Preiserhöhung bei Aldi & Co. Ist der Ukraine-Krieg nur ein Deckmantel für Profit-Gier?

Schock an der Kasse im Supermarkt: In Deutschland verteuern sich die Preise für Lebensmittel massiv. Ist wirklich nur der Ukraine-Krieg schuld? Nun macht sich ein böser Verdacht breit: Versuchen sich die Konzerne jetzt Extra-Gewinne einzustreichen?

Ein Beispiel von vielen: Anfang April 2022 hat Discounter Aldi zahlreiche Produkte verteuert. Vor allem Fleisch, Wurst und Butter sind betroffen, aber auch Milch, Chips und Kaffee. Andere Unternehmen ziehen nach, auch Edeka und Lidl haben ebenfalls munter die Preise angehoben.

Wie weit wird sich diese Preisspirale noch nach oben schrauben, wird bald vieles unbezahlbar für einkommensschwache Familien? Oft wird der Krieg in der Ukraine als der Hauptgrund dafür genannt, dass die Preise derart massiv ansteigen.

Preise steigen: Wird Ukraine-Krieg als Deckmantel für Profitgier genutzt?

Rohstoff- und Energiepreise gehen nach oben, die Konzerne fordern einen satten Aufschlag. Doch eine Führungskraft bei Rewe meint: Nicht jede dieser Forderungen ist wirklich berechtigt. Er hat einen ganz bösen Verdacht. Ist der Ukraine-Krieg nur ein Deckmantel für Profit-Gier?

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Die extremen Preise sind schon jetzt Gesprächsthema Nummer eins beim Einkaufen, vielerorts sorgen sie für einen Schock bei den Kundinnen und Kunden.

Doch geht es nach den Herstellern und der Industrie, dann würden die Preise noch viel höher liegen. Er sei jetzt seit fast 30 Jahren im Geschäft, sagte Rewe-Chef Lionel Souque kürzlich gegenüber der „Tagesschau“. Aber so eine Liste mit Preiserhöhungswünschen von Herstellern habe er noch nie gesehen.

Aldi, Lidl, Edeka & Co.: Harte Verhandlungen zwischen Herstellern und Händlern

Die Hersteller stehen schon länger vor großen Herausforderungen, nicht erst seit dem Ukraine-Krieg: Die Transportkosten steigen schon länger, die Energiepreise ebenso, auch die Corona-Pandemie machte ihnen zu schaffen. Der Krieg in der Ukraine verschärft die Situation noch.

Handelsexpertinnen und -experten vermuten, dass die Verhandlung zwischen den Herstellern und den Händlern in Zukunft mit richtig harten Bandagen geführt werden. Stapeln die Händler normalerweise tief bei den Preisen, was immer wieder zu Konflikten geführt hat, ist es nun auch für sie schwieriger. Im Normalfall wird bei einem Zwist kurzerhand ausgelistet und eine Eigenmarke als Alternative angeboten.

Doch nun ist der Druck auf die Händler groß, wenn sie noch eine Palette an Produkten anbieten wollen.

Aldi, Lidl, Edeka & Co.: Versuchen Lebensmittelkonzerne Extra-Gewinne einzustreichen?

Laut einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts planen immer mehr Firmen Preiserhöhungen in den nächsten drei Monaten. Geht das ständig so weiter? Wie hart die Diskussionen zwischen Handel und Herstellern geführt werden, lässt auch ein Gespräch mit Rewe-Chef Lionel Souque durchblicken. Er äußerte nun in der „Tagesschau“ seinen bösen Verdacht: Lebensmittelkonzerne versuchten, Extra-Gewinne einzufahren.

„Sehr viele haben auf dieser Welle gesurft. Die haben gesagt: Okay, da gibt es viele, die reden über Preiserhöhungen. Da haben alle großen Multinationalen gesagt: Da ist die Möglichkeit, dass wir noch mehr Dividende ausschütten nächstes Jahr“, sagt Souque. „Das sind unglaublichen Preiserhöhungen, die wir nie in unserer Karriere mitbekommen haben. Wir sind in massive Diskussionen mit der Industrie gekommen.“

Rewe-Chef Souque: „Wer soll das bezahlen?“

Höhere Preisforderungen habe es bereits im Herbst gegeben, der Krieg in der Ukraine habe die Gespräche verschärft. Jetzt müsse der Handel insgesamt extrem aufpassen, findet Souque. „Da gibt es nicht nachvollziehbare Unterschiede“, so der Rewe-Chef. „Wenn ein Lieferant nach plus zehn Prozent in Deutschland fragt und nur nach drei in Österreich“, könne man sich nach den Gründen fragen, wenn die Ware aus dem gleichen Werk komme.

Souque erklärt, dass die Industrie glaube, die Händler würden die Preiserhöhungen 1:1 an die Kundinnen und Kunden durchreichen. Doch er betont: „Die Rechnung geht nicht auf. Der Endverbraucher zahlt auch mehr für Benzin, zahlt auch mehr für Energie. Es ist total schwachsinnig zu glauben, dass wir alles nach hinten an den Letzten weitergeben können. Wer soll das bezahlen? Wir müssen das im System verteilen.“

Rewe-Chef Souque: „Unklar, welche Produkte besonders teuer werden“

Die Preisspirale jedenfalls dreht sich vorerst weiter, unter anderem bei Obst, Gemüse, Brot. Welche Produkte in den kommenden Monaten besonders teuer werden, lasse sich noch nicht präzise sagen, heißt es von Rewe.

Das hänge von vielen Faktoren und manchmal auch von der Verpackung ab. „Am Ende sind alle Warengruppen mehr oder weniger betroffen“, so Souque. Lieferengpässe gebe es derzeit nicht, selbst Sonnenblumenöl sei ausreichend verfügbar. Kein Grund also zu Hamstern.

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