Als unangefochtener Tabellenführer fegen die Kölner Haie durch die DEL. Im großen EXPRESS.de-Interview hat Torjäger Tanner Kero über die Rekord-Serie und einen möglichen Titel gesprochen.
„Haben hohe Ansprüche“Haie-Torjäger Kero über DEL-Rekord und Titel
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Die Kölner Haie sind weiter auf Rekordjagd!
Nachdem die Truppe von Cheftrainer Kari Jalonen (66) mit dem 14. Sieg in Serie bereits den Vereinsrekord gebrochen hat, kann sie am Freitag (23. Januar 2026, 19.30 Uhr) bei den Schwenninger Wild Wings den DEL-Rekord der Adler Mannheim aus der Saison 2001/02 einstellen. Darüber und den großen Titeltraum spricht Torjäger Tanner Kero (33) im Interview.
Haie-Torjäger Tanner Kero im Interview
Sie sind mit ehrgeizigen Zielen zu den Haien gewechselt, aber mal Hand aufs Herz: Hätten Sie so einen Lauf für möglich gehalten?
Kero: „Wir hatten vor der Saison schon Ambitionen und wussten, dass wir einen sehr guten Kader und ein sehr gutes Trainerteam haben. Dass es so gut läuft und wir 14 Siege am Stück holen, ist vor der Saison nicht wirklich erwartbar, aber wir freuen uns sehr über diese Serie.“
Hatten Sie in Ihrer Karriere schon einmal so eine Siegesserie?
Kero: „Ich hatte ein paar in meiner Karriere, aber nicht annähernd eine, die so lang war wie die jetzige.“
Was sind die Gründe dafür, weshalb die Haie gerade unschlagbar sind?
Kero: „Wir sind natürlich sehr selbstbewusst und haben vor jedem Spiel hohe Ansprüche an uns selbst. Wir wissen, wie wir spielen wollen und aktuell wohl auch, was es braucht, um zu gewinnen. Jeder im Team trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Zuletzt hatten wir auch das Quäntchen Glück, was es braucht, um solch eine Serie aufzubauen, denn selbst nicht ganz so gute Spiele konnten wir für uns entscheiden. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, besser zu werden.“

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Tanner Kero zeigt sich bei den Kölner Haien als absoluter Familienmensch.
In Schwenningen könnt Ihr den DEL-Rekord von Mannheim aus der Saison 2001/02 einstellen. Von der Papierform her sollte das gelingen. Oder macht es diese Konstellation schwieriger, weil die Wild Wings natürlich diejenigen sein wollen, die euren Lauf stoppen?
Kero: „In der aktuellen Situation müssen wir davon ausgehen, dass jedes Team alles gegen uns hereinwirft. Es gibt keine einfachen Spiele und das wird in Schwenningen nicht anders. Die Wild Wings sind ein gutes Team, was gerade zuhause immer wieder starke Leistungen zeigt – es wird ein Kampfspiel werden und wir nutzen die aktuelle Woche im Training bereits, um uns auf genau dieses Spiel einzustellen.“
Machen euch Stabilität, Kadertiefe und Selbstvertrauen schon zu einem Favoriten für die Playoffs?
Kero: „Wir sind froh über die aktuelle Lage, gucken aber nicht in die Zukunft. Was zählt, ist das nächste Spiel. Im Eishockey heißt es immer so schön: „Game by game“, genau das beschreibt es gut.“
Wie sehr spüren Sie beim KEC die Sehnsucht nach dem ersten Meistertitel seit 2002?
Kero: „Man spürt definitiv eine Leidenschaft im, aber auch rund um das Team herum. Im vergangenen Jahr ist man Zweiter geworden, was wahrscheinlich auch die Erwartungen und die Sehnsucht nach dem nächsten Schritt haben größer werden lassen. Die Ziele sind hoch, klar. Die Erwartungen, aber besonders auch die Zuneigung helfen uns, diesen aktuell sehr besonderen Weg weiterzugehen.“
Tanner Kero: „Beeindruckt, wie viele gute Spieler es in der DEL gibt“
Für Sie persönlich läuft es auch: Neben zuverlässigen Assists konnten Sie auch entscheidende Tore beisteuern. Wie gefällt Ihnen das Spiel in Ihrer Reihe und generell unter Coach Jalonen?
Kero: „Es läuft aktuell sehr gut, das stimmt. Zu Beginn habe ich etwas gebraucht, um mich an die Abläufe und an das System zu gewöhnen. Es ist ja immer ein Prozess, eine neue Liga, neue Mannschaften und auch neue Reihenpartner kennenzulernen. Das Trainerteam hat mir sehr dabei geholfen. Ich bin sehr froh darüber, viel Eiszeit in der ersten Reihe zusammen mit Patrick (Russell) und Gregor (MacLeod) zu bekommen und zuletzt hat es häufiger „klick“ gemacht.“
Sie haben für die Chicago Blackhawks und Dallas Stars in der NHL gespielt. Was sind immer noch die größten Unterschiede zur DEL?
Kero: „Für die Zeit in der NHL bin ich sehr dankbar, das war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich habe in den Jahren neben sehr besonderen Spielern gestanden. Die NHL ist die beste Liga der Welt. Im Vorjahr habe ich meine erste Europa-Erfahrung in Schweden gemacht, bevor es meine Familie und mich nach Köln verschlagen hat. Ich muss sagen, dass es für mich schon eine sehr positive Überraschung war, wie gut das Eishockey hier in Europa ist. Es gibt größeres Eis, daher wird mehr geskatet und es gibt mehr Platz – ich bin beeindruckt davon, wie viele gute, vor allen Dingen technisch versierte Spieler es in der DEL gibt.“
Was macht den KEC einzigartig?
Kero: „Ich habe die meiste Zeit meiner Karriere in Nordamerika verbracht – letztes Jahr in Schweden habe ich schon gemerkt, wie besonders die Fanbase in Europa ist. Die Haie-Fans sind einzigartig, vielleicht sogar in Europa. In der Arena zu spielen, ist etwas sehr Spezielles und macht einfach großen Spaß. Es ist toll, Teil des Ganzen zu sein und so viel Unterstützung zu erfahren. Auch auswärts begleiten uns immer viele Fans, was ich bemerkenswert finde.“
Ist es angesichts der Erfolgsaussichten nicht traurig, dass Jalonen nach der Saison gehen wird?
Kero: „Es ist immer schade, wenn gute Leute einen Club verlassen – egal ob es Trainer oder auch Spieler sind. Das ist Teil des Sportgeschäfts, aber vielleicht auch der härteste Teil. Es ist häufig so, dass sich die Teams und die Zusammensetzung über einen Sommer ändern. Umso wichtiger ist es, das Hier und Jetzt zu genießen und die Zeit, die wir haben, zu nutzen, um die Saison in positiver Erinnerung zu behalten.“
Wie gefällt es Ihrer Familie in Köln?
Kero: Meine Familie und ich fühlen uns in Köln sehr wohl. Es ist nie einfach, mit der Familie eine komplett neue Umgebung in einem neuen Land kennenzulernen, aber Köln hat es uns sehr leicht gemacht. Die Stadt ist toll, die Leute sind sehr offen und nett. Wir haben uns schon im Sommer auf den Weihnachtsmarkt gefreut und wurden nicht enttäuscht – das war sehr besonders. Die Leute kommen von weit her, um das zu erleben und wir waren als Kölner mittendrin, statt nur dabei. Das werde ich nicht vergessen.

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Haie-Stürmer Tanner Kero mit seiner Frau Taylor und seinen Söhnen Maev, Oakes und Ouvi auf einer Eisbahn in Jönköping (Schweden).
Sie kommen aus Hancock, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Michigan, haben aber finnische Wurzeln, stimmt’s?
Kero: „Wir haben dort viele Menschen mit finnischen Wurzeln, so auch meine Frau und mich. Es gibt dort viele Saunen und unsere Partnerstadt kommt ebenfalls aus Finnland. Wir haben in den vergangenen Jahren immer mal finnische Wörter gelernt von unseren Eltern, die es wiederum von ihren Eltern hatten. Es reicht bei weitem aber nicht, um die Witze meiner finnischen Mitspieler zu verstehen (lacht).“
Haie-Profi Kero drückt auch Deutschland bei Olympia die Daumen
Haben Sie aus US-Zeiten Freunde, die auch in Europa spielen?
Kero: „Auf jeden Fall. Ein paar meiner Freunde und ehemaligen Teamkollegen spielen mittlerweile auch in Europa, was vor anderthalb Jahren ein wichtiger Grund war, warum meine Familie und ich hierhergekommen sind. Einige von ihnen spielen mittlerweile auch in der DEL, wie z.B. Riley Damiani und Anthony Louis aus Augsburg oder Riley Barber vom ERC Ingolstadt.“
Welches NHL-Spiel wird Ihnen ewig in Erinnerung bleiben?
Kero: „Das ist auf jeden Fall mein erstes NHL-Spiel, das werde ich nie vergessen. Das war absolut surreal, ich kann gar nicht sagen, ob ich es damals so richtig genießen konnte, weil es sich einfach sehr unwirklich anfühlte. Es war Ende Oktober 2015, ist also mittlerweile auch wieder zehn Jahre her. Wir haben mit Chicago in Winnipeg gespielt und leider verloren, aber das Adrenalin hatte ein Level, das ich so wahrscheinlich auch nicht kannte. Meine Eltern und auch meine Frau haben die Reise mitangetreten und uns vor Ort angefeuert. Ich weiß noch, dass ich in der Kabine gesessen habe und es nicht wirklich fassen konnte, dort mit NHL-Hall-of-Famern (wie Marian Hossa) zu sitzen.“
Bei den Blackhawks und Stars waren oder sind auch deutsche Spieler im Einsatz, Leon Draisaitl bricht bei den Oilers Rekorde. Wie gut ist Deutschland im Hinblick auf Olympia aufgestellt und welche Chancen haben die US-Boys?
Kero: „Deutschland hat nicht nur in der NHL sehr starke Spieler, sondern auch hier in der DEL. Das ergibt eine gute Mischung für die kommenden Olympischen Spiele. Ich freue mich natürlich sehr auf die Spieler der US-Amerikaner und drücke alle Daumen, dass sie sich die Goldmedaille schnappen.“

