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FC-KommentarZu früh für Euphorie: Wagner-Debüt ein Abbild der Saison

René Wagner dirigiert beim Spiel in Frankfurt an der Seitenlinie.

Copyright: IMAGO/HMB-Media

René Wagner feierte in Frankfurt seine Premiere als Cheftrainer des 1. FC Köln. 

René Wagner hat beim 1. FC Köln das Zepter von Lukas Kwasniok übernommen. In Frankfurt feierte er seine Premiere und einen Punkt für die Moral. Für Euphorie ist es nach dem Spiel aber noch zu früh.

Der 1. FC Köln hat nach enttäuschenden Ergebnissen in den letzten Monaten die Reißleine gezogen und Trainer Lukas Kwasniok nach dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach vor die Tür gesetzt.

Sein bisheriger Co-Trainer René Wagner wurde zum Chef befördert und steht nun erstmals in seiner jungen Karriere als Hauptverantwortlicher an der Seitenlinie. In Frankfurt feierte er eine spektakuläre Premiere mit einigen Auf und Abs. Am Ende stand ein Punkt zu Buche und die Frage: Wie ist dieser zu bewerten? Ein Kommentar.

FC belohnte sich in Frankfurt mal wieder nicht selbst

Man stelle sich vor, man hätte die Zeit zwischen dem Derby gegen Gladbach und dem Spiel in Frankfurt ohne Internet und Kontakt zur Außenwelt auf einer einsamen Insel verbracht. Dann hätte man sich als FC-Fan das Spiel bei der Eintracht angeschaut und erst hinterher hätte einem jemand gesagt: „Ach übrigens, wir haben heute mit einem neuen Trainer gespielt.“

Die Überraschung wäre vermutlich groß gewesen, denn eigentlich war alles wie immer. Der FC geriet wie zuletzt fast immer in Rückstand, spielte insgesamt gut mit, hielt dagegen, erspielte sich riesige Chancen, hatte aber wieder einmal nicht das nötige Spielglück. Am Ende halfen wie so oft die Joker und die brutale Moral der Truppe, um wenigstens einen Punkt zu holen.

Erneut stand man hinterher zusammen und diskutierte: „Was wäre gewesen, wenn Ache den Ball nach 30 Sekunden reingemacht hätte? Wie wäre das Spiel ausgegangen, wenn Kaminski den blitzsauberen Konter erfolgreich zu Ende gebracht hätte?“

Von diesen „Hätte-wäre-wenn“-Szenarien konnte in dieser Saison vor allem einer ein Lied singen: Lukas Kwasniok. Was wird der entlassene Trainer vergebenen Chancen und falschen VAR-Entscheidungen hinterhertrauern und mit Spielpech (Schwäbes Ausrutscher gegen Pauli) hadern? Auch unter ihm fehlte oft nicht viel, um (mehr) Zählbares zu holen.

Daher war das Spiel in Frankfurt ein komplettes Abbild der Saison: Alles gegeben, alles versucht, Moral gezeigt, aber am Ende wieder keinen Sieg geholt. Jetzt könnte man sagen: Ja, aber es war ja immerhin Eintracht Frankfurt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass jene glorreiche Eintracht der vergangenen Jahre diese Saison nur ein trister Schatten ihrer selbst ist.

Keine Frage: Der Punkt könnte am Ende Gold wert sein im Kampf um den Klassenerhalt, echte Euphorie und Aufbruchstimmung darf aber nur aufkommen, wenn man die nächsten beiden Endspiele gegen Bremen und Pauli gewinnt. Egal wie, ohne Ausreden! Denn Torschütze Kaminski brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Wir haben zu wenig Punkte. Das sage ich auch so in der Kabine.“ Gegen Werder MUSS ein Dreier her – auch für Wagner.

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