Leistung und Teamgeist gehen für FC-Trainer Wagner vor – doch Saids Bruder Malek darf auf sein Debüt hoffen.
Said El Mala tröstet seinen BruderWarum Malek noch aufs FC-Debüt warten muss
Ohrenbetäubend laut hallte das „El-Mala-Lied“ durchs Stadion. Die Fans des 1. FC Köln sangen es nach der Melodie des 80er-Jahre-Klassikers „Give It Up“, als Said El Mala am Dienstagabend gegen Union Berlin nach 82 Minuten in seinen verdienten Feierabend ging.
Der Youngster spazierte vor der Südkurve entlang, klatschte in die Hände – und genoss es einfach. Mit einem Doppelpack, seinem ersten im FC-Trikot, hatte der Jungstar die Kölner beim 5:0 gegen Union ins Achtelfinale des DFB-Pokals geführt.
Said El Mala tröstet seinen älteren Bruder
Erst die beste Saisonleistung, dann eine Gänsehaut-Szene und schließlich Trost für Bruder Malek. Über das Gespräch mit ihm verriet Said El Mala: „Ich habe ihm gesagt, dass es nichts Geileres als Erlebnisse wie heute gibt.“
Der Abend war der Lohn für eine furiose Vorstellung und der vorläufige Höhepunkt der Fanliebe, die ihm entgegenschlägt. „Ich hatte Gänsehaut“, gab er zu. „Weil das nicht normal ist, wie die Fans da hinter einem Spieler stehen.“
Perfekt gemacht hätte den Abend für Said El Mala wohl nur noch eines: das Debüt seines Bruders Malek. Zum zweiten Mal saß der 21-Jährige im Profikader des FC – und wurde wie schon gegen Schalke nicht eingewechselt. Statt für den Märchenmoment entschied sich Trainer René Wagner dafür, andere Spieler mit Einsatzzeit zu belohnen.
„Ich habe ihn ein bisschen aufgemuntert, dass er nicht reinkam“, erzählte Said. Seine Botschaft als jüngerer Bruder: „Es geht weiter, das weiß er auch.“ Knüpft Malek an seine letzten Leistungen in der Regionalliga und im Profi-Training an, ist ein gemeinsamer Auftritt der beiden bei den Profis nur eine Frage der Zeit.
Dass beide El-Mala-Brüder wie schon gegen Schalke zum Kader gehörten, lag an der angespannten Lage im Sturm: Ragnar Ache (Oberschenkel) und Thijs Dallinga (Kreuzbandriss) fallen weiter aus. Diesmal durfte Said zum ersten Mal mit seinem ein Jahr älteren Bruder Malek jubeln. Wie viel ihm das bedeutet? „Extrem viel.“
Die gemeinsame Köln-Premiere auf dem Platz blieb den beiden allerdings verwehrt. Fünfmal wechselte FC-Trainer René Wagner: Sebastian Sebulonsen, Jan Thielmann, Isak Johannesson, Gideon Mensah und der junge Reigan Heskey kamen rein. Malek blieb auf der Bank.

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Malek El Mala durfte nur beim Jubeln nach dem Spiel aufs Feld.
Nach Abpfiff war deshalb der kleine Bruder als Tröster gefragt. „Ich habe ihn ein bisschen aufgemuntert, weil er nicht reinkam. Ich habe gesagt: ,Es geht weiter.‘ Und das weiß er auch. Er weiß es zu schätzen, dass er dabei ist und genießt das sehr. Ich merke das. Wir reden viel und ich glaube, er freut sich heute genauso wie ich“, erklärte El Mala.
René Wagner entschied sich beim FC für andere Wechsel
Eine Frage bleibt aber offen: Wieso beruft Wagner Malek El Mala erneut in den Kader, um ihn dann selbst gegen einen geschlagenen Gegner, der sich quasi aufgegeben hatte, draußen zu lassen? Fehlt dem Trainer womöglich doch das Vertrauen in den 21-Jährigen? Oder vertraut er ausschließlich auf Analyse und Rationalität? Spätestens beim 4:0 in der 79. Minute, als Said noch auf dem Platz stand, hätte ein Wechsel kein Risiko bedeutet.
Die Brüder hätten eine FC-Geschichte schreiben können, die auch über Köln hinaus Aufsehen erregt hätte – die Fans hätten sie begeistert gefeiert. Und für Malek wäre schon ein kurzer Einsatz ein Schub fürs Selbstvertrauen gewesen.
Falsch waren die übrigen Wechsel zwar nicht: Sebulonsen und Johannesson trafen sogar noch, und Reigan Heskey, dem später eine starke Torvorlage gelang, wird daraus neuen Mut schöpfen. Doch ausgerechnet der emotionalste Wechsel fehlte: Malek El Mala blieb draußen.
Warum er noch auf ihn verzichtete, erklärte Wagner auf Anfrage unserer Redaktion: „Malek ist jetzt glücklicherweise seit vier Wochen verletzungsfrei und hat zuletzt sehr hart an sich gearbeitet. Er gibt bei uns im Training immer Gas und ist wie Said ein Junge, der total fokussiert und ganz klar im Kopf ist. Malek hat sich den Kaderplatz verdient – und das ganz sicher nicht nur, weil wir damit vielleicht eine tolle Brüder-Geschichte schreiben können. Malek klopft immer stärker an. Bei uns wird keinem Spieler ein Einsatz geschenkt, jeder muss ihn sich verdienen.“
Leistungsgedanke, Teamhygiene und Teamgeist – das steht für Wagner ganz oben. Der Coach führte das genauer aus: „Gegen Union zum Beispiel hatte sich Gideon Mensah aufgrund seiner Leistungen seinen Einsatz noch ein Ticken mehr verdient. Er hat im Prinzip unverschuldet seinen Platz an Borna Sosa verloren, sich aber in keiner Weise hängen lassen. Man darf bei Malek auch nicht vergessen, dass er noch am Anfang seiner Karriere steht. Macht er so weiter, dann wird seine Zeit ganz sicher kommen. Vielleicht schon in Kürze.“
Bis zur gemeinsamen Profi-Premiere müssen sich die Brüder also noch gedulden. Der klassische Mittelstürmer Malek lief bislang ausschließlich für die U21 des FC in der Regionalliga auf, wo er mit fünf Treffern in elf Partien auf sich aufmerksam machte.
Die fast unzertrennlichen Brüder, die in Köln in einer WG leben, besitzen beide Verträge bis 2031 und betraten vor den Partien gegen Schalke und Union bereits gemeinsam den Platz.
Die nächste Gelegenheit auf das Brüder-Debüt winkt am Sonntag (15.30 Uhr) in der Bundesliga in Berlin: Nach Informationen unserer Redaktion kommt die Partie für Ache noch zu früh, sodass Malek El Mala zum dritten Mal nacheinander im Aufgebot steht. (red)

