Deutsche und niederländische Behörden sind in einer großangelegten Razzia gegen ein international agierendes, mutmaßliches Geldwäschenetzwerk vorgegangen.
Großangelegte RazziaEs geht um Geldwäsche und Goldschmuggel – auch Kölner Juweliere im Visier

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Vermummte Polizisten verlassen bei einem Einsatz ein Gebäude mit sichergestellten Gegenständen. (Symbolfoto)
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Es geht um Geldwäsche und Goldschmuggel: Bei einer großangelegten Razzia sind deutsche und niederländische Behörden am Mittwoch (7. Oktober) gegen ein international agierendes, mutmaßliches Geldwäschenetzwerk vorgegangen.
Durchsucht wurden rund 40 Objekte in mehreren Bundesländern. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen, mehrere Fahrzeuge, Gold sowie ein hoher fünfstelliger Eurobetrag sichergestellt. Auch in Köln rückten die Ermittler an.
Ermittlung nach Zufallsfund
Durchsucht wurden 40 Wohn- und Geschäftsräume unter anderem in Köln, Wuppertal, Leverkusen, Gelsenkirchen, Viersen, Berlin sowie im niederländischen Friesland. Vor allem sollen Juweliergeschäfte durchsucht worden sein. Zeitgleich fand in diesem Zusammenhang eine Durchsuchung in der Nähe von Rotterdam statt. Es waren 450 Ermittler von Polizei und Zoll im Einsatz.
Dies teilten die Staatsanwaltschaft Köln, das Polizeipräsidium Niederbayern, das Polizeipräsidium Köln, die Staatsanwaltschaft Rotterdam und die Seaport Police Rotterdam (NL) mit. Unterstützung gab es von Europol.
Ausgangspunkt der Ermittlungen durch die Kriminalpolizeiinspektion Niederbayern war ein zufälliger Gold- und Bargeldfund auf der Autobahn 3 bei Daggendorf Ende Oktober 2023. Bei der Kontrolle eines Fahrzeugs fanden die Fahnder über 55 Kilogramm Gold und knapp eine halbe Million Euro Bargeld. Gold und Bargeld waren in dem eigens dafür präparierten Fahrzeug aus dem Raum Dortmund versteckt.
Sowohl gegen den damals 60-jährigen türkischen Fahrer als auch gegen seine damals 42-jährige türkische Mitfahrerin erging auf Antrag der Staatsanwaltschaft Regensburg Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts der Geldwäsche. Gold und Bargeld im Wert von über vier Millionen Euro wurden eingezogen.
Fünf Kilo Goldschmuck in Köln sichergestellt
Im Zuge der weiteren Ermittlungen geriet eine überwiegend türkischstämmige Tätergruppierung mit Bezügen ins Ausland in den Fokus. Im Februar 2026 konnten bei Personen der im Verdacht stehenden Tätergruppierung in Köln über fünf Kilogramm Goldschmuck durch das Zollfahndungsamt Essen sichergestellt werden.
Die Ermittlungen verdichteten sich in Richtung Nordrhein-Westfalen, weshalb die Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen im Gesamtkomplex übernahm. Mehrere türkischstämmige Männer im Alter von 43 bis 59 Jahren stehen im Fokus. Ihnen wird vorgeworfen, sich zu einer arbeitsteilig agierenden Gruppe zusammengeschlossen zu haben, um fortgesetzt Geldwäsche- und Schmuggelstraftaten zu begehen.
Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen soll die Gruppierung Geldwäschehandlungen als Dienstleistung für Dritte angeboten (auch bezeichnet als „Crime-as-a-Service“) und dabei jährlich aus Straftaten stammendes Bargeld in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags verschleiert und unter Umgehung staatlicher Kontrollen in die Türkei transferiert haben.
Das Geld soll aus Drogengeschäften stammen. Es soll sich um unterschiedliche Auftraggeber gehandelt haben. Das Bargeld soll unter anderem zum Ankauf von Alt- und Schrottgold bei involvierten Juwelieren verwendet worden sein. Dabei bediente sich die Gruppierung nach bisherigen Erkenntnissen einer Vielzahl von Juwelieren mit einem Schwerpunkt in Köln und Nordrhein-Westfalen. Die Durchsuchungen am Mittwoch betrafen unter anderem Juweliere in Köln, Düsseldorf, Leverkusen, Wuppertal, Viersen und Berlin. Das Gold soll anschließend gemeinsam mit weiterem Schmuck gezielt eingeschmolzen und zu Schmelzgoldbarren verarbeitet worden sein.
Goldschmuggel aus der Türkei soll Millionenwert haben
Diese Schmelzgoldbarren sollen auf verschiedenen Wegen von Deutschland in die Türkei gebracht worden sein. Bei dem Transport auf dem Landweg wurden dabei speziell präparierte Fahrzeuge verwendet. Im Zentrum dieser Aktivitäten steht ein 45‑jähriger Tatverdächtiger, der in Übach-Palenberg (Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen) einen Gewerbebetrieb führt.
In der Türkei wurden die Schmelzgoldbarren weiterverarbeitet oder zum Ankauf hochwertigen Goldschmucks verwendet. Zudem soll ein Teil des in der Türkei erworbenen Goldschmucks oder der aufbereiteten Goldbarren anschließend unter Umgehung des Zolls wieder nach Deutschland gebracht und den tatbeteiligten Juwelieren für deren finanzielle Auslagen übergeben worden sein.
Über einen Zeitraum von sechs Jahren wurde Gold in die Türkei gebracht. Die Menge beträgt nach derzeitigen Erkennnissen eine Tonne bis zu vier Tonnen mit einem ungefähren Wert von insgesamt 55 Millionen bis 210 Millionen Euro.
Drei Personen in NRW festgenommen
Am Mittwoch wurden Bargeld im hohen fünfstelligen Eurobereich sowie etwa 800 Gramm Schmelzgold, eine Schmuggelweste und ein Schmuggelgurt, in denen mutmaßlich Gold transportiert wurde, sowie insgesamt zwölf Fahrzeuge und ein Motorrad sichergestellt. Bei zwei der Fahrzeuge wurden professionell verbaute Schmuggelverstecke festgestellt.
Zudem wurden drei Haftbefehle vollstreckt. Es handelt sich um einen 46-jährigen türkischen Staatsangehörigen aus dem Raum Wuppertal, einen 45-jährigen türkischen Staatsangehörigen aus Übach-Palenberg sowie einen 43-jährigen türkischen Staatsangehörigen aus dem Raum Remscheid. Im Verfahrenskomplex wird gegen insgesamt 24 Beschuldigte ermittelt. (cme)
