Das Rheinderby elektrisiert die Massen! Doch dieses Mal ist alles anders. Die Polizei verfolgt einen neuen Plan und übergibt die Verantwortung an die Anhänger.
Derby-Kracher in KölnNeue Taktik der Polizei – Fans jetzt in der Pflicht

Copyright: Herbert Bucco
Fans des 1. FC Köln im Rhein-Energie-Stadion im Derby gegen Borussia Mönchengladbach
In Müngersdorf steigt am Sonntag (15.30 Uhr) das wohl brisanteste Bundesliga-Duell: Der 1. FC Köln trifft auf Borussia Mönchengladbach. Bei diesem Rheinderby geht es aber um weit mehr als nur den Sieg.
Und: Die Begegnung dient als erster Härtetest für ein komplett neues Sicherheitskonzept, das unter der Flagge der im Juli neu aufgestellten „Stadionallianz NRW“ erprobt wird!
Weniger Polizei im Stadion – „Anpfiff für die Anhänger“
Erstmals wendet die Polizei in Köln diese neue Vorgehensweise an. Entwickelt wurde sie gemeinsam vom Innenministerium in NRW, den Klubs der obersten drei Spielklassen und den Polizeibehörden von Bund und Land.
Im Zentrum steht: Die Vereine erhalten mehr Eigenverantwortung, die Aufgabenbereiche sind eindeutiger geregelt und die Abstimmung erfolgt zeitiger. Das berichtet „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Was heißt das genau? Die Verantwortung für die Sicherheit im Rhein-Energie-Stadion liegt zukünftig primär beim Klub. Hauseigene Ordner sowie Beauftragte für Fans und Sicherheit sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Die Einsatzkräfte agieren zurückhaltender und fokussieren sich auf die Abwehr von Gefahren und die Ahndung von Gesetzesverstößen.
Mareike de Valck, die Einsatzleiterin, fasst es zusammen: „Wir treten bei Fußballspielen als Polizei mehr in den Hintergrund. Jetzt liegt der Ball sprichwörtlich im Feld der Fußballanhänger.“
Am Tag des Spiels werden die Beamten hauptsächlich die Routen zur An- und Abreise und bekannte Sammelpunkte der Anhängerschaften beobachten. Die klare Botschaft lautet jedoch, dass bei Krawallen oder Delikten entschieden eingeschritten wird.
Der 1. FC Köln bewertet die neue Ausrichtung positiv. Von einem „Vertrauensvorschuss, den wir als 1. FC Köln befürworten und dem wir verantwortungsvoll gerecht werden wollen“, spricht Geschäftsführer Philipp Türoff.
Reul sagt Pyro und Kosten den Kampf an
Die neue Taktik geht auch auf die strikte Haltung von Herbert Reul (CDU), dem Innenminister von NRW, zurück. Er verlangt von den Klubs, konsequenter gegen den Einsatz von Feuerwerkskörpern vorzugehen. Schon im Juli stellte er klar: „Wer zündelt, ist kein Fan, sondern begeht eine Straftat“.
Ein zusätzlicher Aspekt ist der gewaltige finanzielle Aufwand: Für Fußballeinsätze leistete die Polizei in der Spielzeit 2024/25 etwa 460.000 Arbeitsstunden. Das sind umgerechnet 350 Vollzeit-Jobs.
Bereits im Vorfeld der Partie am Sonntag gab es erste Konsequenzen. Gegen acht Anhänger aus Köln und drei Fans aus Gladbach verhängten die Behörden Verbote, bestimmte Bereiche zu betreten oder sich dort aufzuhalten. Darüber hinaus bekamen 50 weitere FC-Anhänger eine sogenannte Gefährderansprache, was einer deutlichen Ermahnung gleichkommt. (red)

