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Lage bei der Bahn immer schlimmer „Situation habe ich in 40 Jahren noch nicht erlebt“

In Sachen Pünktlichkeit erlebt die Deutsche Bahn derzeit schlechte Wochen. Fraglich, ob sich das so schnell ändern wird. Das Archivfoto (2021) zeigt zwei wartende Frauen am Hauptbahnhof in Hannover.

In Sachen Pünktlichkeit erlebt die Deutsche Bahn derzeit schlechte Wochen. Fraglich, ob sich das so schnell ändern wird. Das Archivfoto (2021) zeigt zwei wartende Frauen am Hauptbahnhof in Hannover.

Die Deutsche Bahn hat ein echtes Problem, der Druck steigt und steigt: In Sachen Pünktlichkeit sieht es nicht gut aus bei dem Unternehmen. Und es ist zweifelhaft, ob sich das kurzfristig ändern wird. Worauf sich Reisende nun einstellen sollten.

Wer sich in den sozialen Medien umsieht, bekommt unzählige Beschwerden und Wut-Posts serviert: Kundinnen und Kunden beschweren sich über kaputte Signale, defekte Bahnschranken, mangelnde Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit.

Ist doch nichts Neues, mag man denken. Doch auch statistisch lässt sich festhalten, dass die Verspätungen sich häufen, vor allem im Fernverkehr – im April 2022 so oft wie lange nicht. Die ICE- und Intercity-Züge kamen in 69,1 Prozent der Fälle pünktlich, wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte. Die Gründe laut Bahn: Baustellen. In Schienen und Bahnhöfe fließe in diesem Jahr die Rekordsumme von 13,6 Milliarden Euro.

Deutsche Bahn: Verspätungen sorgen für Ärger

Viele Reisende sind genervt und frustriert – und längst nicht nur sie. Auch Betreiber von Güterbahnen wissen von Missständen im Bahnnetz zu berichten. Nicht erreichbare Bahnhöfe, Kapazitätsprobleme, zwangsweise abgestellte Züge – man hat Angst vor einem „kompletten Gau“. Was ist da los?

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Der Konzern selbst erwartet, dass die vielen Baustellen die Züge noch einige Jahre ausbremsen werden. Er beziffert den Investitionsstau in der Infrastruktur auf knapp 60 Milliarden Euro. Das Schienennetz ist längst veraltet – die Bahn will, dass es besser wird. Sie baut gleichzeitig an so vielen Stellen wie nie, auch auf viel befahrenen Strecken. Heißt: mehr Stau, mehr Umleitungen, mehr Verspätungen – mehr Frust.

Deutsche Bahn: Lage wird immer dramatischer

Seit Ostern 2022 steigt die Zahl der Fahrgäste wieder, bei den Reisenden ist die Zahl der Ticketbuchungen höher als vor der Corona-Pandemie. Für die Bahn eine gute Möglichkeit, sich als Alternative zum Auto oder zum Flugzeug zu präsentieren. Als „grünes“ Verkehrsmittel. Eigentlich. Doch die Schwierigkeiten sind groß.

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, geht am Mittwoch (18. Mai) bei der Präsentation des neuen Designs im ICE durch ein Modell.

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, geht am Mittwoch (18. Mai) bei der Präsentation des neuen Designs im ICE durch ein Modell.

Dabei ist das Netz bereits ohne Baustellen stark belastet, die Schienen zu voll. Die Auslastung liege laut Bericht des Branchenmagazins  „Wirtschaftswoche“ (WiWo) bei 125 Prozent – und die Lage wird demnach noch dramatischer werden. In den Sommermonaten werden laut Bericht erhebliche Eingriffe in das Schienennetz vorgenommen.

Deutsche Bahn: „Situation ist fast schon nicht mehr beschreiblich“

Wie groß der Druck auf die Bahn ist, lässt sich an einem Video von Ralf Kloß festmachen. Der Produktionsvorstand bei der Güterbahn-Tochter DB Cargo beschreibt Mitte Mai 2022 die Lage recht eindrücklich: „Wir sind in einer Situation, die ist fast schon nicht mehr beschreiblich.“ Eine Situation, die er in 40 Jahren Arbeitszeit „noch nicht erlebt“ habe.

Das Unternehmen sei betroffen von Baumaßnahmen, „die wir kaum noch beherrschen können“. Kloß dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich mit aller Kraft „gegen das drohende Chaos“ stemmen, „gegen den kompletten GAU auf dem Produktionssystem“.

Bahn-Chef Richard Lutz: „mehr Wachstum als mehr Pünktlichkeit“

Vor allen Dingen Bahn-Chef Richard Lutz steht unter Druck. Im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ bekennt er sich zu den Problemen, sagt, der Verkehr auf dem Schienennetz habe seit Mitte der 1990er um 40 Prozent im Personenverkehr zugenommen, um 80 Prozent im Güterverkehr zugenommen. Doch nur 15 Prozent der Streckenkilometer seien abgebaut worden.

Das Schienennetz ist stark belastet, kommt schon bei kleinen Störungen aus dem Takt. Dabei will sich die Bahn gerade jetzt als bequeme Alternative präsentieren, am Mittwoch (18. Mai) erst wurde das neue ICE-Design vorgestellt. Der Zug soll zum „Wohnzimmer“ werden, mit mehr Komfort, mehr Privatheit will sie mehr Kundinnen und Kunden auf die Schiene locken. Auch viele neue Züge werden gekauft.

Alles soll besser werden, doch mittelfristig werden sich Probleme wohl nicht vermeiden lassen, das weiß auch der Bahn-Chef. „Wachstumsschmerzen im Nahbereich“ nennt er es. Die „WiWo“ zitiert seine neue Philosophie: „Im Zweifel mehr Wachstum als mehr Pünktlichkeit.“ Ein Satz, der bei Kundinnen und Kunden wohl auf einige Kritik stoßen dürfte. (mg)

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