Lust auf einen kleinen Frühlingstrip mit der ganzen Familie? Warum nicht mal nach Bamberg fahren – wir haben hier die besten Tipps!
Frühlingsgefühle in BambergItalo-Flair bei bayerischem Bier

Copyright: Jörn Kießler
Hoch oben auf dem Michaelsberg thront das gleichnamige ehemalige Benediktinerkloster. Auch vom Rosengarten der Neuen Residenz aus hat man darauf einen guten Blick.
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An einem sonnigen Wochenende geht Bamberg fast als italienisches Städtchen durch. Eine malerische Altstadt, pompöse Kirchen und Paläste und ein Stadtleben, das auf der Straße stattfindet. Einziger Unterschied: Statt Vino wird hier Bier getrunken.
- Historische Altstadt: Der gefühlte Mittelpunkt ist das alte Rathaus. Vor mehr als 650 Jahren bauten es die Bamberger auf Pfählen inmitten des heute linken Regnitzarms – der Legende nach, weil ihnen der Bischof kein Grundstück für ein Rathaus zugestehen wollte. Von dort aus kommt man problemlos zu allen Sehenswürdigkeiten in der Insel- und Bergstadt. Am besten zu Fuß, denn fast jede der kleinen Gassen in Bamberg ist eine kleine Attraktion. Kein Wunder, dass Bamberg seit 1993 zum Unesco-Welterbe gehört.
- Auf nach Venedig: Vom Alten Rathaus lohnt sich ein Spaziergang entlang des Regnitzufers. Von der südlichen Seite des Flusses (Am Leinritt) hat man einen tollen Blick auf die ehemaligen Fischerhäuschen, die ihm den Namen „Klein Venedig“ beschert haben. Die flachen Kähne davor im Wasser verstärken den Eindruck. Von dort geht es über die Markusbrücke auf die Insel zwischen den beiden Regnitzarmen. Über die Straße „Fischerei“ vorbei am ehemaligen Hafen Bambergs samt altem Schlachthof in Richtung Grüner Markt mit der Jesuitenkirche St. Martin weiter bis zum Maximiliansplatz (der allerdings alles andere als schön ist). Von dort empfiehlt es sich Richtung Nordwesten abzubiegen. So kommt man an der Institutskirche des Frauenordens Congregatio Jesu vorbei und passiert auf dem Rückweg zahlreiche Gebäude der Bamberger Uni.
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- Hinauf zu den Bischöfen: Schon beim Spaziergang durch die Inselstadt wird deutlich, wie katholisch Bamberg geprägt ist. Abgesehen von den vielen Kirchen sind an zahlreichen Häusern Marienfiguren angebracht oder hängen Abbilder des gekreuzigten Jesus. Kein Wunder: Vor mehr als 1000 Jahren wurde Bamberg von Heinrich II. zum Bistum ernannt. Besonders deutlich wird das in der Bergstadt. Nordwestlich des Doms befindet sich die Alte Hofhaltung, in der einst die Bischöfe wohnten. Heute ist darin das Historische Museum der Stadt untergebracht (Eintritt 8 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei). Gleich gegenüber beeindruckt ein noch prunkvollerer Bau: die neue Residenz samt Rosengarten. In dem riesigen Barockgebäude wohnten ab 1802 die Fürstbischöfe Bambergs (Eintritt 7 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei).
- Himmlische Kräuter an der Decke: Vom Rosengarten der neuen Residenz sieht man im Nordwesten bereits die nächste Kirche: St. Michael. Sie gehört zur gleichnamigen Benediktinerabtei. Wer den Hügel besteigt, sollte nicht nur die Aussicht hin-unter auf die Stadt genießen. In der Kirche, die mehr als 13 Jahre geschlossen war, befindet sich der berühmte Himmelsgarten. Am Gewölbe der Kirche befinden sich fast 600 Zeichnungen von Nutz-, Heil- und Zierpflanzen – von der Maispflanze über Schlafmohn bis hin zur Ananas.
- Wandern, Radeln & Genießen: Wer kann, sollte das Rad mit nach Bamberg nehmen – oder die Wanderschuhe. Denn von dort starten nicht nur zahlreiche Radtouren durch die fränkische Schweiz oder entlang des Mains. Rund um Bamberg gibt es auch diverse Wanderstrecken für jeden Geschmack. Die Tour „Brauereien und Bunkeranlagen“führt von Breitengüßbach aus durch Wälder, vorbei an leuchtenden Rapsfeldern und durch ein ehemaliges US-Militärgelände, das mittlerweile unter Naturschutz steht. Zur Stärkung kann man in kleinen Familienbrauereien einkehren und sich mit Hausmannskost und leckerem Bier stärken. Zum Beispiel in der Brauerei Hummel in Meckenheim. Hier gibt es Kartenmaterial und GPX-Daten.
- Trinken: Ein Ausflug in eine der zahlreichen Brauereien ist in Bamberg Pflicht. Die Auswahl ist riesig. Angeboten werden zahlreiche Biersorten von Hellem, über Hefe, Märzen und Lager bis hin zu Pils. Einige Brauereien bieten als hauseigene Spezialität ein Rauchbier an: entweder, man findet es extrem lecker – oder man lässt es stehen. Empfehlenswert ist das Kellerbier im Klosterbräu (0,5 Liter für 4 Euro) und das Zwickel im Sternla.
- Essen: Das Angebot ist in den meisten Brauereien ähnlich. Es gibt fränkische Klassiker wie Schäuferla (Stück aus der Schweineschulter) in Biersoße mit Sauerkraut und Klößen (17,90 Euro im Klosterbräu), Bratwürste mit Sauerkraut und Brot (11,90 Euro) oder Gerupfter (fränkische Variante von Obazda mit reifem Weichkäse mit Zwiebeln, Pfeffer, Salz und Paprika, 11,40 Euro). Wer nicht jeden Tag Lust auf Zünftiges hat, findet in der Studentenstadt zahlreiche Alternativen. Im Henrietta an der Bischofmühlbrücke gibt es leckere neapolitanische Pizza (ab 10,80 Euro). Das Umi Sake an der Schranne bietet neben Sushi auch asiatisches Curry und Nudeln (Curry ab 12,90 Euro).
Bamberg: Residieren wie einst die Freiherren
- Übernachten: Wer das historische Feeling auch in Sachen Wohnen erleben will, sollte im Palais Schrottenberg absteigen – der Name ist nicht Programm. Das mehr als 300 Jahre alte Gebäude war einst Residenz der Freiherren zu Schrottenberg. 1997 wurde es saniert, seitdem dienen die ehemaligen Wohnräume des Freiherren als Hotelzimmer (ab 130 Euro/Nacht für 2 Personen, Frühstück für 9,50 Euro pro Person). Weiterer Vorteil: zentraler kann man quasi nicht wohnen, keine 20 Meter von der Dominikanerstraße und der Oberen Sandstraße entfernt, wo sich eine Wirtschaft oder Brauerei an die andere reiht.
- Das nervt: Im Umland Bambergs sind nicht alle Einheimischen Touristen gegenüber sehr freundlich gesinnt. Die dummen Sprüche könnten sie sich sparen.
- Das bleibt: Erholung und Entspannung, wenn man sich ein Wochenende lang dem bayerischen Lebensstil anpasst und einfach Landschaft, Wetter, Tradition und gutes Essen genießt.
Genießer-Wochenende in Bamberg: So komme ich hin
Einfachste Variante von Köln und Düsseldorf aus: der Zug. Fast stündlich fährt ein ICE nach Würzburg, der von Düsseldorf ca. 2 Stunden 40 Minuten, von Köln 20 Minuten weniger braucht. Ab Würzburg dauert es noch einmal gut eine Stunde mit dem Regionalexpress.
Wer früh bucht, zahlt für eine einfache Fahrt ab 50 Euro (mit Sparangeboten weniger). Mit dem Auto sind es knapp 400 Kilometer über die A3 via Frankfurt und Würzburg bis Höchstadt an der Aisch. Ab da geht es das letzte Stück über die B505.
