zum Thema Steffen Baumgart

Herr Schultz, ihr Optimismus ist trotz aller Rückschläge beeindruckend. Wie schaffen Sie das?

Timo Schultz: Ich spreche immer gerne von Zuversicht. Man kann natürlich alles schlecht reden und das raussuchen, was nicht läuft. Oder du fragst dich: Was können wir gut, wo sehe ich Entwicklungspotenzial? Und da stürzt du dich dann rein.

Die Rettung des 1. FC Köln ist also für Sie kein Himmelfahrtskommando?

Schultz: Vom ersten Tag an wusste ich, dass es bis zum letzten Spieltag darum geht, mindestens über dem ersten Strich, heißt auf dem Relegationsplatz, zu stehen. Und wenn es sehr, sehr gut läuft vielleicht direkt die Klasse zu halten. Diese Ausgangslage hat sich nicht verändert.

Sind Sie denn zufrieden mit der Bilanz bisher?

Schultz: Bis zur Länderspielpause hatten wir ein sehr schweres Programm, da wollten wir alles einsammeln, was irgendwie geht. Das haben wir ganz okay gemacht. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass es mehr ist. Vor allem die drei Punkte gegen Bremen tun weh, die wären mit einer guten Leistung möglich gewesen.

EXPRESS-Redakteur Uwe Bödeker am Donnerstag (21. März 2024) im Interview mit FC-Trainer Timo Schultz.

EXPRESS-Redakteur Uwe Bödeker am Donnerstag (21. März 2024) im Interview mit FC-Trainer Timo Schultz.

Jetzt stehen nur noch acht Spiele auf dem Programm – mit Pflichtaufgaben...

Schultz: Wir wissen natürlich, dass jetzt die Spiele kommen, die wir gewinnen müssen. Die Ausgangslage hat sich da grundsätzlich schon geändert, aber ich sehe das weiter optimistisch. Weil die Mannschaft arbeitet, weil wir Schritte nach vorne gemacht haben, zwar kleine Schritte, aber wir haben uns entwickelt.

Zieht die Mannschaft mit?

Schultz: In einigen Bereichen hätte ich mir gewünscht, dass es noch schneller vorwärtsgeht, aber die Jungs sind jeden Tag am Anschlag, lassen in jedem Spiel ihr Herz auf dem Platz. Wir laufen 125 Kilometer und mehr pro Spiel, machen bis zu 300 Sprints. Wenn die Mannschaft nicht wollen würde, gespalten oder nicht fit genug wäre – dann hätten wir wirklich ein Problem. Aber das ist nicht der Fall. Wir haben eine total intakte Gruppe, die Bock hat, zu trainieren und zu spielen und die gemeinsam etwas erreichen will. Die Spieler haben alle das Herz am rechten Fleck. Und wir haben auch Qualität im Kader.

Sind hier im Trainingslager denn alle brav und gehen zeitig ins Bett?

Schultz: Ja, denn es ist anstrengend. Man kommt aus acht Grad Nieselregen und trainiert dann hier bei 26 Grad zweimal am Tag. Beim Abendbrot war es dann schon ruhig. Aber an einem freien Nachmittag sollen die Jungs auch mal zusammen rausgehen, zum Beispiel auf den Golfplatz ein paar Bälle schlagen. Gemeinsame Zeit schweißt zusammen, das ist auch Teambuilding.

Worauf kommt es jetzt an in den kommenden Wochen?

Schultz: Bis auf Leipzig hätten wir jedes Spiel gewinnen können, das haben wir aber nicht gemacht. Jetzt müssen wir alle, auch im Trainerteam, unsere Denkweise verändern. Wir können nicht mehr sagen, dass es reicht Pünktchen für Pünktchen einzusammeln. Wir müssen jetzt Spiele gewinnen, wenn es geht drei oder vier am Stück. Das kann ich als Trainer mittelbar beeinflussen durch Aufstellung, Einstellung und offensiveres Wechseln. Auch im Training fordere ich mehr ein: schneller spielen, mehr ins Risiko gehen. Wir kennen unsere Themen und wissen, woran wir arbeiten müssen. Deswegen kann uns die Situation, in der wir aktuell stecken, in keiner Weise überraschen. Es stehen entscheidende Spiele an – mit dem wahrscheinlichen Höhepunkt in Mainz.

Sollte es in die Relegation gehen, könnten Sie auf Steffen Baumgart und den Hamburger SV treffen. Haben Sie mit ihm eigentlich Kontakt gehabt, nachdem Sie von ihm in Köln übernommen haben?

Schultz: Wir hatten tatsächlich Kontakt, seitdem ich hier in Köln bin. Wir haben uns zweimal zufällig getroffen in Köln, haben auch Nachrichten ausgetauscht. Wir haben aber nicht über sportliche Themen gesprochen, es war eher ein gegenseitiges Beglückwünschen.

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Wie würden Sie in eine Relegation gegen Baumgart reingehen?

Schultz: Wenn wir die Relegation schaffen, freue ich mich natürlich. Das wäre eine Situation, die es so noch nie gegeben hat. Die Spiele müssten wahrscheinlich nach hinten verschoben werden, damit alle Geschichten, die es zu diesem Duell geben könnte, geschrieben werden können. Das wäre eine Extremsituation, sowohl für Steffen und den HSV als auch für mich und den FC. Aber ich hätte Bock drauf, das wäre ja schon eine coole Situation. Relegation ist sowieso schon extrem, dann wäre sie noch extremer.

Wie behält man die Leichtigkeit, wenn es jetzt in acht Endspiele geht?

Schultz: Das ist ein gutes Thema, eine gute Frage. Wir müssen uns dem Ernst der Situation bewusst sein. Ich glaube auch, dass jeder zu hundert Prozent fokussiert sein muss. Alles andere im privaten oder sportlichen Bereich muss man beiseiteschieben, um jedes Training und jedes Spiel voll da zu sein. Trotzdem muss man den Spagat hinbekommen und auch mal abschalten. Immer nur am Anschlag funktioniert auch nicht. Hier ein gesundes Mittel zu finden, liegt auch an uns im Trainerteam.