Sponsoren-Deal beim KEC Haie-Boss Walter über Partner, Transfers & Corona-Krise

Walter-Pauling-Eis

Haie-Geschäftsführer Philipp Walter (l.) und Ingo Pauling von sportwetten.de versuchen sich auf dem Eis (Foto vom 4. Mai 2021).

Köln – Sportlich lief es in den vergangenen beiden Jahren bei den Kölner Haien nicht rund. Der KEC verpasste zweimal die schönste Eishockeyzeit des Jahres – die Playoffs fanden ohne den Traditionsverein statt. Trotz der fehlenden Siege und Punkte auf dem Eis hat die Marke „KEC“ bisher aber offenbar noch nicht gelitten.

  • Kölner Haie freuen sich trotz enttäuschender DEL-Saison über Sponsoren-Treue
  • KEC geht optimistisch in die kommende Spielzeit in der DEL
  • Haie-Geschäftsführer Philipp Walter im Interview

Sponsoren, Fans und Gesellschafter bleiben treu, viele Partner haben bereits trotz Corona die Zusage gegeben, ihre Verträge zu verlängern. Im Interview am 15. Mai sprachen Haie-Geschäftsführer Philipp Walter (46) und Ingo Pauling (54), Direktor von Sportwetten.de, über Ziele des Vereins und Visionen für eine erfolgreiche Zukunft des Kölner Eishockeys.

Kölner Haie verlängern Sponsorenvertrag mit Sportwetten.de

Das Unternehmen, aus dem Hause der in Düsseldorf ansässigen Pferdewetten.de AG, welches als einer der wenigen in Deutschland tätigen Sportwettenanbieter auch eine deutsche Sportwettlizenz besitzt, hat die langjährige Partnerschaft als Premiumsponsor über die Saison 2020/21 hinaus verlängert.

Warum investiert ein Unternehmen wie www.sportwetten.de ins Business Eishockey?

Pauling: „Für uns ist faszinierend, welch große Fanbase mit Liebe und Leidenschaft dem Eishockey verbunden ist. Natürlich spielt der Fußball auch in unserem Geschäft eine wichtige, manchmal überwältigende Rolle. Ob bewusst oder unbewusst, so neigt der Fußball, speziell die großen Ligen und Vereine, ich nenne nur einmal die Super-League-Idee oder Champions-League-Reform, manchmal ein wenig zum Autismus und drängt so andere, ebenfalls beliebte Sportarten an den Rand. Wir, bei sportwetten.de, lieben wie viele hier in Köln und deutschlandweit das Eishockey.

Trotzdem ist es natürlich brisant, wenn ein Düsseldorfer Unternehmen in die Kölner Haie investiert anstatt in die DEG!

Pauling: Zugegeben; die Stadt Düsseldorf war zu Beginn, in 2018, auch nicht sonderlich erfreut darüber. Unsere Aufgabe war und ist es jedoch, die für uns und unsere Kunden attraktivste Partnerschaft zu finden und zu leben. Bayern München hat ja zum Beispiel auch eine Kooperation mit Audi und nicht mit BMW. Die Münchener werden wissen, warum. Und das heißt ja nicht, dass BMW nicht auch coole Autos baut.

Wie wichtig ist es aus Sicht des Vereins, dass sich in dieser schweren Phase Partner und Sponsoren zu der Marke Kölner Haie bekennen?

Walter: Das ist für uns total wichtig. Die Partnerschaft ist über viele Jahre gewachsen. Das klassische Wort des Sponsorings mögen wir eigentlich gar nicht so gerne, weil wir es als Partnerschaft leben wollen.

Walter-Pauling-Wand

Haie-Geschäftsführer Philipp Walter und Ingo Pauling von sportwetten.de vor dem Plakat, das das Winter Game 2019 zeigt.

Wie viel Gewicht hat der sportliche Erfolg für eine Vertragsverlängerung?

Pauling: Wir haben in den vergangenen beiden Jahren natürlich mitgelitten. Aber die sportliche Situation hat mit der Partnerschaft nichts zu tun. So sehen und empfinden wir das nicht. Wir wollen da keinen Druck aufbauen. Wir glauben an die Kölner Haie, an Philipp und sein Team. Wir wollen als Unternehmen mit dem KEC wachsen, da steht der sportliche Erfolg nicht an erster Stelle für unsere Zusammenarbeit. Siege ärgern uns aber natürlich auch nicht.

Kölner Haie: Philipp Walter: Machen uns Druck selber

Walter: Wir machen uns den Druck selbst. Nach dem komplizierten Jahr, was Kaderplanung und Finanzen angeht, wollen wir die Weichen stellen, um sportlich erfolgreicher zu sein. Das ist natürlich unser Anspruch.

Mussten die Haie in den vergangenen beiden Jahren einen Imageverlust hinnehmen?

Walter: Das nehme ich nicht so wahr. In vielen Bereichen haben wir viele gute Entscheidungen getroffen und viele Dinge in die richtige Bahn geleitet, um Vertrauen zu gewinnen und zu erhalten. Die Immer-Wigger-Aktion war ein Spiegelbild dessen, wie groß die Identifikation von allen Seiten – von Fans, Sponsoren, Partnern, Gesellschaftern, Spielern und den Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle ist. Die Stärke des KEC ist meiner Meinung nach ungebrochen. Jedoch nährt sich diese am Ende durch den sportlichen Erfolg. Und den wollen wir in der kommenden Saison wieder herbeiführen.

Haie-Nürnberg

Die Spieler der Kölner Haie hatten in der letzten Saison nur selten etwas zu feiern. Hier jubeln die Kölner über ein Tor gegen Nürnberg am 25. März 2021.

Wie will der KEC dieses Ziel erreichen?

Walter: Wir haben natürlich alles sehr genau analysiert. Wir haben einige Stellschrauben gefunden, die eine ist kleiner, die andere etwas größer. Eine große Baustelle war sicher, dass wir defensiv nicht stabil genug waren. Mit Uwe Krupp an der Spitze im sportlichen Bereich stellen wir uns neu auf, sowohl im Staff als auch im Spielerbereich. Aber es gilt nicht nur kurzfristig einen Kader zusammenzubauen, sondern langfristig Visionen zu haben, um als Kölner Haie auf Strecke wieder in Bereiche vorzustoßen, in denen wir zuletzt nicht waren.

Unter anderem Maximilian Kammerer kommt zu den Haien. Wie ist der Stand beim Kader?

Walter: Aufgrund des aktuell noch schwer zu planenden Etats muss man eine Risikoabwägung machen. Gehst du bei einem Spieler schon so weit, wo man ihn im Budget einbaut, obwohl die Etatlage noch sehr weich ist. Oder nimmst du ihn direkt unter Vertrag. Uwe Krupp hat den Auftrag, sich so aufzustellen, dass er sportlich die Weichen stellen kann. Vom Budget her müssen wir das dann abwägen. Kammerer war nach dem Abgang von Frederik Tiffels ein wichtiger Baustein.

Wird Corona den KEC über Jahre nach hinten geworfen haben oder wird nach ein wenig Rückkehr in die Normalität mit Fans in den Hallen alles wieder akzeptabel?

Walter: Das ist eine spannende Frage. Corona hat uns extrem ausgebremst. Das muss man deutlich sagen. Die Fallhöhe war bei uns mit der Arena und unserem Zuschauerpotenzial weitaus höher als bei anderen Vereinen. Vor der Corona-Saison hatten wir einen Vereinsrekord aufgestellt mit 13.333 Besuchern pro Spiel in der Lanxess-Arena. Das gab es noch nie in Deutschland. Das wird Wegstrecke brauchen, um das aufzuholen. Natürlich ist ein entscheidender Hebel, wann es uns erlaubt sein wird, wieder Fans in die Halle zu lassen. Das ist wirtschaftlich und emotional sehr wichtig. Die Spiele in der Halle waren freudlos und witzlos ohne Fans. Die Konzepte sind da und sind abgenommen.

Gibt es schon Absprachen in der DEL, dass Menschen wieder in die Arenen dürfen, wenn sie geimpft sind?

Walter: Wir sind mit der Liga und den anderen Klubs in einem ständigen Prozess und Austausch. Anfang Mai sind wir nicht an der Stelle, um sagen zu können, wie der Weg sein wird. Das wird sich hoffentlich in den kommenden Wochen herauskristallisieren. Entscheidend ist, dass wir als DEL und Klubs flexibel sind. Die Flexibilität braucht es auch weiterhin.

Pauling: Für uns sind die Coronazeit und die damit einhergehenden Herausforderungen für die Kölner Haie eine Herzensangelegenheit. Der Verein ist noch näher an uns herangerückt. Wir haben gesehen, wie zum Beispiel Spieler auf bis zu 60 Prozent ihrer Gehälter verzichtet haben. Wenn man das auf andere Sportarten überträgt, wo zigmal oder hundertmal mehr verdient wird, die Vereine aber „betteln“ mussten, damit auf zehn bis 15 Prozent verzichtet wird, ist das schon ein sehr starkes Zeichen. Wenn man sieht, wie der KEC den riesigen Eishockey-Bulldozer durch die Krise manövriert, sind die Haie uns noch näher als vorher. Für uns als Partner, die wir ja auch Fans sind, die wir ja auch alle in unserem täglichen Leben von dieser Krise betroffen sind, ist das ein wichtiger Aspekt.

Wird der Etat für Spieler denn zur neuen Spielzeit erhöht werden können?

Walter: Am Ende müssen wir wegen Corona bei der Erstellung der Lizenzunterlagen mehrere Szenarien berücksichtigen. Grundsätzlich wollen wir in der Lage sein, die Playoffs anzugreifen. Davon bin ich fest überzeugt. Die verschiedenen Säulen wie Partner, Merchandising, Kartenverkäufe müssen wir genau im Blick halten und in den kommenden Wochen verfestigen, um das Budget immer stabiler werden lassen.

Haben die Sponsoren denn verlauten lassen, dass sie mit an Bord bleiben?

Walter: Sportwetten.de ist da ein tolles Beispiel, wie stark uns unsere Partner unterstützen. Das spüren wir an vielen Stellen. Wir sind überzeugt, dass wir unseren Pool an Partnern zusammenhalten können. Wir haben 120 Partner, aber im vergangenen Jahr hat kein Unternehmen gesagt, dass es nicht weiter mit uns arbeiten will. Das macht uns ein wenig stolz. Mit den Fans sind wir in enger Kommunikation. Wir halten unsere Dauerkarten-Kunden per Newsletter alle vier Wochen auf dem Laufenden. Die Menschen bleiben bei der Stange. Das ist eine tolle Geschichte, denn wir erhalten an ganz vielen Stellen großen Zuspruch.

Kölner Haie wollen Weg mit eigenen Talenten weitergehen

Ein wichtiger Baustein war zuletzt der Einbau junger Talente in den DEL-Kader. Wird das auch im kommenden Jahr ein Weg sein, den der KEC gehen möchte?

Walter: Wir haben in der Vorsaison zehn U23-Spieler eingesetzt. Das waren die meisten in der Liga, auch gemessen an der Eiszeit. Wir wollen den Weg weitergehen. Am Ende geht es auch darum, Entscheidungen zu treffen, ob ein junger Spieler uns auf Dauer weiterhelfen kann. Jugendförderung darf im Profisport kein Selbstzweck sein, sondern es muss ein Plan dahinterstehen.

Pauling: Natürlich liegt uns die Förderung des Nachwuchses am Herzen. Aber wenn es direkt um unser Unternehmen sportwetten.de geht, um unsere Profession, unseren Anspruch, also das Anbieten eines hervorragenden Wetterlebnisses, tragen wir in Bezug auf Spieler- und Jugendschutz eine große Verantwortung, der wir gerecht werden wollen und müssen. Jugendliche unter 18 Jahren sind dann komplett außen vor. Der KEC als Verein kann aber selbstverständlich und hoffentlich von einer guten Jugendarbeit profitieren und den sportlichen Erfolg fördern.

Wie sieht es mit dem Hallenprojekt in Stammheim aus? Es wäre für die Junghaie ein wichtiger Baustein, um mehr Eiszeiten zu bekommen.

Walter: Ein spannendes Projekt. Es gab eine Machbarkeitsstudie und wir sind im Austausch mit den Junghaien. Aber auch dort wurden aufgrund von Corona viele Sachen ausgebremst.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.